Wegen Unwetter wurde der Rosenmontagsumzug in Neunkirchen abgesagt

Rosenmontag : Tief Bennet hat kein Herz für die Fastnacht

Nicht schon wieder: Zum zweiten Mal nach 2016 musste der Neunkircher Rosenmontagszug wegen Unwetterwarnung abgesagt werden. Tief Bennet hatte sich mit Strum angekündigt. Gefeiert wurde trotzdem.

Es ist kurz nach 11 Uhr, als der Vorsitzende des Neunkircher Karnevalsausschusses (NKA), Karl Albert, der SZ die traurige Nachricht mitteilt: „Der Zug ist abgesagt. Ich bin am Boden zerstört. Mir blutet das Herz“, sagt der Vollblut-Karnevalist, der gerade aus einer Besprechung mit Ordnungsamt, Polizei und den Hilfsdiensten kommt, in der die Entscheidung über die Absage gefallen ist. Über Stunden hinweg wurde abgewägt, stets die Vorhersage des Deutschen Wetterdienstes im Blick. „Für 14 Uhr ist eine schlimme Wetterphase mit Sturmböen gemeldet, von daher würde auch eine Verschiebung nichts bringen, weil sich die Wagen und Gruppen um diese Zeit trotzdem aufstellen müssten. Das Risiko ist einfach zu groß. Die Sicherheit der Zugteilnehmer und der Zuschauer geht vor“, so der NKA-Präsident. Die Lage in Neunkirchen sei mit der in Burbach – wo der Zug auch auf der Kippe stand, aber schließlich doch stattfand – nicht vergleichbar. „In Burbach sind die Straßen zum Teil vierspurig, bei uns verläuft der Zug durch viel engere Häuserschluchten“, erklärt Karl Albert. Weder Polizei noch Ordnungsamt würden die Verantwortung aufgrund der Wetterlage übernehmen, und auch er trage die Entscheidung der Absage voll mit. „Würden wir den Zug trotzdem durchführen und es würde etwas passieren, wäre ich verantwortlich“, erklärt Albert.

Auch Zugmarschall Friedel Wagner spricht von einem zu hohen Risiko. Er meldet sich kurz nach Karl Albert am Telefon, betont allerdings gleich: „Es ist sehr schade, aber es ist, wie es ist. Ich lasse mir die Laune deshalb nicht verderben.“ Natürlich sei es ärgerlich für alle Beteiligten, die seit Monaten mit der Planung und Umsetzung des Zugs beschäftigt waren, aber: „Ich halte mich an Tatsachen. Das ist eine harte Entscheidung, aber die Wetterprognosen sind unverändert schlecht.“ Den Humor hat Wagner dennoch nicht verloren. Längst hat er neben Tief Bennet den Schuldigen ausgemacht. „Unser Prinz ist schuld, Prinz Frank I. Er war 2016 auch schon Prinz, als wir wegen Sturm absagen mussten.“ Ob er denn noch eine Chance bekäme, so nach dem Motto „Aller guten Dinge sind drei“? Klare Antwort: „Auf keinen Fall“, sagt Wagner mit einem Lachen und kündigt an, mit seinem Verein, dem KKW in Wellesweiler selbstverständlich noch Rosenmontag zu feiern. Er selbst hat unter der Woche 150 Kisten à vier Kilo mit Schokolade an „Wurfmaterial“ für den Umzug beigeschafft. „Jetzt müssen wir mal sehen, was wir mit dem ganzen Zeug machen. Das läuft ja ab.“

Über das Verfallsdatum des Bieres in den Kneipen entlang der Zugstrecke muss sich gestern Nachmittag niemand Gedanken machen. Echte Fasseboze feiern Rosenmontag auch ohne Zug. So zum Beispiel rund um die Kneipe „Zum Ellenfeld“, wo vom Fetten Donnerstag bis Rosenmontag stets karnevalistischer Ausnahmezustand herrscht. Von Trübsal ist hier keine Spur. „Sicherheit geht vor. Deshalb halten wir uns sicherheitshalber mal an unserem Bier fest, damit uns der Sturm nicht wegbläst“, witzeln die Neunkircher Martin und Kai unter ihren riesigen Sombreros. „Apropos Sturm. Wo ist der eigentlich?“, fügen sie hinzu. Der lässt zwar nur hin und wieder die Muskeln spielen, aber ungemütlich ist es allemal. Wobei: Nicht für jeden. „Ma muss es beschde draus mache. Wenn’s auße nass is, muss ma halt gugge, dass ma innewännsich aach genug Flüssigkeit hat“, erklärt Faaseboz Hans-Werner, der „wie jed Johr“ auf Kneipentour unterwegs ist. „Ich fange immer bei da Funke an unn komme meischdens bis zum Jörg.“ Und vom Vereinsheim der Roten Funken bis zum Jörg, also bis zum Gasthaus Ellenfeld, sind es bestimmt gut und gerne 20, 30 Meter.

„Girls just wanna have fun“: Im proppevollen Gasthaus Ellenfeld traf man Cindy Lauper gleich im Viererpack an. Foto: Jörg Jacobi

Die Funken, wie auch die anderen Karnevalsvereine, lassen sich die Laune auch nicht verderben. Da wird gefeiert, ob mit oder ohne Zug. In Wiebelskirchen will man auf den nicht ganz verzichten und verkündet via Facebook am Mittag: „Wir veranstalten unseren eigenen Rosenmontagsumzug! Um 15.11 Uhr starten wir am Kulturhaus (Hintereingang)!“ Der ist dann zwar klein, aber fein, und statt Regentropfen fallen sogar Gutzjer vom Himmel. Alleh-Hopp und Hei-Joo!

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