„Tausche Rose gegen Reifezeugnis“

„Tausche Rose gegen Reifezeugnis“

Die 48 Abiturienten des Gymnasium Ottweiler nahmen am Freitagabend sichtlich stolz ihr Reifezeugnis entgegen. Alle Beteiligten nutzten die Abiturfeier im Schlosstheater, um auf acht gemeinsame Jahre zurückzublicken.

Der trübe Himmel über Ottweiler vergoss während der stimmungsvollen Abiturfeier des Gymnasiums Ottweiler (GO) zeitweise besonders dicke Tränen. Damit war er am Freitagabend jedoch nicht allein, denn die gerührte Mutter eines der 48 Abiturienten verkündete bereits vor Beginn der Feierlichkeiten, dass sie jetzt schon eine sentimentale Phase durchmache.

Sowohl für die Schüler als auch für die Eltern seien die acht Jahre am GO laut Schulleiterin Rebecca Spurk ein Wechselbad der Gefühle gewesen. "Sie, liebe Eltern, haben Ihre Kinder mit uns auf dem Weg durch die Schule begleitet", sagte Spurk. Dabei sei es gerade beim diesjährigen Abiturjahrgang hin und wieder recht turbulent hergegangen. Allzu gut könne sich die Schulleiterin an Streitigkeiten oder "kleinere Kämpfchen" erinnern. Genauso verbinde die Schulleiterin den Jahrgang 2014 aber auch mit Spitzenleistungen - zehn von 48 Abiturienten haben eine eins vor dem Komma - sowie erstaunlichem Selbstvertrauen und "Coolness". "Behaltet euer Selbstvertrauen als Basis für weitere Anstrengungen", sagte Spurk.

Lehrerin Dagmar Wiltz verabschiedete sich im Namen des ganzen Kollegiums von einem Jahrgang, den sie teilweise fast acht Schuljahre lang begleitet habe. Versuchsweise schlug die Rednerin einen Bogen zum diesjährigen Abimotto ("KABItalismus - 12 Jahre Klassenkampf"). Allerdings verwarf sie ihren Einstieg schnell, weil das Motto keine wirkliche Herzensangelegenheit des Jahrgangs sei: "Bei der Abstimmung gab es keine große Mehrheit. Viel eher hat es an geistreichen Ideen gemangelt." Diesen Eindruck bestätigten die "ertappten" Abiturienten mit einem kräftigen Lachen. Stattdessen verglich Dagmar Wiltz das Leben und speziell die Schule mit einem Theaterstück; gliederte die gemeinsamen Schuljahre in den klassischen Aufbau eines Dramas in fünf Akten ein. Zwischen der Exposition, dem Begrüßungsfest der damaligen Fünftklässler, und dem fünften Akt, der Abiturfeier als "Lösung des Konflikts", sei viel passiert. Teilweise hätten sich die Schüler auch im reinen Improvisationstheater versucht und mit Fachwissen geglänzt: "Was is nommo de Unnaschied zwische Metapher und dem annere do?" Lediglich auf der Bühne "Schule" falle nun der Vorhang, denn das Leben halte noch viele andere Bühnen bereit. Angenommen das Leben sei wirklich ein Theater, solle man sich laut William Shakespeare eine Rolle aussuchen, die so richtig Spaß macht.

Sichtlichen Spaß hatte auch Abiturient und Scheffelpreisträger Jan Weirich bei seiner allerersten Rede. Genau wie seine 47 Schulkameraden habe er den Sprung vom naiven, kleinen und unwissenden Kind zum reifen Erwachsenen geschafft - bei so viel Selbstironie musste Weirich in das Lachen des Publikums einstimmen. Nun rufe eine Welt ohne 45-Minuten-Takt und "Hotel Mama", aber die Erinnerung an eine "sehr schöne Zeit" bleibe. Bei der anschließenden Ausgabe der Abiturzeugnisse kam es zu einem charmanten Tauschhandel: Die beiden Betreuungslehrer des Jahrgangs Dagmar Wiltz und Joachim Traudt überreichten die kostbaren Mappen an die Abiturienten und erhielten im Gegenzug von jedem Schützling eine einzelne Rose. "Jetzt bin ich froh, dass mein Kurs so groß war", sagte Traudt. Zu jeder ordentlichen Abiturfeier gehört eine durchtanzte Nacht und dem kamen die 48 jungen Menschen allzu gerne nach. Die Liste der Abiturienten am Gymnasium Ottweiler (enthält nur die Namen derer, die sich mit einer Veröffentlichung einverstanden erklärt haben; Berufswünsche stehen in Klammern): Lena Bentz, Ottweiler ; Alexander Berrang, Ottweiler ; André Bier, Schiffweiler (Grundschullehrer); Sascha Blug, Schiffweiler ; Maximilian Clemens, Ottweiler ; Annika Dehne, Ottweiler ; Kim Michelle Eichhorn, Ottweiler ; Sarah Fremgen, Ottweiler ; Charlotte Fritz, Neunkirchen ; Lena Fuchs, Schiffweiler ; Yannick Mika Gebhardt, Ottweiler (Polizist); Dominik Tobias Glomb, Breitenbach; Fabian Hans, Illingen ; Rouven Hans, Illingen ; Julia Maria Herwarth, Ottweiler ; Nicole Hoffmann, Ottweiler ; Anna-Sophie Ibelshäuser, Namborn; Henrik Kiefer, Schiffweiler ; Anna Carina Kirsch, Ottweiler ; Moritz Krämer, Schiffweiler ; Mirko Kreten, Ottweiler ; Giulia Kathrin Kurz, Schiffweiler ; Felix Milan Maurer, Illingen ; Jannis Morsch, Ottweiler ; Eva Müller, St. Wendel; Laura Niewiadomski, Ottweiler ; Fabian Dirk Prokop, Kleinblittersdorf; Joanna Reis, Ottweiler ; Dominik Richter, Ottweiler ; Riccarda Ruth, Ottweiler ; Fabian Scheidhauer, Ottweiler ; Kathrin Schneider, Ottweiler ; Oliver Christian Scholz, Ottweiler ; Mischa Matthias Sommer, Ottweiler ; Nathalie Staudter, Ottweiler (Lehrerin); Nicola Stelzner, Illingen ; Kathrin Theobald, Friedrichsthal; Vanessa Theobald, Ottweiler ; Verena Vogel, St. Wendel; Sebastian Weber, Illingen ; Jan Weirich, Neunkirchen (Betriebswirt); Jonas Weis, Ottweiler ; Timo Weiskircher, Schiffweiler ; Adrian Benedikt Wolter, Ottweiler (Lehrer); Jessica Zyrull, Schiffweiler .

Zum Thema:

Auf einen BlickBesondere Leistungen: Maximilian Clemens (Preis der Naturwissenschaftlichen Technischen Fakultät der Universität des Saarlandes für hervorragende Leistungen im Fach Mathematik, Preis der Deutschen Mathematiker Vereinigung für hervorragende Leistungen im Fach Mathematik, Preis der Deutschen Gesellschaft der Chemiker für hervorragende Leistungen im Fach Chemie), Annika Dehne (Preis der Sparkasse Neunkirchen für hervorragende Leistungen im Fach Englisch), Sarah Fremgen (Preis der Barmer GEK für hervorragende Leistungen im Fach Biologie), Lena Fuchs (Preis des Ottweiler Bürgermeisters für Beste Leistung im Fach Erdkunde), Felix Maurer (Preis der Deutschen Physikalischen Gesellschaft für hervorragende Leistungen im Fach Physik), Fabian Scheidhauer (Preis der Bank 1 Saar für hervorragende Leistungen im Fach Geschichte), Nathalie Staudter (Trägerin des Pierre-de-Coubertain-Abiturpreises für ihre Leistungen im Fach Sport), Jan Weirich (Scheffelpreis für die besten Leistungen im Fach Deutsch, Preis des Landkreises für hervorragende schulische Leistungen im Fach Politik), Adrian Wolter (Preis der Sparkasse Neunkirchen für hervorragende Leistungen im Fach Französisch). Zehn von 48 Abiturienten haben einen Einserschnitt: Annika Dehne (1,3), Maximilian Clemens (1,5), Moritz Krämer und Nathalie Staudter (beide 1,6), Sarah Fremgen, Felix Maurer, Jan Weirich, Adrian Wolter (alle 1,7), Lena Bentz und Anna-Sophie Ibelshäuser (beide 1,8). rol

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