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Vom Reifen bis zum Lack ist alles neu

Vom Reifen bis zum Lack ist alles neu

Illingen. Manchmal, so scheint es, ist ein Leben zu kurz, um all die Ideen, Projekte in die Tat umzusetzen, die ans Licht drängen. Der Tag müsste 48 Stunden haben. So ähnlich empfindet auch der Illinger Schreinermeister Stefan Schäfer. Dem begnadeten Allrounder, der vom ersten Zeichenstrich bis zum letzten Dachziegel an seinem Haus alles selbst gemacht hat, ist das noch nicht genug

Illingen. Manchmal, so scheint es, ist ein Leben zu kurz, um all die Ideen, Projekte in die Tat umzusetzen, die ans Licht drängen. Der Tag müsste 48 Stunden haben. So ähnlich empfindet auch der Illinger Schreinermeister Stefan Schäfer. Dem begnadeten Allrounder, der vom ersten Zeichenstrich bis zum letzten Dachziegel an seinem Haus alles selbst gemacht hat, ist das noch nicht genug. Sein größtes und wohl aufwändigstes Hobby sind Motorräder und Autos. Schäfer sieht eine alte Maschine, ob in einschlägigen Internetportalen, in Zeitungen oder er erhält einen Tipp, kauft die Maschine, "fertig"."Ich weiß noch bevor das Motorrad in meiner Werkstatt steht, wie es am Ende, wenn alles fertig ist, aussehen wird", bekräftigt der 53-Jährige. So war es auch mit seinem aktuellen Projekt. "Für kleines Geld" erstand Schäfer im Schwarzwald eine BMW 1000 RS. Schrott sei die Maschine gewesen, erinnert sich Schäfer. Aber für ihn kein Problem, Schäfer orientiert sich exakt an seinem Plan. Kaum war das 1979 hergestellte Motorrad auf seinem Hof, so erzählt er, wird es komplett zerlegt, "seziert", sagt Schäfer dazu. 70 Prozent war Schrott, kommt in die Tonne. "Die Maschine stand nackt vor mir."

Der Torso wird nach Zweibrücken verfrachtet. Dort landet die Maschine in einem chemischen Spezialbad, das sämtliche Farben und Anstriche vollständig auflöst. Als nächstes entfernte Schäfer das Rahmenheck und montierte stattdessen ein selbst entwickeltes Bauteil zur Aufnahme der hinteren Stoßdämpfer und des Solositzes.

Dann ging's an die Reifen. Auch die werden umgebaut; aus den üblichen 18-Zoll-Reifen werden 16-Zoller. Die Maschine liegt dann tiefer und "sieht einfach besser aus", meint Schäfer. Es folgte der Motor. Der Antrieb wurde geöffnet, kontrolliert und für gut befunden. Durch den Einbau neuer Ventilsätze kann die alte BMW jetzt bleifreien Sprit tanken. Apropos Tank, der gefiel Schäfer wegen seine Form auch nicht. Kurzerhand schraubte er einen schlanken Honda-Tank auf den Rahmen, die Maschine kam den Idealvorstellungen ihres Schöpfers immer näher. Der schönste Augenblick sei immer die Farbwahl, berichtet Schäfer. Diesmal hat er sich für ein fröhliches Eisengrau entschieden. Nach dem Wiedereinbau des Zweizylinder-Boxer-Motors (1000 ccm mobilisieren 70 PS) machte sich Schäfer an die Elektrik, die zwar im Vergleich zum Pkw recht überschaubar sei, trotzdem gebe es bei älteren Maschinen immer mal wieder Überraschungen. Nur diesmal nicht, so dass die Restarbeiten wie Montage der Anbauteile und anderer Details routinemäßig abliefen und der Weg zum Tüv frei war. Auch das, "nur Routine". Selten habe er mehr als zehn Minuten gebraucht, freut sich Schäfer.

Kaum strahlt das alte, neue Motorrad in der Garage und taugt zur optischen Bereicherung des Straßenverkehrs, grübelt Schäfer schon über dem nächsten Projekt. Dazwischen muss er sich aber auch noch um seinen Schreinerbetrieb kümmern. Wenn dann noch Zeit bleibt, malt Schäfer, oder er kreiert Skulpturen aus allem, was sich miteinander verschrauben oder schweißen lässt.

Auf einen Blick

In dieser Serie stellt die SZ Menschen und ihre liebevoll gepflegten alten Schmuckstücke vor. Rufen Sie an unter Telefon (0 68 21) 9 04 64 50 oder mailen Sie an rednk@sz-sb.de. ji