Von Ölsardinen und Jagdhörnern

Insgesamt 38 Geschichten gibt es im neuen Buch von André Noltus. „Von Ölsardinen und Jagdhörnern . . . und was so nebenbei anfällt“ beschreibt auf humorvolle Art seinen Alltag.

. Wer Kishon liebt, muss Noltus mögen. Zumindest dessen neues Buch "Von Ölsardinen und Jagdhörnern . . . und was so nebenbei anfällt". Denn hier wie da sind es die kleinen Alltäglichkeiten, die zu wunderbaren Schmonzetten werden. Hier wie da ist es die Ehefrau, die die entscheidende Rolle im Alltagsleben des Chronisten übernimmt. Und - ob es nun offen ausgesprochen wird oder nicht - in allen Zeilen liegt Liebe . Die Liebe des Mannes, der weiß, dass man der besseren Hälfte und ihren Wünschen (nach einer besonderen Lampe, nach einem neuen Wohnungsanstrich, sicherer Autofahrt und was halt eben im Alltag noch so eine wichtige Rolle spielt) nachsichtig und nachgiebig begegnen muss. Denn eins ist sicher: Am Ende hat sie immer Recht. Aber auch noch eine andere Liebe ist es, die man in diesem Buch liest: Die Liebe zu den Menschen, dem Menschlichen, den Begegnungen (auf dem Markt, am Telefon) und all ihren Schwächen. Vor allem aber auch die Nachsicht mit der eigenen Schwäche. Gar wunderbar in der Geschichte "Ruhe", wo denn der Autor statt gemütlich einen kalten Riesling hoch gelegten Fußes zu genießen eine Umfrage des deutschen Forschungsinstitutes mitmacht - aus lauter Höflichkeit und zu des Befragers nur geringer Befriedigung.

Insgesamt 38 Geschichten sind es, die Noltus erzählt. Nach Überschriften in alphabetischer Reihenfolge. Aber das ist egal. Denn das Buch aus der edition schaumberg lädt geradezu ein zum Hin- und Herblättern, sich Hier-Mal-Festlesen und Da-Mal-Einhalten. Jede der Geschichten steht für sich, stellt ein kleines oder größeres Ereignis im Leben von André Noltus dar. Und jedes noch so scheinbar Alltägliche weiß er zum besonderen Erlebnis werden zu lassen, der 1939 im niederländischen Almelo geborene Ehemann von Nora, die ihn 1964 nach Deutschland zog. Er lebt sich gerne ein, wo er lebt. Das war lange Zeit nicht in Neunkirchen sondern an der See. Aber auch dort hat er seine Umwelt schreibend verarbeitet. Wieder zurück in Neunkirchen hat er sich so ganz hier verwurzelt. Er engagiert sich, er schreibt. Im vergangenen Jahr war es ein Buch über Franz Carl Eduard Senz, das Neunkircher Original Sense Eduard, das gerade kurz vor Weihnachten den Unentschlossenen noch einen Geschenktipp gab. Nun liegt das neue Buch vor, mit dem Noltus auch schon auf Leseabenden war. Auch ist es unzweifelhaft ein besonderes Mitbringsel für liebe Freunde. Aber vor allem auch ein Geschenk an sich selbst. Vielleicht, um zu lernen, das Leben mit den neugierigen Augen dieses engagierten Wahl-Neunkirchers zu sehen. Dem man es von Herzen gönnen würde, dass er mal ruhen dürfte, sich erholen "in der Zeitung und Zeitschriften zu lesen, auf dem Rücken, auf der Couch". Aber natürlich nur, um Kraft zu tanken, damit er uns weiter zeigen kann, "wie sich Ölsardine und Jagdhorn immer mehr angleichen, die eine mit Geruch, das andere mit seinen Resten".

Edition schaumberg,

118 Seiten, 14,90 Euro,

ISBN 978-3-941095-281.