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Ortsrat Wellesweiler
Wellesweiler Mondlandschaften im Visier des Ortsrats

Dieter 
Steinmaier, Ortsvorsteher von Wellesweiler.
Dieter Steinmaier, Ortsvorsteher von Wellesweiler. FOTO: Jörg Jacobi
Wellesweiler. Trotz neu angelegten Stauraums für Regenwasser sammelt sich in der Bruchwies Wasser - Erklärung gibt es vonseiten der Stadt Von Anja Kernig

Als innovativ und effektiv, so war der nagelneue Regenwasserstauraum in der Bruchwies gepriesen wurden. Das Fazit nach der Belastungsprobe fällt allerdings ernüchternd aus: „Es funktioniert überhaupt nicht“, stellte der Wellesweiler Ortsvorsteher Dieter Steinmaier bei der ersten Sitzung des Ortsrats Wellesweiler im neuen Jahr sachlich fest. Nach dem Starkregen im Juli habe alles unter Wasser gestanden, die Gärten seien geflutet worden, auch der Keller eines Anliegers. Von den Kanal-Zuleitungen hätten sich Deckel gelöst und unreines Kanalwasser mit Fäkalien und Toilettenpapier sei ausgetreten. Ende des Jahres sind erneut Bauarbeiten aufgenommen worden. Seitdem mutet die innerörtliche Bruchwies-Aue wie eine Mondlandschaft an – ein Dauerzustand, der niemanden glücklich macht.


In der Haut von Ortsrat-Dauergast Jörg Wilhelm, Leiter des städtischen Abwasserwerkes, hatte man also nicht unbedingt stecken wollen. Musste er den Anwesenden doch erklären, was da schief gelaufen war: „Wir haben es nicht vermasselt“, lautete dann auch sein etwas überraschendes Statement. Einen Strich durch die Rechnung habe den Planern lediglich die Witterung gemacht, in Form dieses 200-Jahre-Wetterereignisses. Mit solchen Regenmengen binnen kürzester Zeit sei nicht zu rechnen gewesen, betonte Wilhelm. Die dadurch anfallenden Wassermassen hätten die beiden, aufgrund „alter Berechnungen“ konzipierten  Stränge aus der Rettenstraße und der Bergstraße nicht bewältigt. „Es entstand eine Drucksituation, durch die sich die Deckel gehoben haben.“  Um für diesen Fall vorzusorgen, hätte man einen Notüberlauf installieren können. Aus Kostengründen habe man sich aber bewusst dagegen entschieden. Auch so war ja die Maßnahme mit 700.000 Euro nicht ganz billig gewesen.

Doch nun kommt man ums Nachrüsten nicht herum. Zum einen wird nämliche Entlastungsleitung erstellt. Zum anderen soll das Gelände nachmodeliert werden, „damit das Wasser besser abläuft“. Eine sogenannte Schwimmerschaltung soll künftig den Abfluss durch den Damm gewährleisten und die Gärten verschonen.  „Das muss funktionieren“, gab sich Wilhelm zuversichtlich, „es wird auch funktionieren“.  Gefragt, wann mit dem Abschluss der Maßnahme zu rechnen sei, meinte er: „Das ist nicht viel Aufwand, das dauert nur ein paar Tage.“ Sobald Bodenzustand und Witterung den Einsatz schwerer Geräte zulassen, werden die Arbeiten wieder aufgenommen.

Und noch ein zweiter „Büßergang“ stand aus, der von Sascha Kieczewsky von der städtischen Tiefbauabteilung. Dabei ging es um die kombinierte Exoten-Auffang- und Quarantänestation des Zoos, deren Richtfest im Dezember gefeiert worden war. „Das vergesse ich mein Leben lang nicht mehr“, sagte Kieczewsky reumütig. Es sei ihm überhaupt nicht klar gewesen, dass zwei Drittel der 1700 Quadratmeter großen Fläche, auf der nach Rodungsarbeiten das zweigeschossige Gebäude errichtet worden war, auf Wellesweiler Bann liegt. Weshalb der Wellesweiler Ortsrat normalerweise vor Baubeginn zu informieren gewesen wäre – was aber nicht geschehen war. Aber Schwamm drüber, einigte man sich. Als Wiedergutmachung gibt es für jedes Ratsmitglied eine persönliche Einladung zur Einweihungsfeier der Quarantänestation.

Unter dem Tagesordnungspunkt „Anfragen“ ging es unter den Mitgliedern des Ortsrats dann unter anderem um den Stengelplatz, der von Bürgern immer häufiger als Parkplatz missbraucht wird. Aber nicht mehr lange: Größere Findlinge in den Zufahrten zum Platz sollen Parksündern in Zukunft einen Strich durch die Rechnung machen.