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Unternehmen im Kreis Neunkirchen müssen Ausbildungsplätze unbesetzt lassen.

In Corona-Zeiten : Plätze gibt es, alleine: Die Bewerber fehlen

Unternehmen im Kreis müssen Ausbildungsplätze unbesetzt lassen.

Bundesweit wird es in diesem Jahr etwa sieben Prozent weniger Lehrstellen geben als noch 2019. Die Gründe sind vielfältig, Hauptursache aber ist die Corona-Krise. Wir wollten wissen, ob dieser Trend auch auf den Landkreis Neunkirchen zutrifft und wie groß bei uns die Chancen für Schulabgänger sind, einen Ausbildungsplatz zu bekommen.

Bei der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landkreises kennt man die Problematik. „Es gibt nach wie vor im Kreis freie Ausbildungsstellen“, sagt deren Geschäftsführer Klaus Häusler und nennt als Beispiel die Firma Delwo in Neunkirchen, die aktuell vier Ausbildungsplätze als Kaufmann im Groß- und Einzelhandel, Kaufmann für Spedition und Lagerdienstleistung, als Fachkraft für Lagerlogistik und als Fachlagerist ausgeschrieben hat. „Aber viele Betriebe mussten wegen der Coronakrise Vorstellungsgespräche ausfallen lassen“, sagt Häusler weiter, „und deshalb bleiben Ausbildungsplätze unbesetzt.“ Der Wirtschaftsförderer des Landkreises verweist auf den Ausbildungsatlas des Kreises, der vom Altenpfleger bis zum Zerspanungsmechaniker über die Profile der verschiedenen Berufsbilder informiert. Als wichtiges Instrument für alle Schulabgänger weist das Nachschlagewerk außerdem auf die richtige Form einer Bewerbung oder auf das Auftreten bei Vorstellungsgesprächen hin.

Die Erfahrung von WFG-Chef Häusler bestätigt auch Kathrin Corpataux von der Ottweiler Druckerei. Das Unternehmen, das mit 140 Mitarbeitern nach eigenen Angaben „zu den führenden Unternehmen der deutschen Druckindustrie“ zählt, unterhält eine sehr enge Kooperation mit verschiedenen Schulen, um künftige Auszubildende für das Druckerhandwerk zu interessieren. „Aber in diesem Jahr ist das alles etwas schwieriger“, räumt die Sachbearbeiterin für Personalwesen und Marketing ein. Die Ottweiler Druckerei hatte einige Ausbildungsplätze in der Produktion als Buchbinder oder Drucker ausgeschrieben, „aber die Bewerber sind sehr zurückhaltend und deshalb haben wir bisher noch niemanden gefunden“, bedauert die Personalsachbearbeiterin. Aber Kathrin Corpataux hofft, dass „vielleicht kurz vor knapp“ noch einige Bewerbungen eingehen, „ansonsten bleiben die Ausbildungsplätze unbesetzt“.

Auch bei der Zewe GmbH im Landsweiler Gewerbegebiet Klinkenthal sollte eine Auszubildende zur Bürokauffrau eingestellt werden, aber dort sind die Gründe anders geklagert. „Sie hat die Schule nicht gepackt“, erklärt Ulrike Zewe, „und deshalb haben wir jemand mit abgeschlossener Ausbildung genommen.“

Die Kommunale Energie- und Wasserversorgung (KEW) in Neunkirchen bildet grundsätzlich aus, „allerdings nur für den eigenen Bedarf“, erklärt Jens Bommersbach von der Abteilung für Recht und Personal. Ausbildungsplätze werden deshalb nur angeboten, wenn absehbar ist, dass das Unternehmen zum Ende der Ausbildungszeit nach dreieinhalb Jahren den Auszubildenden übernehmen kann. Aktuell sucht die KEW einen Elektroniker für Betriebstechnik, der nach erfolgreichem Abschluss im Unternehmen bleiben wird. WFG-Geschäftsführer Häusler macht im SZ-Gespräch abschließend klar: „Das Angebot an Ausbildungsplätzen ist vorhanden und die Chancen für Schulabgänger sind gut, aber offensichtlich gibt es nicht genügend Bewerber.“