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Vergebliche Warnungen der Blies-Liberalen

Vergebliche Warnungen der Blies-Liberalen

Neunkirchen. Siegfried Schmidt ist ein schwarz-gelber Prophet. "Ich habe schon 2009 gewarnt, das kann nicht gut gehen, wenn wir da mitmachen", sagt der Neunkircher FDP-Boss. Gemeint ist der damalige Einstieg der Liberalen in die bundesweit beachtete Jamaika-Koalition im Saarland

Neunkirchen. Siegfried Schmidt ist ein schwarz-gelber Prophet. "Ich habe schon 2009 gewarnt, das kann nicht gut gehen, wenn wir da mitmachen", sagt der Neunkircher FDP-Boss. Gemeint ist der damalige Einstieg der Liberalen in die bundesweit beachtete Jamaika-Koalition im Saarland. "Ich glaub', ich bin ein Hellseher", meint der aufrechte Alt-Liberale heute mit Blick auf das lautstarke Platzen der Saarbrücker Koalition."Wir haben regelmäßig darauf hingewiesen, dass das in die Hose geht", hält Schmidt der Neunkircher FDP zugute. Doch sie blieb einsamer Rufer in der Wüste. Noch vor drei Wochen haben die Liberalen im Kreis Neunkirchen, das sind etwa 150 Parteimitglieder, einen offenen Brandbrief an Landesvorstand und Landtagsfraktion losgelassen - ohne Reaktion der Angesprochenen. Darin forderte man als "Basis" unter anderem "Schluss zu machen, mit den unwürdigen Rangeleien um Posten, Pfründe und Vergünstigungen". Man solle die beiden FDP-Minister - Schmidt: "Die haben keinen schlechten Job gemacht" - mit Sacharbeit unterstützen statt "nebulöse Personalumschichtungen zu betreiben". Zudem, so heißt es in dem Brief, solle man zugunsten engagierter Nachrücker jene aus der Fraktion drängen, die "in ihrem Landtagsmandat kaum mehr als einen lukrativen Nebenjob sehen".

Vergebliche Liebesmüh' der Neunkircher Liberalen, wie die Ereignisse zeigen. "Nun müssen wir dafür kämpfen, dass wir diejenigen, die diesen Mist gebaut haben, auf dem nächsten Parteitag entfernen", gibt Siggi Schmidt das Handlungskonzept aus. Man müsse zur politischen Arbeit zurückkehren und dem Ostermannschen Strippenziehen einen Riegel vorschieben. Im Landesvorstand der liberalen Senioren, dem der Neunkircher angehört, will er darauf hinwirken, dass "wir den Jugendwahn wieder wegkriegen". Eine gesunde Mischung aus gestandenen Liberalen und Nachwuchsleuten müsse her. "Ich kann auf die Leute verzichten, die aus dem Kreißsaal über den Schulsaal in den Plenarsaal kommen", so Schmidt.

"Es hieß immer: Die Grünen haben das gewollt" rügt er das gesichtslose Auftreten der FDP in der Landespolitik. Etwa beim Nichtraucherschutz ("Wir wollten das den Wirten freistellen") oder beim neuen Schulsystem sei liberale Programmatik völlig auf der Strecke geblieben. Besonders unangenehm stößt ihm Horst Hinschberger auf. "Der macht, was er will!"

Siegfried Schmidt, so kennt man ihn, will als "unabhängiger" FDP-Ableger in Neunkirchen zugunsten der Stadt weiterwirken. Was in aber nicht davon abhält, in Sachen Koalitionsauflösung in den Parteichor gegen Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer einzustimmen: "Der Zeitpunkt der Bekanntgabe war eine Sauerei!" Und vor der Forderung nach schnellen Neuwahlen schützt den gewieften Taktiker der Überlebenstrieb. Ihm ist sonnenklar, dass dann die FDP mit Pauken und Trompeten aus dem Landtag fliegen würde.Foto: Archiv

"Bei allem haben wir den Schwanz eingezogen."

Siegfried Schmidt

zum FDP-Einknicken gegenüber den Grünen auf Landesebene