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Und Sören Meng bewies auch Stimme

Wellesweiler. 80 Zuhörer waren am Sonntag der Einladung Sören Mengs und Nino Dedas zur ersten literarisch-musikalischen Matinee in die Stengelkirche gefolgt. Zu hören gab es vertonte Gedichte, Lieder und Geschichten. Anja Kernig

"Gudd?", fragte Sören Meng seinen Mitstreiter, nachdem er mit wohlwollendem Blick die voll besetzten Stuhlreihen in der Stengelkirche registriert hatte. "Gudd", nickte Nino Deda lächelnd. Eine halbe Stunde vor Beginn hatte sich Meng noch ernsthaft Gedanken gemacht, wie dieses Experiment wohl ausgehen würde. Immerhin war es ihre erste musikalisch-literarische Matinee und wer weiß schon vorher so genau, ob am Sonntag kurz vor dem Mittagessen Leute für Gedichte und Musik zu begeistern sein würden.

Schon der Ort war ideal gewählt: Könnte Kleinkunst doch kaum einen schöneren Rahmen finden als in diesem kulturhistorischen Kleinod. Zum Auftakt interpretierte Deda, der als örtlicher Kirchenmusiker und Chorleiter einen winzigen lokalen Heimvorteil mitbrachte, am Klavier das von ihm vertonte Fontane Gedicht vom alten Apfelbaum, das wie kein zweites zum Jahreszeitenwechsel passt: "Nun ist er endlich kommen doch in grünem Knospenschuh; er kam, er kam ja immer noch - Die Bäume nicken sich's zu. . . .Wohl zögert auch das alte Herz und atmet noch nicht frei. Es bangt und sorgt: Es ist erst März. und März ist noch nicht Mai. . ."

Doch Bange machen gilt nicht. Weshalb das Duo die Zuhörer swingend aufforderte, einfach mal die Seele baumeln zu lassen: "Alles wird dir glücken, genieße nur ein Stück." Es folgte eine humorvolle Kritik Mengs an dem Glauben mancher Zeitgenossen, sich immer und überall in den sozialen Netzwerken zeigen und äußern zu müssen. Dass der Akkuausfall des Smartphones durchaus ein Segen sein kann, hat der seit vielen Jahren schriftstellerisch tätige Lokalpolitiker an einem Morgen in der Zulassungsstelle selbst erfahren. Sein Fazit: "Warten kann gut tun."

Erst vor Kurzem geschrieben, sorgte die Geschichte über eine Frontliebe in Form eines Briefwechsels aus dem zweiten Weltkrieg für eine ernstere Note. "Das ging besonders unter die Haut", bedankte sich Elfriede Müller aus Furpach nach der Matinee: "Ich habe diese Zeit ja noch erlebt. Bei der Lesung sind die ganzen Bilder wieder hoch gekommen, wie uns die Amerikaner befreit haben."

Eine wunderbar einfühlsame musikalische Vertiefung erfuhr das Thema durch die ebenfalls ganz neue Komposition "Nostalgie" von Deda. Höchst harmonisch fügte sich Musiktitel zu Gedicht oder Text. Man merkte, hier verstehen sich zwei blind. Nino Deda, der Virtuose, wechselte zwischen Klavier und Akkordeon und schöpfte dabei aus seinem reichen Fundus eigener Titel, darunter ein Balkan-Potpourri, Balladen und ein Titel mit viel Pariser Flair. Dass Sören Meng nicht nur schreiben und rezitieren, sondern auch singen kann, stellte er an diesem Vormittag mehrfach unter Beweis, zuletzt gemeinsam mit dem Publikum mit dem Titel "Neuer Weg".

Mit Bravo-Rufen und warmem Beifall bedankte sich der "Chor" bei dem Duo. Die Freude beruhe ganz auf Gegenseitigkeit, betonte Meng: "Wir haben etwas Neues gewagt und sind überwältigt von der Resonanz."