Kutscherhaus : „Singen ist mein Hauptfach“

Vocal-Coach Francesco Cottone  hat im Kutscherhaus sein Studio. Dort unterrichtet er oder er komponiert.

„Amby kommt gleich.“ Gemeint ist Musikerkollege Amby Schillo, mit dem sich Francesco Cottone für einen langen Arbeitstag hoch ins Tonstudio verziehen wird. Das Maria-Juchacz-Musical will komponiert sein. Fest terminiert ist die Geschichte der Awo-Gründerin schon drüben in der Gebläsehalle, Weltpremiere 9. August. Trotzdem wirkt Cottone so gar nicht angespannt. Im Gegenteil, er strahlt noch ein bisschen Restglück vom Wochenende aus. Da stellte sich U22U, die „frischeste U2 Tributeband Südwestdeutschlands“, in Zweibrücken erstmals dem Urteil des Publikums – mit Cottone als Frontmann Bono, dunkle Sonnenbrille und schwarz-rote Jacke, maßgeschneidert von seiner Mutter.

„Singen ist mein Hauptfach“, bestätigt der Künstler. Wohlwissend, dass er hier in seiner Heimatstadt vor allem mit dem Musicalprojekt in Verbindung gebracht wird. Ein wenig rumgesprochen hat sich auch, dass er als Vocal-Coach Stars wie die Toten Hosen bei Stimme hält. „Eingeflogen werde ich eher selten“, winkt er ab. Diese ganze Glamour-Star-Welt ist nur ein berufliches Puzzleteil neben anderen. So fördert er beispielsweise schon seit Jahren beim Verein 2. Chance Saarland benachteiligte Jugendliche oder betreibt ein eigenes Musik-Label „Neverturndown Records“ für Elektronische Musik plus „ein bisschen Hip Hop“.

Dabei sind seine Wurzeln eher traditionell. „Ich bin beides richtig, Italiener und Deutscher“, meint Cottone auf Nachfrage. Der Draht zur Musik ist vererbt. Sein Vater sang leidenschaftlich gern Klassik für den Hausgebrauch. „Ich kenne alle Tenor-Arien dieser Welt“, lacht Cottone, selbst Papa einer erwachsenen, höchst musikalischen Tochter und eines achtjährigen Sohnes. Angefangen hat alles mit der Konzertgitarre. Dann kamen Klavier und Keyboard und die erste Band. „Irgendjemand muss singen“, hieß es damals. Prompt stellte der 13-jährige Krebsberg-Gymnasiast fest: „Das passt, das kann ich.“

Trotzdem studierte Cottone nicht nur Komposition und Gesang, sondern erst mal Psychologie und Germanistik auf Lehramt. Fast bis zum Ende, irgendwie kam dann aber doch wieder die Musik dazwischen. „Der Tourneebus parkte vor der Hochschule und ich bin nie wieder ausgestiegen“, lacht der Musiker und Jazz-Dozent. Mit 32 ging er nach Berlin, ließ sich zum Tenor ausbilden und zum Stimmbildner: „Das ist es, was ich seit 2002 wirklich mache.“ Mit dem Theater verbindet ihn eine Art Hass-Liebe. In Kostümen singen mag Cottone nicht besonders. Mit Herzblut füllt er dagegen die Rolle als musikalischer Leiter aus. Zu oft hat er erlebt, dass dort Menschen am Zug sind, die keine Ahnung von Gesang haben. „Die Stimme ist ein Instrument wie jedes andere auch“, Technik das A und O. Zu Gute kommt ihm als Leiter, dass er darin geübt ist, Probleme zu lösen und die Nerven zu behalten, auch wenn es eng wird. Selbst in kritischen Situationen hat eines immer Vorrang: „Die Leute gut zu behandeln.“

„Nebenbei“ stellt Cottone derzeit mit Schillo (Cello) und Hannah Neumann (Geige) ein Neo-Klassik-Trio auf die Beine. Im Juni feiert „InMitten“ eine „kleine Premiere“, im Herbst noch mal eine große hier in Neunkirchen. Tonstudios besitzt Francesco Cottone mehrere, unter anderem daheim in Wiebelskirchen. Aber: „Ich wollte immer eins haben in der Stadt“. Der Standort Kutscherhaus ist ideal, stimmig auch die sozio-kulturelle Komponente. Erste Kontakte knüpfte der Vocal-Coach bereits zu den Jugendzentren und Streetworkern. Ab Ende Februar soll sein Studio regelmäßig Anlaufpunkt für junge Leute sein, die Musik machen wollen, aber nicht wissen, wie – weil sie niemand unterstützt. Niedrigschwellige kulturelle Angebote im Quartier zu schaffen ist eines der Hauptanliegen der Kutscherhaus-Mannschaft. Cottone freut sich drauf. Gelungen war sein diesbezüglicher Einstieg beim Mädchentag, bei dem die jungen Besucherinnen karaokemäßig voll aus sich raus gingen. Vage geplant ist auch schon ein Open Air-Konzert draußen vor dem Haus. Im Sommer. Und sonst so? Ein Kammermusical spukt dem Vielbeschäftigen noch im Kopf herum. Und „Akkordeon lernen steht auch noch auf meiner Liste“.

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