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Wanzen
Auf der Mauer, auf der Lauer . . .

So sieht die Wanze mit geöffneten Flügeln aus.
So sieht die Wanze mit geöffneten Flügeln aus. FOTO: Raimund Hinsberger
Kreis Neunkirchen. Viele Leser grübelten gestern über unserem Leser-Foto. Viele wussten, dass es sich bei dem Tier um eine Wanze handelte. Von Elke Jacobi

Viele Leser haben sich auf das Foto in der Montagausgabe gemeldet. Das Foto von Heidrun Eickhoff zeigt ein Krabbeltier. Und Eickhoff hätte gerne gewusst: Was für ein Tier ist das? Rolf G. Rischar aus Ottweiler hängt sich über Mail an die Frage dran: „Da ich auch von diesen Insekten ‚befallen’ bin, würde es mich schon interessieren“, so schreibt er. Auch in der Redaktion ist man sehr gespannt, kann doch jeder vom Besuch der kleinen ungewöhnlichen Gäste auf Terrassen und Balkons berichten. „Eine Wanze?“, mutmaßt da so mancher. Und scheint damit Recht zu haben, wie die vielen Leserzuschriften zeigen.


Von Baumwanzen aus Ostasien „eingeschleppt“, schreibt da ein Leser ohne Namen. Glaubt aber zu wissen, dass sie harmlos sind und nur ein warmes Winterquartier suchen. „Entweder einsammeln und wieder aussetzen oder vernichten“, lautet der Rat.

Raimund Hinsberger weiß viel mehr. Wie er mitteilt, handelt es sich um die Amerikanische Kiefern- oder Zapfenwanze, ein Neozoon, das erstmals 2009 im Saarland nachgewiesen worden sei. In den USA werde, so Hinsberger, das Tier als Schädling eingestuft. „Relevante Schadwirkungen bei uns sind bisher nicht bekannt.“ Die Wanze falle jetzt besonders auf, weil sie in Gebäuden einen Überwinterungsplatz sucht. Auch Werner Butz hat die Amerikanische Zapfen- oder Kiefernwanze erkannt. Leptoglossus occidentalis, so sei ihr lateinischer Name. Und er weiß, dass sie zur Familie der Leder- oder Randwanzen gehört. Wanzen, so Butz, tragen ein dreieckiges Rückenschildchen, das zwischen den Flügelansätzen deutlich zu erkennen ist. Die Amerikanische Zapfenwanze habe als weiteres Erkennungsmerkmal blattartig verbreiterte Unterschenkel (Schienen) an ihren Hinterbeinen. „Ursprünglich waren diese Tiere in Nordamerika (Rocky Mountains) beheimatet.“ Von dort hätten sie sich bis nach Europa ausgebreitet. Butz setzt ihre Einwanderung früher an als Hinsberger. Seit 2006 seien sie in Deutschland nachgewiesen. „Die Eiablage erfolgt auf Nadelbäumen, die Larven saugen an den Samen derselben.“



Viele Infos hat auch Kerstin Schille geschickt. Sie hat gerade am Samstag recherchiert. „Bei uns in Neunkirchen-Kohlhof krabbeln diese Tierchen auch überall herum.“ Im Netz hat sie jede Menge über die Tiere erfahren. Auch sie kommt aufs Jahr 2006 als Jahr der ersten Sichtung. „Das Tier saugt wie alle anderen Wanzen Pflanzensäfte, die es durch den trockenen Sommer aber nicht ausreichend bekommen hat“, schreibt Schille. Deshalb suche sie jetzt vorm Herbst auch vermehrt Futterplätze auf. „Dazu kommt, dass unsere heimischen Vögel noch sehr skeptisch sind, was dieses Insekt angeht. Es ist noch nicht in den vorderen Plätzen auf der Lieblingsspeisekarte.“ Erkannt haben das Tier auch Klaus Dieter Bechtel, der für weitere Infos auf die Seite des Instituts für Schädlingskunde verweist, und Heike Merkert. Merkert geht davon aus, dass die Wanze wegen des warmen Sommers eine regelrechte Plage wurde. „Sie suchen im Herbst ein warmes Plätzchen.“ Merkerts Empfehlung: Nicht töten, am besten mit einem Glas und Papier einfach aus der Wohnung entfernen.

„Was für ein Tier ist das?“, fragten wir gestern.
„Was für ein Tier ist das?“, fragten wir gestern. FOTO: Heidrun Eickhoff