| 20:20 Uhr

Zum Lachen und zum Nachdenken
Theater gegen das „komische Bauchgefühl“

Alexe Limbach und Charalampos Lavassas vom Präventivtheater Zartbitter brachten die Grundschüler zum Lachen, aber auch zum Nachdenken.
Alexe Limbach und Charalampos Lavassas vom Präventivtheater Zartbitter brachten die Grundschüler zum Lachen, aber auch zum Nachdenken. FOTO: Merkel Carolin / Carolin Merkel
Neunkirchen. Das Theater „Zartbitter“ gastiert mit nachdenklichem Stück „Ganz schön blöd“ vor Schülern in der Stummschen Reithalle.

(cim) Nicht am Beifall, wohl aber an den zahlreichen Wortmeldungen nach dem Theaterstück „Ganz schön blöd“ dürften die beiden Akteure auf der Bühne, Alexe Limbach und Charalampos Lavassos, in der Stummschen Reithalle in Neunkirchen am Mittwochvormittag festgestellt haben, wie gut ihr Stück bei den Grundschülern angekommen ist. In zwei Vorstellungen hatte das Präventivtheater „Zartbitter“ aus Köln alle Schulklassen der Grundschule am Stadtpark zu Gast. Und, das ist für einen Theaterbesuch für Kinder zwischen sechs und zehn Jahren absolut legitim, viel zu lachen hatten die beiden ausgebildeten Schauspieler neben dem Stapel an Umzugskisten mitgebracht. Aber nicht nur zum Lachen, wie Margit Leist und Marco Flautau vor Spielbeginn betonten, sollte das Stück animieren, auch Nachdenken war angesagt.


Auf Einladung der beiden Beratungsstellen Nele für Mädchen und Phoenix für Jungen, war das Team um die beiden Schauspieler auf der Bühne in Neukirchen zu Gast. Dort wollte es sich Tine, die noch auf ihren Umzugskisten saß, gemütlich machen. Nach der erfolgreichen Suche nach ihrer geliebten Dolores allerdings überschlugen sich die Ereignisse in ihrem Zimmer. Ein Poltern im großen Karton mit dem Bettzeug und ein überaus komisch gekleideter Junge mit Hörnern auf dem Kopf stand vor ihr. Flugs stellte der sich als ihr Schutzengel vor. Doch die Sache, das gab er zu, hatte einen Haken. Denn bisher 18 Mal durch die Prüfung geflogen, musste er sich als Teugel (halb Teufel/halb Engel) erst einmal behaupten. Tine fands lustig, wollte er sie doch vor Vulkanausbrüchen und Eisbergsalaten schützen. Die Zuschauer schlossen die beiden schnell in ihre Herzen und amüsierten sich über das Spektakel. Ganz still wurde es, als Tine dem Teugel davon erzählte, was ihr an ihrer alten Schule wiederfahren ist. Da war sie nämlich mit Denise und der Mädchenclique konfrontiert, wurde regelmäßig bedroht. „Ich will doch nicht als Petze dastehen, außerdem sind wir ja weggezogen“, rechtfertigte sie sich, weil sie ihren Eltern nichts davon erzählt hatte.

„Petzen“ oder „Hilfe holen“, darum rankte sich schließlich eine Quizshow, in die auch die Zuschauer eingebunden waren. Und ja, das verdeutlichte dieser Teil des Stücks, es ist legitim, sich Hilfe zu holen, immer dann, wenn man ein blödes Gefühl bei einer Sache hat. Ein ganz blödes Gefühl überkam Tine dann, als der Bruder ihrer besten Freundin Jenny Bilder aus der Umkleide von ihnen ins Netz stellen wollte. Als er damit drohte, der Katze etwas anzutun, traute sich Tine nicht, sich zu offenbaren. Auch die Kinder im Publikum waren geteilter Meinung, was zu tun sei. Flugs übernahm der Teugel die Geschicke und schaffte die Wendung - im Stück, aber auch im Selbstverständnis der Protagonistin. Die bedankte sich mit einem leisen „Danke“ bei ihrem Schutzengel. Danke, das sagten dann auch anschließend die Kinder mit ihren vielen positiven Beiträgen, sie fassten aber auch das in Worte, was ihnen ein komisches Bauchgefühl gemacht hat. „Die Sache mit dem Sex-Wort“, erklärte ein Schüler. „Dass die Denise in den Ranzen gespuckt hat“ ein anderer. „Dass der Bruder von Jenny Bilder gemacht hat“ – all das beschäftigte die Jungen und Mädchen sichtlich. Geduldig und einfühlsam moderierten die beiden Mimen das Gespräch mit den Schülern, nahmen schließlich auch die beiden Ansprechpartner der Beratungsstellen vor die Bühne. „Wenn ihr ein schönes Gefühl habt, dann dürft ihr das für euch behalten. Wenn es aber blöde Gefühle sind, dann darf man das erzählen, den Eltern, dem Lehrer, oder auch den beiden hier“, sagte Alexe Limbach.



Mit Infomaterial und sicherlich noch viel Gesprächsbedarf machten sich die Schüler und Schülerinnen auf den Rückweg zur Schule - gestärkt durch ein absolut beeindruckendes und zugleich kindgerechtes Stück.