Wenn Eltern zur Gefahr für ihren Nachwuchs werden

Wenn Eltern zur Gefahr für ihren Nachwuchs werden

Vom 8. bis 14. Februar läuft die bundesweite Aktionswoche für Kinder aus Sucht-Familien. In den Landkreisen Neunkirchen und St. Wendel ist der Caritasverband Schaumberg-Blies aktiv zu dem Thema. Die SZ sprach mit Psychologin Corinna Oswald und Sozialpädagogin Janina Meeß von der Beratungs- und Behandlungsstelle „Die Brigg“ über die Angebote.

. Die bekannte Schauspielerin Katrin Sass, die vor Jahren ihre Alkohol-Krankheit besiegt hat, ist die Schirmherrin der Aktionswoche für Kinder aus Sucht-Familien. Sie will darauf aufmerksam machen, dass die rund 2, 6 Millionen Kinder, die in Deutschland bei suchtkranken Eltern aufwachsen, die größte bekannte Risikogruppe sind, selbst zu erkranken. In den Landkreisen Neunkirchen und St. Wendel ist man längst auf die Problematik aufmerksam geworden. Der Caritasverband Schaumberg-Blies, unterstützt von den Kreisen, bietet über das Projekt "Wiesel" genau für diese Gruppe (siehe Info) Beratung und Hilfe an. Zurzeit werden im Kreis Neunkirchen 25 Kinder und Jugendliche betreut. "Wir bieten nicht nur vier Gruppen an, sondern auch Einzelgespräche", so Corinna Oswald im SZ-Gespräch. Ganz wichtig, meint ihre Brigg-Kollegin Janina Meeß, sei das Bemühen, betroffene Kinder möglichst früh unterstützen zu können. Daher wurde in Neunkirchen (zusammen mit der Stadt) ein Programm für Erzieherinnen aufgelegt, an dem bereits 15 Kräfte aus Vorschul-Einrichtungen teilgenommen haben. In St. Wendel laufen die Vorgespräche zur Umsetzung dieser Präventionsarbeit.

Jährlich - immer in zeitlicher Nähe zum Valentintag - wird durch "Nacoa", die deutschlandweite Interessenvertretung für Kinder aus Alkoholikerfamilien, eine Aktionswoche veranstaltet, die auf das Thema aufmerksam macht. Das ganze Jahr über läuft die Betreuungsarbeit über Kontakte zu Betroffenen durch die Familien-Beratungszentren in den beiden Kreisen, die Jugendhilfe bei den Kreisverwaltungen, Suchtberatungsstellen und verstärkt auch über die Schoolworker.

"Angesichts des hohen Risikos von Kindern aus Sucht-Familien (hier geht es um "stoffliche" Süchte wie Alkoholismus und Drogenabhängigheit) nicht nur selbst abhängig zu werden, sondern auch unter Depressionen, Ängsten, aggressivem Verhalten und Schulproblemen zu leiden, sind vielfältige Hilfen sehr wichtig, so Oswald und Mees. Sie sehen die hiesige Region im Saarland da sehr gut aufgestellt. Übrigens: Die Problem-Familien finden sich längst nicht nur, wie üblicherweise angenommen wird, in den städtischen sozialen Brennpunkten, sondern auch in ländlichen Gebieten.

Die Aktionswoche: Dienstag, 10. Februar, 19 bis 21 Uhr, Filmabend mit dem Dokumentationsfilm "Traurige Helden" im Momentum, Kirche am Center, Neunkirchen , Bliespromenade 1.

Mittwoch, 11. Februar, 10 bis 12 Uhr, Sprechstunde der Brigg-Beraterinnen in den Räumen des Momentum.

Mittwoch, 11., und Donnerstag, 12. Februar, Schnupperkurs im Bogenschießen für Kinder und Jugendliche aus suchtbelasteten Familien beim Bogenschieß-Verein "Mach mit" Bexbach.

caritas-nk.de

coa.aktionswoche.de

Zum Thema:

Hintergrund Nach der Datenlage (Zahlen von Dezember 2013) geht der Caritasverband davon aus, dass von den rund 18 450 Kindern und Jugendlichen im Kreis Neunkirchen rund 2600 (jedes siebte Kind) belastet oder gefährdet ist durch Suchtprobleme in der Familie. Im Kreis St. Wendel mit zirka 12 600 Minderjährigen rechnet man mit fast 1800 jungen Menschen mit Problem-Potenzial. Nach aktuellen Erkenntnissen wird je ein Drittel der Kinder aus Sucht-Familien später selbst abhängig oder leidet unter anderen physischen oder psychischen Störungen. Nur ein Drittel bleibt ohne Schädigungen. Nach Berechnungen der Universität Hamburg entsteht in Deutschland allein durch Alkoholkonsum ein volkswirtschaftlicher Schaden von mehr als 40 Milliarden Euro. sl