SZ-Umfrage unter Bäckereien Auch für die Bäcker sind die Zeiten hart

Kreis Neunkirchen · Brot, Baguette und leckere Teilchen finden in Zeiten von Corona weiter ihre Abnehmer. Trotzdem bereitet die Krise auch der Bäckereizunft große Sorgen.

 Verkauft wird längst nicht so viel wie vor der Krise.

Verkauft wird längst nicht so viel wie vor der Krise.

Foto: dpa-tmn/Inga Kjer

Brot ist ein, wenn nicht sogar das Grundnahrungsmittel schlechthin. Eines, was immer nachgefragt wird – auch in Krisenzeiten. Sollte man meinen. Dass die Bäckerzunft derzeit weniger Sorgen als andere hat, stimmt so leider nicht. Bei unserem Rundruf im Landkreis zeichnet sich schnell ein anderes Bild: „Schlecht wie überall“ sieht es aus, heißt es etwas aus der Bäckerei Olaf Brill in der Zweibrücker Straße in Neunkirchen. „Weniger Kundschaft“ kommt in den Laden. Aus Angst bleiben die Leute zu Hause und versorgen sich lieber bei den großen Discountern.

Man muss differenzieren, meint Armin Rullof. Er führt das gleichnamige Merchweiler Familienunternehmen in vierter Generation. Ihre sechs Filialen beliefert die Bäckerei nach wie vor. Was wegfällt, sind die Lieferungen in Krankenhäuser, Kantinen, Schulen. Deshalb hat Rullof einen Teil der 44-köpfigen Belegschaft in Urlaub geschickt. Die krisenbedingten Einbußen belaufen sich auf etwa 20 Prozent, schätzt der Bäckermeister. „Eine Zeitlang halten wir das aus“, währt die Situation länger, müsse man auch „über Kündigungen nachdenken“.

Eng wird es so langsam auch für die Bäckerei Roland Schaefer mit Verwaltungssitz in Illingen. 40 Prozent des Geschäfts entfallen auf Lieferungen in Hotels, Restaurants, Altenheime, „auch Schulkantinen spielen ein große Rolle“, informiert Susanne Sticher von der kaufmännischen Geschäftsführung. In den Bäckereien wurden die Öffnungszeiten eingedampft, mancherorts wird nur noch stundenweise geöffnet. Komplett aus fällt der Kaffeeausschank, über den heute fast jede Bäckereifiliale verfügt. „Wir haben nur noch Thekenverkauf.“ Seit dem 16. März verzeichnet das Traditionsunternehmen einen 30-prozentigen Verlust. „Im März konnten wir das aus den mühsam angesparten Rücklagen auffangen“, im April musste Kurzarbeit angemeldet werden für einen Teil der gut 130 Mitarbeiter. Generell wird versucht, die Kosten zu reduzieren – über Stundung, etwa von Steuerzahlungen oder Berufsgenossenschafts-Beiträgen. „Einige Vermieter sind uns entgegengekommen, indem sie die Miete reduziert haben“ oder Forderungen temporär aussetzen, so Susanne Sticher. Da es sich bei vielen der staatlichen Hilfen lediglich um Kredite zum Erhalt der Liquidität handelt, werde man letztlich auf den Umsatzverlusten sitzen bleiben. Dazu kommt: „Bis jetzt ist noch kein einziger unserer Anträge genehmigt worden.“ Dass sich die Lage in Kürze wieder entspannt, sei unwahrscheinlich. „Wir werden nicht so schnell auf das Niveau von früher kommen.“ Klar sei aber auch: „Andere Branchen trifft es noch viel, viel härter.“ Persönlich vermisst Sticher die Kontakte im Betrieb: „Wir haben jetzt drei Teams, die sich gar nicht mehr treffen. Die Mitarbeiter leiden darunter.“ Manche haben sich seit einem Monat „nicht mehr zu Gesicht bekommen. Das ist kein schönes Miteinander-Arbeiten mehr.“

„Gott sei Dank dürfen wir noch arbeiten“, versucht Silke Borsdorff das Gute in der jetzigen Situation zu sehen. Klar könnte es besser sein, aber „Jammern bringt nichts“. Auch ihre Bäckerei in Wellesweiler ist ein Familienunternehmen, Mann und Sohn stehen jede Nacht in der Backstube. Wenn es schief geht, stehen alle drei ohne Verdienstmöglichkeiten da. Insgesamt arbeiten zwölf Leute im Betrieb. Ausfälle gibt es sowohl im Laden – da fehlen die Arbeiter, die sich morgens auf dem Weg zur Schicht mit Pausenbroten und Süßteilchen eindecken – als auch bei den drei Borsdorff-Verkaufswagen. Komplett weggebrochen ist der Absatz in Schulen, Kindergärten, Kantinen. Dank der in Neunkirchen und Bexbach tourenden Lieferwagen könne man aber ein bisschen was auffangen. Kurzarbeit sei noch kein Thema, zum Glück. Wie groß der Verlust am Ende ist, wird sich allerdings erst noch zeigen. Doch Silke Borsdorff bleibt zuversichtlich: „Wir schaffen das – zusammen mit unserem Team.“

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort