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Beratungsstelle: Wenn der Geist den Menschen verlässt

Beratungsstelle : Wenn der Geist den Menschen verlässt

Demenzverein Neunkirchen bringt Projekte auf den Weg. Auch eine Selbsthilfegruppe für jüngere Betroffene.

„Beim Hausbesuch spürt man zunächst immer die Hilfslosigkeit, die einsetzt, wenn in der Familie der Vater oder die Mutter an Demenz erkranken“, erzählt Volker Schwarz. „Man hört zu. Versucht der Familie klarzumachen, dass es keine Schande ist und auch kein Problem des Familiensystems. Niemand hat Schuld.“ Schwarz ist für die Beratungsstelle des Demenzvereins im Landkreis Neunkirchen im Einsatz. Der Begriff „Demenz“ (lat. dementia) bedeutet sinngemäß „ohne Geist“. Definiert sind Demenzerkrankungen durch einen Abbau geistiger Funktionen, die dazu führen, dass Alltagskompetenzen mit der Zeit verloren gehen. Seit ein paar Monaten bietet der Verein als Beratungsstelle auch Einzelfall­arbeit an. Und das Angebot wird nachgefragt. „Man kommt ins Gespräch“, erzählt Schwarz weiter von seinen Hausbesuchen. „Wir können den Angehörigen Hilfestellung geben bei Anträgen und Widersprüchen. Wir machen aufmerksam auf Leistungsangebote und Leistungsanbieter.“

Beratung ist ein Arbeitsschwerpunkt des Vereins neben dem Aufbau von Selbsthilfegruppen, Informations- und Fortbildungsveranstaltungen, Netzwerkarbeit. „Wir werben für einen offenen Umgang mit der Krankheit“, sagt Sören Meng, 1. Vorsitzender des Vereins, Gründungsmitglied und schon vor seiner Wahl zum Landrat Vorstandsmitglied. Volker Schwarz (68), ehemals zuständig beim Kreis für die Leitstelle „Älter werden“, engagiert sich als Ruheständler seit Juli 2016 beim Demenzverein, kann seine Kontakte und Erfahrungen einbringen.

Schwarz und Meng machen im SZ-Gespräch auch auf neue Projekte des Vereins aufmerksam. So wollen sie jetzt eine Selbsthilfegruppe für jüngere Betroffene auf den Weg bringen. Ein landesweites Angebot. Jüngere Betroffene sind selten. Nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft fallen zwei Prozent aller Demenzerkrankungen auf das Alter unter 65 Jahren. Schwarz kennt aber auch das Extrembeispiel einer 32 Jahre alten Frau. Eine Demenz früh im Leben schafft nochmal eine besondere Situation, so Schwarz: Die Menschen stehen noch im Berufsleben, es leben Kinder im Haus, die Lebensplanung wird umgeworfen. Der Weg zur Diagnose ist hier auch oft schwieriger und länger. Es braucht spezialisiertere Angebote und Unterstützungsmöglichkeiten.

Weiter bahnt der Demenzverein Neunkirchen derzeit auch ein Bewegungsangebot für Demenzkranke in Zusammenarbeit mit dem Saarländischen Turnerbund an, wie Schwarz berichtet. Und da es auch darum gehe, Demenzpatienten Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen, denke der Verein auch hier über spezielle Angebote nach. Etwa einem Besuch im Schulmuseum in Ottweiler. „Eine erste Gruppe kommt bald“, sagt Schwarz. „Jeder war mal in der Schule. Erinnerung kann da vielleicht noch mal aufleben.“

Datiert ist zudem bereits ein Vortrag von Erich Schützendorf am 13. November in Ottweiler, so Schwarz weiter. Schützendorf sei einer, der kompetent, einfühlsam und dennoch mit Leichtigkeit und Humor mit dem Thema Alter und Demenz umgehe. In einem Puppenspiel, so ist über Schützendorf nachzulesen, habe er ein bekanntes Märchenthema abwandelt: „Es handelt von einem dementen Wolf, der vergisst, Rotkäppchen zu fressen.“

Kontakt: Ansprechpartner bei der Beratungsstelle sind Volker Schwarz und Felicitas Zumpf. Telefon (0 68 24) 906-21 54. Internet: www.demenzverein-neunkirchen.de.