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Weltmädchentag
So ein toller Tag — alleine für die Mädchen

Diese Mädchengruppe hatte sichtlich ihren Spaß beim Weltmädchentag vor der Neunkircher Gebläsehalle am rosa angestrahlten Hochofen.
Diese Mädchengruppe hatte sichtlich ihren Spaß beim Weltmädchentag vor der Neunkircher Gebläsehalle am rosa angestrahlten Hochofen. FOTO: Jörg Jacobi
Neunkirchen. Rund 20 jüngere Mamas und am Abend bis zu 80 Mädchen ab zehn Jahren feierten in der Neunkircher Gebläsehalle. Von Anja Kernig

Sie lümmeln kichernd in den Liegestühlen und auf den Stühlen, „Grüne Hexe“- und „Rote Sonne“-Cocktails in der Hand, das Smartphone in Reichweite und die Augen auf die kleine Bühne gerichtet, wo vier von ihnen gerade karaokemäßig voll den Retro-Song schmettern: „Das ist die perfekte Welle, das ist der perfekte Tag“ – für sie, die Mädchen. Es ist ihr Tag, Weltmädchentag nämlich, und so wie es ausschaut, ist er durchaus dazu angetan, ein bisschen perfekt zu sein. Also alles richtig gemacht, freuten sich Annette Pirrong und Heike Neurohr-Kleer, Frauenbeauftragte der Stadt und des Landkreises. Zusammen mit Edda Petri und Francesco Cottone von „nebenan“ aus dem Kreativzentrum Kutscherhaus und dem Mädchenarbeitskreis hatte man erstmals einen solchen Aktionstag initiiert und auf Anhieb etwa 100 Kinder und Jugendliche zu Gast.


„Wir dachten, das hier ist ein guter Ort“, erläuterte Integrationsmanagerin Petri. „Abends wird der Hochofen pink angestrahlt und wir sind direkt daneben.“ Seit zweieinhalb Monaten im Amt, war es für sie die erste mitorganisierte Veranstaltung in Neunkirchen und damit eine doppelte Premiere. Die gute Resonanz am Abend führte Edda Petri darauf zurück, dass man da explizit Mädchen ab zehn Jahren ohne Begleitung Erwachsener eingeladen hatte: „Man merkt, die fühlen sich frei und können so besser abtanzen.“ Wie Amelie und Charlotte. Die beiden Zehnjährigen führten eine selbst einstudierte Performance zu Camila Cabellos Hit „Havana“ auf. „Ich find es klasse“, strahlte Vokalcoach Cottone, der für die Technik zuständig und das einzige männliche Wesen weit und breit war. „Das hätte ich nicht erwartet“, dass so viele Mädchen über ihren eigenen Schatten springen und spontan vor Fremden singen und tanzen.“

Wer wollte, konnte sich ein Air-Brush-Tatoo sprühen lassen. Rosen und „Best friends“-Motive gingen am besten. Gern genutzt wurde auch das Angebot vom Jugend-Beratungs-Zentrum Kompass. Das Quartett hatte einen ganzen Fundus an Uniformen und Kleidungsstücken dabei, dazu Werkzeuge aller Art wie Malerrolle, Gartenschere oder Kochutensilien. „Wir bieten einen leichten Einstieg in die Berufsfindung“, erklärte Isabelle Hartz. „Die Mädchen sollen sich einfach mal was trauen“, warum nicht mal Handwerker sein, oder Pilot, oder Feuerwehrfrau. „Sie sollen sehen, dass es noch andere Berufe gibt außer den traditionellen“, ergänzte Kollegin Susanne Bertsch. Standesgemäß verkleidet, wurden die Girls im „Wenn ich mal groß bin, werde ich …“-Rahmen fotografiert und konnten ihr Foto gleich mitnehmen – zur Erinnerung, dass ihnen die ganze Berufswelt offen steht, nicht nur die „weibliche“.



Keinen Bock hatte die Zielgruppe dagegen auf Statements. Die Plakate mit Gedankenhilfen á la „Es ist blöd, ein Mädchen zu sein, weil …“ („wir jeden Monate Schmerzen erleiden müssen“ zum Beispiel) oder „Was wünsch ich mir …“ („mehr Respekt von den Männern“) blieben leer. Egal: „War schön, hat schon Spaß gemacht“, lobten Zoe (13) und Leonie (11), die sich optisch als Bäcker und Gärtner ausprobierten. Ihre Freundin Amina (12) entschied sich für die Schreiner-Kluft: „Der Hut hat mir gut gefallen.“ Nach langem Hin und Her fasste sich die Zwölfjährige zum Schluss doch noch ein Herz. Für „U2“ von David Guetta/Justin Bieber griff sie schwer nervös zum Mikro – und strahlte anschließend wie ein Honigkuchenpferd.