Und am Ende sind alle tot

Seit acht Jahren spielt die Bohemian Company gerne Klassiker in eigener Bearbeitung. In ihrer neuen Produktion haben sie sich jetzt die Nibelungen vorgenommen. An diesem Wochenende kommen sie nach Wiebelskirchen.

Im Neunkircher Musicalprojekt brachte der frühere Staatstheater-Schauspieler Martin Leutgeb schon 2003 bühnenbegeisterte Menschen zusammen. Hier fanden die ersten Bohemians zueinander, um in ihrer eigenen Company noch mehr und eigenständig Theater zu machen. Seit 2006 spielt die Amateurtruppe mit beachtlichem Erfolg Klassiker von Schiller bis Shakespeare. In Heusweiler war Premiere ihrer Inszenierung von Friedrich Hebbels "Nibelungen ".

Es geht um Staatsräson, Macht, Liebe, Hass, Verrat und Treue - und am Schluss sind alle tot. Erbitterte Rache- oder Treueschwüre lenken ins schicksalhafte Verderben. Held Siegfried bringt alles ins Rollen. Dargestellt von Thorsten Stopp changiert er zwischen Besonnenheit und unbefangener Aufschneiderei - Kriemhild (Nadine Fleckinger) gefällt's, dem düsteren Hagen weniger. Heimtückisch mordet Hagen (Jochen Sauern) den, der mit Tarnkappe und Unverwundbarkeit die Kräfteverhältnisse stört und sowohl ihn als auch die unversöhnliche Brunhild vorführt. Nicolas Schneider gibt überzeugend den Burgunderkönig Gunther, der das mörderische Spiel weder antreibt noch aufhält.

Ensembleleiterin und Regisseurin Sandra Klein lenkt mit einem sparsamen Bühnenbild die Aufmerksamkeit ganz auf die beeindruckend agierenden Darsteller. Blutverschmierte Körper mit Strichlisten für die Getöteten auf dem Rücken zeigen die archaische Kriegslust, ramponierte Flaggen im Hintergrund die Zeitlosigkeit beleidigter Machthaber. Ansonsten: Stühle. Die Schauspieler selbst arrangieren sie immer wieder neu, zu einem Wald, zu Betten, einer Burg, einem Höllenfeuer oder zur "Reise nach Jerusalem", die kindisch übermütige Siegertypen, in Anspielung an die deutschen Fußballweltmeister mit ihren Argentinienschmäh, zum Tanzen bringt.

Auf der Bühne wird gezürnt und geschrien, die langen Textpassagen sind gut zu verstehen, den immerhin 16 Darstellern gelingt ein gemeinsames Spiel mit viel Bewegung, die nie unmotiviert wirkt, sondern sich fast natürlich zu immer neuen, glaubwürdigen Bildern fügt. Der Hebbel-Text wurde gekürzt und um reflektierende Monologe der Protagonisten bereichert, die am Bühnenrand sitzend Einblick in ihr Werden und Empfinden geben. Das Leid der Frauen wird überhöht, die richten sich selbst, während die Männer nibelungentreu ihrem Ende entgegenschmoren oder noch gemeuchelt werden.

Weitere Vorstellungen: Samstag 18. und Sonntag 19. Oktober, jeweils 19.30 Uhr im Kulturhaus Wiebelskirchen . Karten: info@bohemian-company.de oder Telefon (01 75) 3 49 55 95.

bohemian-company.de