Beim Historischen Verein Stadt Neunkirchen Vortragsreihe: Als Bomben die Hüttenstadt in Trümmer legten

Neunkirchen · Historische Vereine sind die Bewahrer der Vergangenheit und die Hüter vor dem Vergessen. Beim Historischen Verein Stadt Neunkirchen geht es in einer Vortragsreihe um die Folgen der Bombardierung.

 Der letzte und schwerste Bombenangriff auf Neunkirchen fand am 15. März 1945 statt. Ecke Bahnhofstraße/Wellesweiler Straße nach dem Angriff. Archiv Schwenk 532/10

Der letzte und schwerste Bombenangriff auf Neunkirchen fand am 15. März 1945 statt. Ecke Bahnhofstraße/Wellesweiler Straße nach dem Angriff. Archiv Schwenk 532/10

Foto: Archiv Schwenk

Was lange nur in Erzählungen noch wach war, zumindest für die Jüngeren in der Bevölkerung, das hat der Krieg in der Ukraine auf einmal erlebbar gemacht. Wie schrecklich ein Krieg und seine Folgen sind, das rückt wieder näher in die Vorstellungskraft der Menschen. Eine vierteilige Vortragsreihe mit dem Neunkircher Historiker Horst Schwenk erinnert daran, wie es war, als Neunkirchen in Trümmern lag.

Von 4628 Gebäuden waren nach Kriegsende in der Hüttenstadt 3630 Gebäude, das entspricht 78 Prozent, schwer-, mittel- oder leichtbeschädigt. Versorgungseinrichtungen funktionierten nicht mehr. „Neunkirchen gehörte zu den am schwersten getroffenen Städten des Saarlandes und darüber hinaus“, sagt Horst Schwenk. Der erste Großangriff hatte am 27. Mai 1944 auf die Oberschmelz stattgefunden. Immer wieder fielen die Bomben. Der schwerste Angriff aber war auch der letzte: am 15. März 1945 wurde die Hüttenstadt in ein brennendes Trümmer- und Trichterfeld verwandelt. Eine Woche, bevor die Amerikaner in die Stadt kamen. Offenbar hatte man angenommen, so erzählte der Historiker einmal bei einem Besuch bei der SZ, dass es in Neunkirchen Front-Nachschubmaterial und Truppen gebe. Gut kann er selbst sich noch an die Alarmierung erinnern und daran, wie er in der Nacht auf den 15. März das Feuer sah, das zeigte: Homburg brennt. „Am nächsten Tag waren wir dann dran“, erinnert er sich. „Das war ganz ohne Not, denn die Stadt war völlig verteidigungslos. Selbst die Flak war längst weg, die Bomben an die Front geholt worden.“

 Blick von der Brückenstraße auf die Wellesweiler Straße Archiv Schwenk 72/22a

Blick von der Brückenstraße auf die Wellesweiler Straße Archiv Schwenk 72/22a

Foto: Archiv Schwenk

Durch tieffliegende Jagdbomber wurden nach dem „Terrorangriff“ Bergungs-, Lösch- und Instandsetzungsarbeiten fast unmöglich gemacht. Schwenk ist seit vielen, vielen Jahren damit beschäftigt, die Geschichte der Stadt zu dokumentieren. Viele Fotos hat er zusammengetragen, Aufnahmen, die zeigen, wie die Stadt vor und nach dem Bombenangriff aussah. Daraus hat er eine vierteilige Vortragsreihe zusammengestellt. Er zeigt darin Ansichten vor der Zerstörung, Trümmerbilder und den Wiederaufbau bis heute. Im ersten Teil am Donnerstag, 7. September, 19 Uhr, geht es in den Räumen des Historischen Vereins Stadt Neunkirchen (HVSN) um die Unterstädt. Nichtmitglieder zahlen drei Euro Eintritt.