Von brachial bis melancholisch

Seit einigen Jahren vertont die Ukrainerin Viktoriya Yermolyeva bekannte Titel der Rockmusik allein auf dem Klavier. Zu ihrem Repertoire gehören Songs von Größen wie Metallica, Nine Inch Nails oder David Bowie.

Kaum ein anderes Instrument fand in so vielen verschiedenen Musikrichtungen Verwendung wie das Klavier . Von den Anfängen in der klassischen Musik über den Jazz bis hin zum Techno der 90er Jahre; das Tasteninstrument prägte die Melodie der Zeitgeschichte. Selbst in der charakteristisch härteren Rockmusik konnte sich das Klavier etablieren. Vor einigen Jahren kam Viktoriya Yermolyeva die Idee zur Darbietung ganzer Rocktitel einzig und allein mit den Mitteln des Pianos. Wie die Meisten begann sie ihre aber Laufbahn als klassische Pianistin. Sie studierte unter anderem an der Nationalen Musikakademie der Ukraine und an der Franz-Liszt-Musikakademie in Weimar. Im Laufe der Zeit sammelte sie zudem zahlreiche angesehene Preise in ganz Europa. Die Liebe zur Rockmusik entdeckte die Ukrainerin indes schon als Zehnjährige: "Damals begann ich, diese Art von Musik zu hören. Sie ist kraftvoll und emotional." Ausgehend davon entwickelte sie schließlich ihren eigenen Stil, den sie nun in der Stummschen Reithalle in Neunkirchen vorstellte.

Janine Grolier aus Saarbrücken sah "etwas ganz anderes, wenn man Metal gewöhnt ist. Normalerweise besteht die Musik aus mehreren Komponenten, die zusammenspielen. Das fehlt hier aber nicht. Sie kommt dadurch intensiver rüber." Hauptsächlich präsentierte Yermolyeva eigene Arrangements zu Rocksongs aus den letzten dreißig Jahren. Gleich beim ersten Titel, Metallicas "Master of puppets" konnte man die Handschrift der Pianistin deutlich erkennen. Besonders die dynamischen Wechsel im Spiel stachen hervor. Dumpfe Klangfolgen reihten sich an melodische Phasen, die Lautstärke veränderte sich in Sekunden von fast unhörbar hin zu einer raumfüllenden Geräuschkulisse. Die rohe Kraft, die den Stücken naturgemäß innewohnt, wurde dabei sehr gut eingefangen.

Neben klassischen Rocksongs wie "Highway to Hell" gab es Ausflüge in den Grunge mit Nirvanas "Smells like Teenspirit" oder brachiale Alternative-Bretter wie Toxicity. Eher melancholisch wurde es bei Queens "Who wants to life forever" oder dem absoluten Lieblingssong der Pianistin, dem Titel "Hurt" der Nine Inch Nails . Auch den kürzlich verstorbenen Musikgrößen David Bowie und Lemy Kilmister zollte sie Tribut. Außerdem wartete Yermolyeva mit eigenen Titeln auf, beispielsweise mit "Storm", "dem ersten Song, den ich selbst geschrieben habe".

Unter all den Songs waren auch einige Lieder, die der Saarlouiserin Lisa Neumann "sehr viel bedeuten. Das verursacht Gänsehaut. Sie packt einen mit ihrer Musik." Neumann, die selbst ein wenig Klavier spielt und Fan der Ursprungsmusik ist, bezeichnete das Konzert als "perfekten Abend". Zur Künstlerin selbst meinte sie: "Man merkt, dass sie ein ganz anderer Mensch ist, wenn sie spielt."