Vom Ja oder Nein zur Kutte

Kreis Neunkirchen · Weißer Sonntag und Kleiderordnung – alle Jahre ein Thema. Oder auch nicht, wie eine Umfrage unserer Zeitung ergab. Aber auch beim Einheitsgewand bleibt immer noch die freie Entscheidung übers „Unterkleid“.

 Kutten (Alben) oder individuelle Kommunionkleider – das wird auch in unserer Region unterschiedlich entschieden. Aber auch unter der Kutte steckt manchmal was Festliches. Foto: Bernhard Reichhart

Kutten (Alben) oder individuelle Kommunionkleider – das wird auch in unserer Region unterschiedlich entschieden. Aber auch unter der Kutte steckt manchmal was Festliches. Foto: Bernhard Reichhart

Foto: Bernhard Reichhart

Individuelles Festkleid, Anzug mit persönlicher Note oder doch einheitliche Kutte, korrekt Albe? Die Frage nach der Kleiderordnung stellt sich immer mal wieder, wenn sich Kinder und ihre Eltern auf den Weißen Sonntag vorbereiten. Wir haben im Vorfeld der Erstkommunion 2016 in den katholischen Pfarrgemeinden unserer Region nachgefragt (siehe "Hintergrund"). Ergebnis: Die Antworten fallen ganz unterschiedlich aus.

"Das ist kein Dogma, ich stelle das frei", sagt Pastor Karl-Josef Bings von der Pfarreiengemeinschaft (PG) Merchweiler-Wemmetsweiler zur Wahl der Kommunionkleidung. Vor einigen Jahren habe es mal einen Jahrgang gegeben, bei dem fast alle Kinder die neutralen Kutten getragen hätten, erinnert sich der Pfarrer: "In diesem Jahr trägt sie nur ein Kind." Ein Trend? "Zunehmend lassen die Eltern die Kinder entscheiden", vermutet Bings. Die Kinder würden dann wählen, was ihnen gefällt. "Und für viele Eltern gehört zur besonderen Familienfeier eben eine besondere Kleidung." Bings selbst erklärt den Kindern den eigentlichen Sinn der Alben so: "Ihr tragt die Erinnerung an das Taufkleid" (siehe "Stichwort"). Den Eltern gegenüber erwähne er auch das Thema Preis: "Überlegt, was so ein Kommunionkleid kostet."

In der PG Ottweiler wird ebenso wie in der PG Illingen ohne Kutten gefeiert, in der PG Eppelborn-Dirmingen ebenso wie in PG Uchtelfangen geschlossen mit Kutte. "Als ich 1993 als Neupfarrer hierher kam, war die Kleiderfrage gleich Thema auf dem Elternabend", blickt Pfarrer Matthias Marx (Eppelborn-Dirmingen) zurück. "Ich glaube, drei Viertel der Eltern haben sich damals für die Kutte entschieden." 1994 war dann der erste Kutten-Jahrgang. "Und seit diesem Zeitpunkt gibt es darüber keine Diskussion", sagt der Seelsorger und schiebt mit einem Lachen hinterher: "Die Kutte kann man an- und ausziehen. Und drunter ist alles erlaubt." Alben in verschiedenen Größen sind im Fundus. Sie werden kostenfrei ausgeliehen.

"Wir hätten bei Bedarf Gewänder da, aber es ist keine Nachfrage da," heißt es aus der Pfarrei St. Ludwig Spiesen/Herz Jesu Elversberg. Ähnliches ist aus St. Marien Neunkirchen zu hören. Es gebe keinen Zwang, aber die Freiheit, eine Kutte zu tragen, so Pastor Michael Wilhelm. "Vor drei Jahren haben sich fünf oder sechs Kinder für die Kutte entschieden. In den letzten zwei Jahren und auch in diesem Jahr ist das nicht gewünscht worden." Erstkommunion in individueller Kleidung melden auch St. Josef Neunkirchen und Heilige Dreifaltigkeit Neunkirchen . In der PG Schiffweiler wird in St. Barbara Stennweiler und St. Martin Schiffweiler die Erstkommunion ohne Kutten gefeiert, verbindlich mit Kutten jetzt im dritten Jahr in St. Laurentius Heiligenwald und Herz Jesu Landsweiler. "Wir haben keine Kutten, wir haben Alben", mahnt hier Gemeindereferentin Brigitte Philippi den korrekten Begriff an. Kutten seien die Gewänder von Mönchen. "Unsere Alben sind schöne weiße Gewänder mit goldenen Bordüren." Sie gehörten zur Symbolik ("Christus anziehen") - vom Taufkleid über Messdienergewand, Brautkleid bis zum Totenhemd. "Es geht nicht um gleichmachen und auch nicht darum, wer das schönste Kleid hat."

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StichwortDie Albe (albus lateinisch weiß), so die theologische Begründung, erinnert an das Taufkleid. Die Erstkommunionfeier ist die Erneuerung der Taufe. Weiße Kleider für die Mädchen und dunkle Anzüge für die Jungen kamen erst im 20. Jahrhundert auf, als die Erstkommunion als eigenständiges Fest gefeiert wurde. cle

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HintergrundDen Landkreis Neunkirchen decken das Dekanat Illingen (Eppelborn, Illingen, Merchweiler, Ottweiler) und das Dekanat Neunkirchen (Neunkirchen , Schiffweiler, Spiesen-Elversberg) ab. Zu Illingen mit rund 39 000 Katholiken gehören die Pfarreiengemeinschaften Illingen, Ottweiler, Merchweiler, Eppelborn-Dirmingen und Uchtelfangen. Zu Neunkirchen mit rund 38 000 Katholiken gehören die Pfarreiengemeinschaft Schiffweiler sowie die Pfarreien St. Marien Neunkirchen , St. Josef-St. Johannes Neunkirchen , Heilige Familie Neunkirchen und St. Ludwig/Herz Jesu Spiesen-Elversberg. cle

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