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Kurzfilm-Zeit
Was will dieser Fremde mit dem Tee?

St. Ingbert/Neunkirchen. Auf dem ehemaligen Schlossbrauerei-Gelände dreht der St. Ingberter Regisseur Jörn Michaely derzeit den Kurzfilm „Die Formel“. Von Marc Prams

Immer wieder spricht Hartmut Volle die gleichen Sätze. Immer wieder schaut er Johanna Bönninghaus dabei in die Augen, schüttet seine Tasse Tee langsam vor ihr auf den Boden, zieht ein kleines Fläschchen aus dem Revers und flüstert: „Bald werden Sie Achilles wiedersehen.“ Dann ist die Szene im Kasten. „Dankeschön! Super! Kopieren!“, ruft der St. Ingberter Regisseur Jörn Michaely mit fester Stimme den beiden Schauspielern zu. Und allen anderen, die sich am Filmset in der ehemaligen Boxhalle auf dem alten Schlossbrauerei-Gelände in Neunkirchen tummeln. „Bis zu 30 Personen wirken mit“, sagt Michaely, der hier den Kurzfilm „Die Formel“ dreht.


Wobei die Halle selbst im Film keine Rolle spielen wird, dafür das düstere Wohnzimmer mit seinen schweren Möbeln, den edel anmutenden dunkelroten Wänden und der dunkelgrünen Couch, das darin aufgebaut wurde. „Der Film spielt Ende des 20. Jahrhunderts, das sollte sich im Bühnenbild widerspiegeln“, sagt Linda Bruna, die eben dieses Bühnenbild entworfen hat. Drei Wochen habe sie an der Planung gesessen, zwei Wochen dauerte der Aufbau. Die Hüttersdorferin, die in Mainz Innenarchitektur studiert, ist mit Michaely befreundet und hat, wie alle Beteiligten, ihre Hilfe pro bono angeboten. An die Möbel sei sie überwiegend über die Internet-Verkaufsplattform Ebay gekommen, für kleines Geld. Aber da die Stücke so gut erhalten sind und durchaus einen Raum schmücken, landet keines davon auf dem Sperrmüll. „Wir werden wohl nach dem letzten Drehtag alles im Team verteilen“, verrät sie.

Das Team, das sind überwiegend Studenten der Hochschule der Bildenden Künste Saar (HBK), die allesamt dick eingepackt sind, um sich gegen die recht kühlen Temperaturen in der Halle zu wappnen. „Es wäre natürlich schön, wenn wir diese dauerhaft für Filmaufnahmen nutzen könnten“, sagt Michaely und schaut dabei mit einem Zwinkern zum Neunkircher Oberbürgermeister Jürgen Fried, der die Dreharbeiten besucht. „Die Bedingungen hier sind ideal. Die Halle ist groß, steht leer, was uns die Möglichkeit bietet, bequem sechs Tage hier arbeiten zu können“, so der 23-jährige Saarländer, der schon einmal in Neunkirchen gedreht hat. Szenen seines Kurzfilms „Leon lügt“ entstanden 2014 in der Ludwigsthaler Pizzeria La Miniera. „Wir sind froh darüber, dass uns die Stadt Neunkirchen unterstützt“, sagt der Regisseur, dessen Budget sich dank Filmförderung und Stadt auf „etwas unter einem fünfstelligen Betrag“ beläuft.



Bis der fertige Film gezeigt wird,  wird es allerdings noch eine ganze Weile dauern. „Nach dem Dreh folgen Schnitt, Sounddesign, Farbkorrektur und was sonst noch so ansteht. Fertig ist er nicht vor 2019.“ Dann dürfen sich Besucher des Saarländischen Filmemacher-Wochenendes in Neunkirchen von dem Ergebnis ein Bild machen.

Der 15-Minuten-Film basiert auf einer Geschichte des Herrensohrer Autors Peter Loibl, der, erzählt Michaely, „Feuer und Flamme“ gewesen sei, als er ihn fragte, ob der dessen Buch verfilmen dürfe. Es handelt von Helene, die in ihre vertrauten vier Wände heimkehrt. Doch kaum schließt sie die Tür hinter sich, beginnt in ihrem Haus eine Horrorgeschichte. Ein unbekannter Mann, dessen Absichten zunächst rätselhaft bleiben, empfängt sie in ihrem Wohnzimmer. Ist es ein Stalker? Ein Einbrecher? Schlimmeres? Und wer ist eigentlich dieser Achilles? Im kommenden Jahr wird dieses Rätsel gelöst werden.