Wassergarten braucht seine Quelle

Kreis Neunkirchen · Das Wassermanagement der RAG wirft auch in unserer Region Fragen auf: Was passiert an der Oberfläche, wenn im ehemaligen Bergwerk Reden die Pumpen abgestellt werden? Noch liegt kein Antrag vor.

 Der Wassergarten am Erlebnisort Reden ist ein beliebtes Foto-Motiv. Hier posiert der „Gott des Donners“ mit Begleiterin beim Fantasie- und Rollenspielkonvent Fark Ende August. Foto: voj

Der Wassergarten am Erlebnisort Reden ist ein beliebtes Foto-Motiv. Hier posiert der „Gott des Donners“ mit Begleiterin beim Fantasie- und Rollenspielkonvent Fark Ende August. Foto: voj

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In Reden, Heiligenwald und darüber hinaus sind die Menschen besorgt, was bei einem Grubenwasseranstieg passieren könnte (siehe "Hintergrund"). Gerold Senz, Vorsitzender Haus und Grund (HuG) Heiligenwald-Landsweiler-Reden fasst auf Anfrage unserer Zeitung die Befürchtungen und Ängste seiner Mitglieder in drei Punkten zusammen: Risse und Schäden in Häusern durch Hebung des Bodens, Gefährdung der Trinkwasserversorgung durch kontaminiertes Grubenwasser, Gefährdung der Gesundheit durch unkontrollierten Gasaustritt. Professor Jürgen Wagner nannte das Problem Anstieg Grubenwasser jetzt bei seinem Vortrag auf HuG-Einladung in Reden "beherrschbar". Bürger seien keine "Versuchskaninchen eines Großexperiments". Das Vorhaben, die Pumpen abzuschalten, werde "portioniert", also nach und nach umgesetzt: "Diese schrittweise Vorgehensweise portioniert auch das Risiko." Wenn man richtig vorgehe, sei das Risiko auch "minimiert". Richtig heiße: messen, überwachen, Prognosen berücksichtigen, eventuelle Planungsänderungen zulassen, Ablaufpläne und Alarmpläne erstellen: "Dann dürfte das Problem beherrschbar sein."

Wagner ist Leiter des Instituts Grundwasser und Geoforschung in Neunkirchen , auch Gutachter. In einer Zeit, da sich Befürworter und Kritiker der Flutungspläne in zwei Lagern gegenüberstünden, wolle er mit seinem wissenschaftlichen Vortrag "auch ein Stück zum sozialen Frieden" beizutragen, so Wagner bei seinem Auftritt im Zechenhauses.

Was aber würde ein Abschalten der Grubenwasserpumpen in Reden für den Erlebnisort Reden - bedeuten? In der Attraktion Wassergarten werden Regenwasser und Grubenwasser genutzt. "Der Wassergarten wurde erst 2012 eingeweiht, das Projekt kostete rund 2,8 Millionen Euro. Es wäre nicht nachvollziehbar, wenn dem Wassergarten der Wasserhahn zugedreht und die Investition versanden würde", erklärt Landrätin Cornelia Hoffmann-Bethscheider auf SZ-Anfrage. Klar sei, dass erheblich weniger Wasser durch den Wegfall des Grubenwassers zur Verfügung stehen würde. Unklar hingegen sei, ob das Oberflächenwasser alleine ausreiche, um die Einspeisung für den Wassergarten sicher zu stellen: "Diese Frage muss schnellstmöglich durch ein Gutachten geklärt werden. Ebenso, wie der weitere Betrieb der Geothermieanlage am Standort sichergestellt werden kann." Die betroffenen Kommunen und Landkreise seien am 13. März dieses Jahres über die Pläne der RAG informiert worden, so die Landrätin weiter. Darüber hinaus habe am 4. Juni im Ministerium eine Besprechung stattgefunden: "In beiden Sitzungen hat der Landkreis Neunkirchen auf die Bedeutung des Wassergartens für den Standort Reden hingewiesen und ein nachhaltige Lösung eingefordert." Der Erlebnisort Reden sei ein landesweites Vorzeigeprojekt für den Umgang mit stillgelegten Bergbauflächen. Die positive Entwicklung des Standortes dürfe keinesfalls gefährdet werden.

In seiner jüngsten Sitzung hat auch der Ortsrat Landsweiler-Reden die Pläne der RAG zur Grubenwasserhaltung thematisiert. Der stellvertretende Ortsvorsteher Detlef Reinhard nach den Erschütterungen im Raum Lebach und Saarwellingen: "Ehe der Grund für die Beben in der letzten Woche nicht geklärt ist, darf in Reden nichts passieren. In Reden sollen keine Tests stattfinden, was das Grundwasser betrifft." < Bericht zu den lokalen Forderungen an den Standort Reden folgt

Zum Thema:

HintergrundDie saarländischen Gruben sollen bis 2035 volllaufen. Der Bergwerk-Konzern RAG möchte nach und nach die Pumpen abstellen. Reden sollte schon Ende dieses Jahres abgeschaltet werden (das Wasser dann unter Tage nach Ensdorf abfließen). Doch die Politik hat dem RAG-Konzept eine Überarbeitung auferlegt. Für Reden liegt noch kein Genehmigungsantrag vor. Im September hatten Erschütterungen im ehemaligen Abbaugebiet Primsmulde die Diskussion über ein Abschalten der Pumpen und die Folgen angeheizt. In der Primsmulde hatte im März 2013 die Grubenwasser-Flutung begonnen. cle

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Am RandeNachfragen zur Region Reden/Heiligenwald:"Wie wirken sich Fließbewegungen von Reden - 330 Meter NN - bis Ensdorf - 180 Meter NN auf unsere Landschaft, unsere Häuser aus?" Professor Wagner: "In Bezug auf das Grundwasser sind mit großer Sicherheit für die Bereiche im Umfeld der Gemeinde Schiffweiler keine Auswirkungen zu erwarten - der verbleibende hohe Flurabstand des Grundwassers ist ein Vorteil". "Schließen Sie Veränderungen an der Oberfläche aus?" Wagner: "In Bezug auf Hebungen und Senkungen oder auch Erschütterungen kann ich das nicht definitiv ausschließen." cle

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