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Viel Spaß mit Peter Pan und Tinker Bell

Neunkirchen. Das Tourneetheater Liberi zog am Sonntag mit dem Musical „Peter Pan“ Kinder wie Erwachsene in seinen Bann. Nur zu gern ließen sich die knapp 1000 Besucher von der humorvollen und spannenden Geschichte verzaubern, in der Peter immer mal wieder den tolldreisten Hahn gab. Anja Kernig

Alle Kinder werden irgendwann erwachsen, die einen früher, die anderen später. Nur einer verweigert sich erfolgreich: Peter Pan. Zum Glück! Sonst hätten all die Kinder samt ihren Eltern, Paten, Großeltern und wem auch immer am Sonntag nicht solch einen Heidenspaß in der so gut wie ausverkauften Gebläsehalle gehabt. Dort zeigte das Bochumer Familientheater Liberi die Musical-Fassung des Kinderbuchklassikers. Ihren Anfang nahm die von James Matthew Barrie Anfang des 20. Jahrhunderts erdachte Geschichte im Haus der Darlings - einer echten Gute Laune-Familie. Peter (ideal besetzt mit Maximilian Boshammer), der so etwas nie hatte, sitzt abends oft unentdeckt an Wendys Fenster, um den Geschichten ihrer Mutter zu lauschen. Als die Eltern eines Abends ausgehen, ist es soweit: "Jetzt kommt Peter", ertönen erwartungsvolle Kinderstimmen. Tatsächlich schlüpft der schlaksige Junge auf der Suche nach seinem geflüchteten Schatten herein. Peters Verdutzen darüber, dass sein Schatten ihm den Gehorsam verweigert, sorgte beim jungen Publikum für Heiterkeitsanfälle, genauso wie sein Zusammenzucken bei jedem Nadelstich, als die patente Wendy (Isabell Flössel) den Schatten kurzerhand wieder annäht.

Als ihr grüngewandeter Gast nebenbei verlauten lässt, dass auf Nimmerland Feen leben, beschließt Wendy spontan, mit auf die Insel zu kommen. Doch es ist gar nicht gut ums Überleben der Feen bestellt. Was nicht nur bei Wendy für Unbehagen sorgte. Als es galt, die versehentlich von Captain Hook vergiftete Fee Tinker Bell vor dem Sterben zu retten, gab es im Saal kein Halten mehr. Auf Peters Frage "Glaubt ihr an Feen ?" schrien die Mädchen und Jungen unisono "Jaaa!". Und in dem Song "Wer glaubt an Feen ?" wurde das Publikum nicht müde, das auch im Wechselgesang zu beteuern.

Die sechs spielfreudigen, mit beneidenswerter Kondition ausgestatteten Schauspieler des Bochumer Theaters vermochten es, den Mikrokosmos der Darling-schen Wohnung auf der einen Seite und auf der anderen das abenteuerliche Inselleben glaubhaft darzustellen - unterstützt von einem multifunktionalen Bühnenbild und stilechten Kostümen in dieser Inszenierung von Helge Fedder. Die schwungvollen Songs aus der Feder von Christoph Kloppenburg und Christian Becker brachten immer wieder frischen Wind ins Geschehen, so dass die zwei Stunden selbst für die Drei- und Vierjährigen im Saal wie im Fluge vergingen.

Am Ende flog Wendy mit den verlorenen Jungs zurück nach London. Zurück blieben die quirlige Tinker Bell (Carolin Pommert mit viel komödiantischem Talent) und Peter. Captain Hook hatten sie samt Krokodil zum Teufel gejagt, jetzt dürfte es ziemlich still auf Nimmerland werden. Da tat einem der schlaksige Kerl im grünen Leinenhemd fast schon Leid. Doch Peter wäre nicht der lustige Spring-ins-Feld, wenn er nicht auch hier noch mal das Ruder rumreißen könnte und lauthals ein "Kikerikiii" und sein Lied anstimmte: "Ich bleib klein, wachs nicht mehr. . . . Wer ein Kind bleiben will, ja, der bleibt immer frei. Ich will nicht wachsen." Wobei das nicht zwingend die Meinung der Minderjährigen im Saal widerspiegelte, wie das prompte "Doch" eines Jungen aus den hinteren Reihen bewies.

Nach viel Applaus bestand noch die Gelegenheit, sich von den Akteuren ein Autogramm geben zu lassen.