In Zeiten von Corona : Nachts ist für Taxis tote Hose

Die Taxiunternehmen leben im Moment hauptsächlich von Kranken-Fahrdiensten.

„Eins muss ich sagen: Ich hab noch nie so eine leere Autobahn gesehen“, meint Iris Hans über Telefon-Sprechanlage, den Blick auf die A8 gerichtet. Und muss dabei spontan ein bisschen lachen. „Passieren kann einem da schon mal nichts.“ Das Lachen klingt echt, wenn auch nicht wirklich fröhlich – und hat einen bitteren Beigeschmack. Wem wäre das Gegenteil jetzt nicht lieber – mehr Verkehrsaufkommen, dafür aber ein Ende des Corona-Spuks. Doch das ist nicht in Sicht und die Lage für die Taxiunternehmen „katastrophal“, bemerkt die Berufskraftfahrerin sachlich. Es ist Samstagnachmittag. Seit 7.30 Uhr läuft ihre Schicht beim Illinger Taxiunternehmen Armin Theobald. „Ich bin im Moment ausnahmsweise unterwegs“, betont Iris Hans. Sie holt einen Stammkunden im Klinikum Homburg ab. „Drei kleine Fahrten hatte ich bis jetzt“, in den sieben Stunden Bereitschaftsdienst seit dem Morgen.

Das Risiko fährt immer mit. Deshalb ist Hände desinfizieren für Helmut Schmitt das A und O. „Wir passen schon auf!“ In sein Taxi steigt er selbstverständlich nur noch mit Handschuhen und Maske ein. Allzu oft passiert das jedoch nicht mehr. „Die Aufträge sind um 40 Prozent zurück gegangen“, informiert der Wemmetsweiler Unternehmer. Und „nachts ist es ganz ruhig“, da läuft quasi „Null“. Wie auch, wenn alles geschlossen ist. Statt drei bis vier Leute zu beschäftigen gibt es jetzt gerade mal Arbeit „für eine halbe Kraft“. Schmitts Steuerberater hat bereits den Antrag auf finanzielle Unterstützung für den Kleinbetrieb eingereicht. Auch wenn’s grad hart ist: „Das kriegen wir schon rum“, spricht sich Schmitt selbst Mut zu.

Von drei auf ein Einsatzfahrzeug runter ist man beim Taxiunternehmen Stöhr in Neunkirchen. Nachts läuft „fast gar nichts“, so die telefonische Auskunft aus der Zentrale. Ähnlich sieht es bei dem Neunkircher Kollegen Paul Korte aus. Dort werden täglich nur noch zwei bis drei Fahrten gebucht – meist Notfälle, ins Krankenhaus oder Labor. In normalen Zeiten wären es 30 Einsätze. Was bedeutet, dass von fünf Fahrern nur noch einer gebraucht wird. Was Inge Hans auch für Illingen bestätigen muss: „Vorneweg 60 bis 70 Prozent“ des Bargeldgeschäfts sind weggebrochen.

Entspannter stellt sich die Lage bei der Firma Ruschel-Willie aus Eppelborn dar. „Keine Kurzarbeit“ musste Silke Willie bis jetzt für ihr 50-köpfiges Team anmelden. Im Gegenteil, zum 1. April wurde sogar ein neuer Mitarbeiter fest angestellt. „Wir können froh sein, in den letzten Jahren so viel gearbeitet zu haben.“ Entsprechend „breit aufgestellt“ sei man jetzt. Zum Ruschel-Willie Fuhrpark gehören unter anderem zehn Spezialfahrzeuge für den Transport von Menschen in Rollstühlen. Krankenfahrten sowie Dialyse-, Strahlenbehandlungs- und Chemotherapie-Fahrten stellen das Hauptgeschäft dar. Woraus sich für Silke Willie aber auch eine Fürsorgepflicht ableitet. Obwohl völlig unwirtschaftlich, „lassen wir die Nachtschicht mitlaufen“. Dabei kommen derzeit regulär nicht mehr als ein oder zwei Touren zustande. Die Unternehmerin tut es vor allem mit Blick auf medizinische Notfälle: Wenn beispielsweise für Dialysepatienten plötzlich eine Spenderniere verfügbar ist, müssen die Leute ja irgendwie ins Krankenhaus kommen können. Weshalb Silke Willie auch weiterhin am 24-Stunden-Rund-um die Uhr-Service festhält.

So schlimm es auch aktuell um die Branche steht: „Wir müssen da sein“, teilt Iris Hans dieses Berufsethos. „Die Leute brauchen uns.“ Am besten überstehe man diese verrückte Zeit jetzt mit Humor und guten Gedanken: „Man darf die Hoffnung nicht aufgeben.“