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Umfrage bei Apothekern im Landkreis

In Corona-Zeiten : Informieren, rationieren, improvisieren

Eine Umfrage bei Apotheken im Landkreis zeigt: Echte Engpässe gibt es nur bei Desinfektionsmitteln, Masken und Handschuhen.

„Gesundheitlich geht es uns gut. Wir passen auf uns auf“, informiert Alexander Schoppe für die Hubertus Apotheke Wemmetsweiler. Zum Glück sei weder bei den Menschen vor noch hinter der Theke Panik zu bemerken, toi toi toi. Klar, „jeder muss noch dazu lernen“, was Hygiene- und Abstandregeln anbelangt“, ergänzt Schoppe. Was durchaus „anstrengend“ sei. Zwei Leute dürfen sich maximal im Verkaufsraum aufhalten. Engpässe gibt es momentan bei den üblichen Verdächtigen, sprich Mundschutz und Desinfektionsmitteln. „Und wie lang die Handschuhe noch reichen, weiß ich nicht.“ Der Großhandel kontingentiert bereits fleißig. Wenn man bislang zehn Packungen eines Medikamentes anforderte und erhielt, sind es jetzt nur noch sieben. „Das betrifft das ganze Sortiment“, zu Grunde gelegt wird der Jahresdurchschnitt, erklärt Schoppe. Wobei der Großhandel nicht das Problem darstellt, im Gegenteil: „Die ziehen mit uns an einem Strick.“

Nein, das System an sich hat Schieflage. So sind Lieferengpässe keineswegs eine neue Situation, sondern seit anderthalb Jahren gang und gäbe. „Wir müssen Kunden immer wieder vertrösten“, weil kein Nachschub kommt. Grundsubstanzen werden inzwischen des Preisdrucks wegen oft nicht mehr in Europa und nur von einigen wenigen Großanbietern hergestellt, bestätigt Kevin Oberhausen von der Marien-Apotheke Elversberg. Fällt einer der Anbieter aus oder passiert auf dem Transport etwas, gerät die ganze Produktions- und Lieferkette ins Straucheln.

Die Lage im Geschäft „entspannt sich mittlerweile langsam“, resümiert der Apotheker. „Das war der stärkste Monat seit langem, obwohl es Frühjahr ist.“ Das Team hatte vor allem in der kritischen ersten Zeit der Corona-Krise eine Doppelbelastung zu meistern, war im Einsatz „an vorderster Front“, so Oberhausen: „Wir haben unseren Teil beigetragen“, um den um sich greifenden Ängsten und Fehlinformationen korrekt und sachlich entgegen zu treten. „Von unserer Ausbildung her sehe ich das als unsere Aufgabe an.“ Des großen Andrangs wegen seien Aufklärungsgespräche anfangs schwierig zu integrieren gewesen. „Da musste man aus zeitlichen Gründen einen Mittelweg finden.“

Erschwerend hinzu kam die Ibuprofen-Falschmeldung: Hatte doch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) davon abgeraten, bei Verdacht auf eine Infektion mit dem neuen Coronavirus ohne ärztlichen Rat Ibuprofen einzunehmen. Was zu einem wahren Run auf Paracetamol führte. „Aber wir haben die Versorgung damit derzeit sicher gestellt.“ Längst hat die WHO ihre Aussage revidiert.

„Extremen“ Betrieb meldet auch die Bären Apotheke im Zentrum am Boxberg Neunkirchen. „Die letzten zwei Wochen waren ganz heftig. Alle kamen gleichzeitig“, erinnert sich Inhaberin Caroline Bertram. Viele Ärzte hätten ihre Patienten vorsorglich geschickt, um die Dauermedikation zu sichern. Paracetamol gibt es derzeit nur kontingentiert, bei Desinfektionsmitteln konnte die Firma Theis aus Homburg zwischenzeitlich etwas Abhilfe schaffen: „Wir haben 450 Portionen à 50 Milliliter für unsere vier Apotheken erhalten.“ Vorsicht geboten sei bei Angeboten aus dem Internet: „Die wollen oft Vorkasse und liefern dann nicht.“

Um die Bedienplätze sicherer zu gestalten, habe man am Montag letzter Woche Acrylglasscheiben bestellt und anderntags abholen können. Generell sei die Stimmung gut, findet Caroline Bertram: „Wir sind froh, dass wir Arbeit haben und beschäftigt sind.“ Die Kundschaft wiederum sei sehr dankbar, inzwischen gehe es auch wieder etwas ruhiger zu. „Es wird nicht mehr so gedrängelt.“

„Wir halten uns tapfer“, lässt Dorothea Hamma aus der Adler-Apotheke Ottweiler wissen. Eine Kollegin darf nach dem Urlaub noch zu Hause bleiben – als Personalreserve für den Fall der Fälle. „Wenn nötig“, tragen Dorothea Hamma und ihre Kollegen Handschuhe und Mundschutz, in die Apotheke dürfen immer nur zwei Kunden auf einmal. In Sachen Handschuhe und Desinfektionsmittel sieht es so mau aus wie überall. „Ältere Leute versuchen zu hamstern“, was aber menschlich verständlich sei. Wird es mit einem bestimmten Medikament eng, werden die Leute zurück zum Arzt geschickt, damit er einen gleichwertigen Ersatz verschreibt. Bezüglich Erkältungsmedikamenten sei man aber noch ganz ordentlich aufgestellt.