Wenn das Pech zum Glück wird

Wegen zwei schweren Verletzungen wurde aus dem Wiebelskircher Timo Klein ein Fußball-Schiedsrichter statt ein Spieler. Mittlerweile ist der 28-Jährige sogar in der 2. Liga im Einsatz – auch am Sonntag.

Lange sah es für den Neunkircher Timo Klein danach aus, als könne er als Fußballspieler Karriere machen. Zwei schwere Verletzungen beendeten seine Laufbahn aber vorzeitig. Glück im Pech: Jetzt hat der Wiebelskircher trotzdem Karriere gemacht - als Schiedsrichter. Neben dem Illinger Patrick Alt, der in der 2. Bundesliga pfeift, ist Klein der höchstklassige saarländische Unparteiische. Am vergangenen Sonntag stand der 28-Jährige beim Zweitliga-Spiel des FC St. Pauli gegen Bundesliga-Absteiger VfB Stuttgart als Linienrichter an der Seitenlinie. Für das Gespann von Schiedsrichter Robert Schröder (Hannover) galt es beim späten Stuttgarter 1:0-Sieg, in der hitzigen Atmosphäre am Millerntor die Ruhe zu bewahren. Aber Klein ist sich auch nicht zu schade, wie vor einer Woche bei der Bexbacher Stadtmeisterschaft in der Höcherberghalle zu pfeifen.

Schwer verletzt mit 17 Jahren

Timo Klein spielt seit seinem zweiten Lebensjahr Fußball und wechselte in der A-Jugend zu Borussia Neunkirchen . Dort verletzte er sich mit 17 Jahren schwer am Knie. Diagnose: Knorpelschaden und Meniskusabriss. Ein Jahr und einen Kreuzbandriss später war er gezwungen, die Karriere zu beenden. Gut, dass er mit 14 Jahren begonnen hatte, für den TuS Wiebelskirchen als Schiedsrichter zu pfeifen.

"Ich wollte eigentlich ein bisschen mehr Taschengeld. Mein Vater ist selbst Schiedsrichter. Er hat ein bisschen an mir rumgesprochen, ich soll eine Prüfung machen. Das habe ich irgendwann gemacht. Nach dem Kreuzbandriss habe ich mich dann ganz auf die Schiedsrichterei konzentriert", erklärt der 28-Jährige. Aus dem einstigen Nebenverdienst in der Gruppe Neunkirchen ist mittlerweile ein zweiter Beruf für den Zerspanungsmechaniker geworden. Zu Beginn seiner Laufbahn stieg er im Jahresrhythmus in die nächsthöhere Klasse auf. Schon früh folgte nach guten Leistungen der direkte Aufstieg in die Oberliga.

Inzwischen leitet er in seiner vierten Saison Spiele in der Regionalliga, steht in der 2. und 3. Liga an der Linie. Klein erzählt: "Mein Traum ist es, DFB-Schiedsrichter zu werden." Ein Ziel, das zum Greifen nah scheint, denn zum DFB-Schiedsrichter fehlt nur noch der Aufstieg in die 3. Liga. "Darüber habe ich mich sehr gefreut, denn der Konkurrenzkampf ist bundesweit sehr, sehr groß", sagt Klein. Ihm ist, damals an der Seite von Patrick Alt, besonders das Drittliga-Heimspiel von Dynamo Dresden gegen Borussia Dortmund II am 21. November 2014 in Erinnerung geblieben. "Als Assistent war das ein Spiel, das mich geprägt hat. Das Stadion war mit 27 000 Zuschauern gut gefüllt. Ich habe mein eigenes Wort nicht mehr verstanden. Auf dem Platz gab es viel Kampf und Spannung und auf den Rängen eine leicht aggressive Stimmung. Dresden hat in der 93. Minute das 1:1 bekommen. Und die Zuschauer haben den Unmut an uns ausgelassen. Aber unsere Leistung war trotz allem sehr gut", sagt Klein.

Doch nicht nur großem psychischem Druck gilt es standzuhalten. Bis zu 50 Einsätze im Jahr verlangen Körper und Geist auch physisch und organisatorisch alles ab. "Es gehört sehr viel Selbstdisziplin dazu, man organisiert sich selbst", berichtet Klein, der in der Saisonvorbereitung bis zu sechs Mal pro Woche trainiert. Die Trainingspläne dazu erstellt er selber. Dazu kommen Vor- und Nachbereitung der betreuten Spiele. Alles in Eigenregie.

Nur das Privatleben kommt bei einem so prall gefüllten Zeitplan leider des Öfteren zu kurz. "Dann geht man mal pfeifen anstatt feiern", scherzt Klein. Den nötigen Rückhalt erfährt er trotzdem: "Ich bekomme große Unterstützung durch meine Eltern. Mein Vater schaut sich jedes Spiel von mir an, meine Familie ist, glaube ich, mein allergrößter Fan. Ich habe einen sehr innigen Freundeskreis. Und beruflich werde ich durch die Firma unterstützt, wo es nur geht."