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Theater
Ein Pfannkuchen auf der Flucht

Gesungen und theatralisch gespielt wurden in der Steinwald Schule die Geschichten für alle Sinne.
Gesungen und theatralisch gespielt wurden in der Steinwald Schule die Geschichten für alle Sinne. FOTO: Jörg Jacobi
Neunkirchen. Erst hören, dann kosten: Neunkircher Steinwaldschule präsentierte anlässlich des Vorlesetags „Die Geschichte vom dicken, fetten Pfannkuchen“ als Theater für alle Sinne. Von Anja Kernig

„Herr Lange ist der dicke fette Pfannkuchen“, meint Erstklässlerin Juna, spitzbübisch grinsend. Ziemlich frech? Ach woher, denn Grundschullehrer Tim Lange mimt tatsächlich den aus acht Eiern – „sieben für die hungrigen Kinder und eins für den Großvater“ – in reichlich Fett ausgebackenen Eierkuchen. Und was für ein appetitliches, pausbäckiges Exemplar! Kein Wunder, dass alle mal naschen wollen, die Jungen und Mädchen, das Häschen, das Schweinchen und der Gänserich Hänserich. Da bleibt einem lebenslustigen Pfannkuchen ja gar nichts anderes übrig, als aus der Pfanne zu springen und die nicht vorhandenen Beine in die Hand zu nehmen.


Turbulent ging es an diesem Nachmittag in der Grundschule am Steinwald zu. In der aus allen Nähten platzenden Aula führten 50 Kinder und das Kollegium klassenübergreifend eine mit selbst gemalten Bildern liebevoll und bunt „illustrierte“, musikalisch unterlegte Lesung auf. Zwischen den einzelnen Szenen kam der Chor unter Leitung von Anke Rosar zum Zuge. Singend kommentierten die Mädchen und Jungen die wilde Flucht des Pfannkuchens: „Allen ist er ausgerissen und wir Kinder wollen wissen, wie das Märchen weiter geht.“ Ein Riesenspaß für die Zuschauer – nicht zuletzt, weil die Lehrer voll in ihren Rollen aufgingen.

Wie Rektor Tobias Klee bei der Begrüßung erwähnte, ist es „eine ganz liebgewordene Tradition“, sich mit einer eigenen, immer wieder anders gestalteten Aktion am Vorlesetag zu beteiligen. Jedes Jahr rufen DIE ZEIT, Stiftung Lesen und die Deutsche Bahn Stiftung dazu auf, am dritten Freitag im November ein öffentliches Zeichen für das Vorlesen zu setzen. Angemeldet wurden diesmal deutschlandweit 696 000 Events, eines davon am Steinwald in Neunkirchen.



Etwa 160 Erwachsene und Kinder kamen zunächst in den Genuss der Geschichte und danach in den von echten Pfannkuchen (Crepes) und Waffeln, nach denen das ganze Schulhaus duftete. Generell lege man viel Wert auf Lesen, informiert Klee später im Büro. Es gibt eine Schülerbibliothek, die gut gepflegt werde mithilfe des Fördervereins. „Es geht nicht ohne Eltern“, betont der Schulleiter. Sie übernehmen auch die Ausleihe während des Schulvormittags. Genutzt werde das Angebot „sehr, sehr, sehr gut“, freut sich Klee.

Die Kinder selbst dürfen ihre Lieblingsbücher im Unterricht vorstellen. Besuche der Stadtbibliothek sind genauso selbstverständlich wie die regelmäßige Teilnahme an Vorlese-Wettbewerben, etwa dem Lesedino. „Ich hoffe, dass sich das auf die Eltern überträgt.“ Letztlich sei das auch die Grundmotivation, solch ein Projekt wie die Veranstaltung heute zusätzlich zu stemmen. „Die Mamas und Papas sollen das als Impuls mitnehmen“ – ein Impuls pro Sprache, pro Lesen. Wobei Klee empfiehlt, möglichst kreativ damit umzugehen. Warum nicht mal Töne und Geräusche einfließen lassen beim Vorlesen oder etwas singen oder vielleicht auch mal Themen aus Büchern aufgreifen und sich näher damit beschäftigen. Je spielerischer man mit dem Lesestoff umgehe, desto besser und nachhaltiger sei es, ist die Erfahrung des Schulleiters, der selbst zwei Söhne im Vorlesealter hat.

Für den Pfannkuchen ging es übrigens gut aus: Es wurde einfach ein neuer gebacken.