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Welthospiztag
Sterben und Tod sind Tabuthemen

Eine Therapeutin (links) hält im Hospiz die Hand einer todkranken Bewohnerin (Symbolbild).
Eine Therapeutin (links) hält im Hospiz die Hand einer todkranken Bewohnerin (Symbolbild). FOTO: dpa / Sebastian Kahnert
Neunkirchen. Das Hospiz in Neunkirchen kümmert sich unter Leiterin Petra Hohnsbein um 250 bis 300 Patienten pro Jahr. Von Solveig Lenz-Engel

Das Ambulante Hospiz St. Josef Neunkirchen ist ein ambulanter und palliativer Beratungsdienst, bei dem sechs hauptamtliche Hospizfachkräfte beschäftigt sind. In ihrer Arbeit werden sie von 48 ehrenamtlichen Hospizhelfern unterstützt. Betreut werden schwerstkranke und sterbende Menschen in der Stadt und dem Landkreis Neunkirchen. Die Leistungen des Ambulanten Hospizes St. Josef Neunkirchen stehen allen Menschen offen. Einkommen, Herkunft, Religion oder die Art der Erkrankung spielen dabei keine Rolle. Die ambulante Hospizarbeit dient dem Ziel, die Lebensqualität und Selbstbestimmung schwerstkranker Menschen zu erhalten, zu fördern und zu verbessern und ihnen ein menschenwürdiges Leben bis zuletzt in ihrer vertrauten Umgebung oder in einer stationären Einrichtung zu ermöglichen. Im Ambulanten Hospiz St. Josef Neunkirchen steht der Patient und seine Angehörigen im Mittelpunkt der Arbeit. Es geht bei den begleiteten Menschen um: Verbesserung der Lebensqualität, Prävention und Linderung von Leiden, Behandlung von Schmerzen und anderen belasteten Symptomen, Sterbebegleitung, Unterstützung bei psychischen, psychosozialen und spirituellen Problemen. Die Palliativpatienten haben eine Erkrankung, die in absehbarer Zeit zum Tode führt. Patienten und Angehörige benötigen unterschiedlichste Arten von Hilfen. Dazu zählt unter anderem die Unterstützung im medizinischen, pflegerischen, sozialen, oder häuslichen Bereich, wie bei finanziellen Angelegenheiten. Dabei arbeiten die hauptamtlichen Hospizfachkräfte und ehrenamtlichen Hospizhelfer mit Menschen verschiedenster Berufsgruppen und Therapeuten zusammen. Es müssen private und institutionelle Netzwerke aufgebaut und gepflegt werden. Anlässlich des Welthospiztages sprach die Redaktion mit Petra Hohnsbein, Leiterin Ambulantes Hospiz Neunkirchen St. Josef.



Wie viele Menschen betreut Ihr Hospiz jährlich?

Petra Hohnsbein: Circa 250 bis 300 Patienten pro Jahr.



Hat sich die Einstellung der Menschen zur Hospizarbeit verändert?

Hohnsbein: Das ambulante Hospiz St. Josef Neunkirchen besteht seit 16 Jahren und in dieser Zeit gab es viele Veränderungen. Die Finanzierung hat sich verbessert, dadurch konnte der Dienst personell immer weiter aufstocken. Die Einstellungen der Menschen haben sich dahingehend verändert, dass die Arbeit viel bekannter geworden ist und mit dem Thema Hospiz heute etwas offener als früher umgegangen wird. Trotzdem sind die Themen Sterben und Tod noch immer Tabuthemen.

Wie groß ist Ihr Team, was sind die beruflichen Qualifikationen?

Hohnsbein: Das Team besteht aus sechs hauptamtlichen Hospizfachkräften, die alle in Teilzeit arbeiten. Sie sind ausgebildete Krankenschwestern mit langjähriger Berufserfahrung. Alle haben eine Zusatzqualifikation in Palliative-Care und sind Koordinatorinnen. Ebenfalls gibt es eine Trauerbegleiterin und verschiedene andere Weiterbildungen.

Welche Rolle spielen Ehrenamtler?

Hohnsbein: Ein wesentlicher Bestandteil der Hospizarbeit ist der Dienst Ehrenamtlicher. Ihnen wird eine herausragende Rolle und eine besondere Bedeutung beigemessen. Durch ihr Engagement leisten sie einen unverzichtbaren Beitrag in der Versorgung von schwerstkranken und sterbenden Menschen. Der wichtigste Ansatz der Begleitung durch die ehrenamtlichen Hospizhelferinnen und Hospizhelfer liegt darin, den Kranken nicht allein zu lassen, an seiner Geschichte teilzunehmen und ihm Anteilnahme entgegenzubringen. Ehrenamtliche bringen ihre Zeit ein für Gespräche, pflegenden Angehörigen einen Freiraum zu verschaffen oder um einfach da zu sein. Wenn Trauer, Wut, Schmerz und Ausweglosigkeit den Raum erfüllen, gerade dann ist es keineswegs Aufgabe der Hospizhelfer zu beschwichtigen oder zu beschönigen sondern mit auszuhalten und das Schwere ein Stück mit zu tragen. In diesem Sinne bedeutet Begleitung „Zur Seite stehen“. Sie unterstützen bei der Hilfe zur Sinnklärung und der Organisation der letzten Dinge. Gemäß den Zielen des Ambulanten Hospiz St. Josef Neunkirchen werden die ehrenamtlichen Mitarbeiter durch Befähigungsseminare auf ihre Tätigkeit vorbereitet und bei regelmäßigen Treffen mit den Hauptamtlichen begleitet. Weiterhin unterstützen sie die hauptamtlichen Mitarbeiter bei der Öffentlichkeitsarbeit.

Wie kann man die Hospizidee unterstützen?

Hohnsbein: Die Inanspruchnahme der Leistungen des Ambulanten Hospizes St. Josef Neunkirchen ist für den Patienten und seine Angehörigen kostenlos. Die Finanzierung erfolgt teilweise durch die Krankenkassen. Einen Teil unserer Arbeit finanzieren wir durch Spenden. Deshalb sind wir für jede Spende sehr dankbar. Für finanzielle Hilfen haben wir ein spezielles Spendenkonto bei der Sparkasse Neunkirchen eingerichtet. Wer die Arbeit unterstützen will, sollte gerne Kontakt aufnehmen.

Das Gespräch führte SZ-Redakteurin Solveig Lenz-Engel

Petra Hohnsbein.
Petra Hohnsbein. FOTO: Marion Rauber