| 20:25 Uhr

Wem wird die Gunst der CDU zuteil?

Steinbach. Selten hat der Ottweiler Stadtteil Steinbach so viel überregionale Aufmerksamkeit auf sich gezogen wie am Sonntag. Grund war eine Ortsratswahl außerhalb jedes Wahlkalenders Von SZ-Redakteur Gunther Thomas

Steinbach. Selten hat der Ottweiler Stadtteil Steinbach so viel überregionale Aufmerksamkeit auf sich gezogen wie am Sonntag. Grund war eine Ortsratswahl außerhalb jedes Wahlkalenders. Sie war einem außergewöhnlichen kommunalpolitischen Vorgang geschuldet: Der Ortsrat war - wie in der SZ mehrfach berichtet - wegen des Rücktritts von sechs SPD-Leuten handlungsunfähig geworden und vom Innenministerium als Aufsichtsbehörde aufgelöst worden. Grund: Die SPD und der ihr angehörige Ortsvorsteher Frank Heckmann hatten sich unversöhnlich zerstritten. Folge: Heckmann trat aus der SPD aus und gründete eine "Wählergemeinschaft unabhängiger Steinbacher Bürger" (WuSG).


Trotz der Querelen brachte die Wahl am kalten Januarsonntag 743 Wählerinnen und Wähler an die Urne (rund 63 Prozent Wahlbeteiligung). Sie sorgten aber nicht für eine eindeutige Entscheidung: Der SPD, bisher mit acht Sitzen ausgestattet, erhält nun vier Mandate, die WuSG aus dem Stand drei und die CDU machte aus einem Sitz zwei. In Prozenten erhielt die SPD 47,0 (2009: 80,7), die WuSG 31,9 (-), die CDU 21,1 (19,3). Der Riss zwischen SPD und WuSG, die das "Traumergebnis" der SPD von 2009 kräftig zerfleddert hat, ist wohl nicht zu kitten. Deshalb sieht sich die CDU nun in der komfortablen Lage, trotz nur geringer Verbesserung das "Zünglein an der Waage" zu spielen. Was ihrem Spitzenkandidaten Jörg Herrmann das Amt des stellvertretenden Ortsvorstehers quasi auf dem Silbertablett serviert. Diese Position steht für den Polizeibeamten aber nicht im Vordergrund. Wichtiger sei es jetzt "den parteipolitischen Streit rauszukriegen" und gemeinsam anzupacken, so Herrmann gestern zur SZ. Wem nun die Christdemokraten zur Macht verhelfen, will Herrmann offen lassen: "Die Tendenz ist 50 zu 50. Wer die besten Lösungen für Steinbach bietet, bekommt den Zuschlag!" In der Hand der CDU liegt es also, ob Frank Heckmann seinen sieben Jahren als Ortsvorsteher weitere hinzufügen kann, oder ob SPD-Mann Hans-Jürgen Fritz künftig dieses Amt einnimmt - zumindest bis zur nächsten regulären Kommunalwahl im Sommer 2014.

Heckmann sieht das Ergebnis für seine WuSG mit Genugtuung: "Aus dem Stand von Null auf 32 (Prozent), das hat meine Erwartungen übertroffen", sagte er der SZ. Heckmann sieht eine "sehr reale Möglichkeit", sich mit den Christdemokraten zu einigen. Die Schnittmenge zwischen SPD und CDU hält er für "recht gering".

Was der Steinbacher SPD-Chef Dr. Wolfgang Brück anders sieht: "Wenn man sich die Wahlprogramme anguckt, dann stellt man keine gravierenden Unterschiede fest." Brück räumte ein, dass die SPD ihr Hauptwahlziel, fünf Sitze und damit die absolute Mehrheit, knapp verfehlt habe. Als stärkste Fraktion beanspruche man nun das Amt des Ortsvorstehers. Dazu aber müsse es aber mit einem Bündnis klappen. Angestrebt wird also die "Steinbacher Große Koalition".Foto: Engel

Foto: engel