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Viren haben derzeit leichtes Spiel

Viren haben derzeit leichtes Spiel

Das Kreisgesundheitsamt hat im Januar etliche Fälle mehr von echter Virusgrippe und Noroviren registriert als vergangenen Winter. Die Dunkelziffer dürfte sogar noch höher sein.

Wenn der eigene Hausarzt Dir nicht die Hand gibt zur Begrüßung, dann ist etwas im Busch. Entweder hat er selbst gerade die Freck (saarländisch für Erkältung) oder er hat Angst, sich anzustecken, weil er von Viren umzingelt ist. Letzteres ist dem Volontär der SZ-Lokalredaktion dieser Tage passiert. Ihm erging es wie etlichen anderen Kollegen, die entweder wegen eines grippalen Infekts oder einer Magen-Darm-Infektion zu Hause bleiben mussten.

Eine Krankheitswelle hat in dieser Saison so viele getroffen wie schon lange nicht mehr. Das belegen Zahlen, die das Kreisgesundheitsamt Neunkirchen gestern auf SZ-Anfrage übermittelte. So sind vom 1. Januar bis 31. Januar 2017 in 49 Fällen Noroviren nachgewiesen worden, im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es lediglich 17 Fälle. "Im Vergleich zu 2016 besteht im Jahr 2017 eine erkennbar erhöhte Aktivität bei Noroviren und Influenza-Viren", bestätigt Amtsarzt Oliver Schöne. Im Januar 2016 ist kein einziger Fall von Influenza gemeldet worden, in den Januar-Wochen 2017 insgesamt neun. Überdies ist eine hohe Dunkelziffer zu vermuten, denn bei Influenza-Virus-Infektionen werden nur laborbestätigte Fälle ans Gesundheitsamt gemeldet. Das heißt, wenn nach einem Rachenabstrich ein Nachweis erfolgt. Und nicht jeder hartnäckig oder mit Fieber verlaufende grippale Infekt ist eine Influenza, betont der Amtsarzt. Ein grippaler Infekt sei oft nur die "Freck", ausgelöst durch andere, Nicht-Influenza-Viren.

Zum Thema Atemwegserkrankungen gab es ein Monitoring des Gesundheitsministeriums. In der Woche vom 18. bis 24. Januar lagen in den saarländischen Kindergärten die gemeldeten Erkrankungszahlen bei 17,4 Prozent, in den Grundschulen bei 8,1 Prozent und bei der Sekundarstufe 7,1 Prozent. Bei dem Personal dieser Einrichtungen lag die Erkrankungsrate bei 10,6 Prozent. Diese Durchschnittswerte an Erkrankungen sind im Landkreis Neunkirchen jedoch an einigen Einrichtungen deutlich überschritten worden. Nach SZ-Informationen hat sich an einer Neunkircher Gemeinschaftsschule zeitweise ein Viertel der Lehrer krankgemeldet. Noch dramatischer sah es an der Grundschule Merchweiler aus. Dort waren nach Auskunft von betroffenen Eltern am vergangenen Donnerstag nur noch vier Lehrkräfte (von zehn) für 184 Schüler da, zwei erste Klassen hatten deshalb unterrichtsfrei. "Da mussten die verbliebenen Lehrer und die Eltern kreativ sein", meint Nicole Woll ironisch. Sie hat eine Tochter in der dritten Klasse und berichtet davon, dass Klassen zusammengelegt werden mussten, "viel Sport" mit vielen Kindern gemacht wurde und bei den Erstklässlern die Oma oder Tante zur Betreuung eingespannt wurden. Gemeinsam mit Schulelternsprecherin Annemarie Loch und anderen Eltern habe man ein Schreiben an Kultusminister Commerçon aufgesetzt, in dem mehr Geld für die Grundschulen gefordert werde. Es seien grundsätzlich nicht genug Grundschullehrer ausgebildet worden, Reservelehrer gebe es ebenfalls nicht genug.

Symbolisch auf Holz klopfte am Montag Pascal Koch. Der Geschäftsführer der NVG sagte: "Im Moment haben wir nicht mehr Krankmeldungen als sonst, von einer Grippewelle sind wir bisher verschont geblieben." Dies könne sich jedoch ganz schnell ändern, wenn kranke Fahrgäste die Busfahrer anniesen. Ob es in Einrichtungen der Stadt Neunkirchen zu Engpässen wegen eines erhöhten Krankenstandes kommt, konnte die Stadt gestern nicht beantworten.

Zum Thema:

Auf einen Blick Eine Erkältung bekommt man durch Viren, die sich über Tröpfcheninfektion übertragen, also beispielsweise durch Berühren infizierter Türklinken, Rolltreppengeländer oder durch hustende und schniefende Menschen in öffentlichen Verkehrsmitteln. Das Immunsystem kann jedoch durch Unterkühlung geschwächt werden, sodass man für Husten, Fieber und Schnupfen anfälliger ist. Gegen eine Noroviren-Infektion helfen einfache Hygieneregeln, das Risiko zu senken. Gründliches Händewaschen nach jedem Toilettenbesuch, vor dem Essen und bevor man den Mund berührt (bei Rauchern: auch vor dem Rauchen), vor allem in öffentlichen Einrichtungen wird als wichtigste Maßnahme gesehen. Kranke sollten unbedingt eigene Handtücher und Körperpflegeartikel, und eine eigene Toilette benutzen. Geschirr sollte im Intensivprogramm gesäubert werden. Quelle: KKH/Apothekenrundschau