SZ-Serie "Ich packe meinen Koffer" bei der Feuerwehr Furpach

SZ-Serie „Ich packe meinen Koffer“ : Ein Feuerwehrmann packt aus

Urlaubszeit, Reisezeit. Sie kennen das Spiel „Ich packe meinen Koffer und nehme mit“? Die SZ hat sich spannende Koffer öffnen und ihren Einsatz erklären lassen. Teil 9: Im Fuhrpark des Löschbezirks Furpach.

Das große Tanklöschfahrzeug des Löschbezirks Furpach ist so was wie ein einziger großer Koffer. Mit vielen Köfferchen, Säcken, Kisten und Taschen in seinem Bauch. Christopher Benkert, Feuerwehrmann aus Furpach und Pressemann der Freiwilligen Feuerwehr Neunkirchen, fährt für den SZ-Besuch den TLF 1625 aus der Garage im Gerätehaus Volkerstal. Es braucht ordentlich Platz, die Fracht zu präsentieren. „Sie konnten an der Ladung sehen, wie sich das Spektrum unserer Einsätze verändert hat“, wird Benkert am Ende sagen. „Früher war Löschen die Hauptarbeit der Feuerwehr. Heute ist es die Technische Hilfeleistung.“

Technische Hilfe umfasst all jene Einsätze, die sich nicht oder nicht nur auf das Verwenden von Löschmitteln beschränken und bei denen Aggregate, Maschinen oder technisches Wissen bereitgestellt werden. Man denke an Explosionen, Überschwemmungen oder Unfälle. Und Technische Hilfe nimmt auch den allergrößten Raum im TLF ein.

Da lagert etwa die silberfarbene Metallkiste „Verkehrsunfall“. „Alles drin, was wir bei einem Verkehrsunfall für die ersten Minuten brauchen können“, sagt Benkert. Selbst gepackt, nicht fertig gekauft: „Das ist typisch für uns von der Feuerwehr. Wir machen uns alles passend.“ Neben Decken, Einmalhandschuhen und Schutzbrillen, Brecheisen und Montierhebeln, lassen sich auch Klebeband, Holzkeil, Sprühkleber, Glassäge, Markierungsspray, Werkzeugtasche oder auch ein kleiner gelber Ball entdecken.

Kleiner gelber Ball? Der Laie staunt fragend, der Experte antwortet. So einen Knautschball aus Schaumstoff klemmten die Retter bei einem Unfall-Auto hinter den Türgriff, um das Türschloss offen zu halten: „Muss die Tür mit hydraulischem Rettungsgerät nämlich entfernt werden, wird durch die Bälle ein Haltepunkt der Tür ausgeschaltet, den man andernfalls mit Gewalt mit Schere und Spreizer aufbrechen müsste.“

„Eigentlich mach ich das Auto kaputt“, sagt Benkert mit einem Grinsen. Wenn er um eingeklemmte Personen aus einem Unglückswagen zu schneiden, selbiges auseinandernimmt. „Strip before you rip“ lautet da ein geflügeltes Wort. Benkert übersetzt frei: „Innenverkleidung entfernen, bevor man durch unbewusste Schnitte in die Gaskartusche von Airbags schlimmen Schaden davonträgt.“ Ähnliches meint der Satz „Gary Klaus sagt: Plastik raus!“. Klaus ist Amerikaner und Ausbilder für Technische Hilfeleistung. Er schult auch in Deutschland US-amerikanische Taktiken für ein Unfall-Szenario. Ja, Benkert ist davon fasziniert.

Im „Verkehrunfallkoffer“ jedenfalls herrscht wie im ganzen roten Großfahrzeug penible Ordnung. Alles hat seinen festen Platz. Inhaltslisten sorgen für Übersicht. Alles ist immer gepackt, alles fährt immer mit. Lediglich das Rußbrand-Gepäck wird im Bedarfsfall eingeladen.

Zurück zu den „Innereien“ des TLF. Benkert packt weiter aus. Eine gelbe Tasche mit einem Abstützsystem, um Unfallautos stabil zu halten. Eine rote Tasche mit Schutzabdeckungen, damit sich niemand an spitzen Teilen verletzt. Eine orangene Tasche mit der Schutzplane (für das benötigte Equipement am Unfallort).

Im Wagen verbleibt aus Gewichtsgründen ein im schwarzen Sack verpackter „Lebensretter“ (70 Kilogramm). Die sich selbst aufblasende Matte von fünf mal fünf Metern kann Menschen aus einer Sprunghöhe von 16 Metern sichern. Zumindet ihr Leben. Vielleicht nicht alle Knochen.

Wechseln wir die Fahrzeug-Seite. Da sind einsortiert Pressluftatmer (Atemschutzgerät), Höhensicherungssatz (für Arbeiten in absturzgefährdeten Bereichen), Notfallrucksack oder auch „mobiler Rauchverschluss“. Dieser feuersichere Vorhang kommt immer häufiger zum Einsatz, sagt Benkert: Mit ihm lassen sich Bereiche rauchfrei halten: „In einem Mehrfamilienhaus brennt es. Das Treppenhaus ist noch rauchfrei. Dann können wir das Feuer in einer Wohnung hinter dem Vorhang halten. Das Treppenhaus bleibt rauchfrei. Wir sehen mehr und Personen können leichter durchs rauchfreie Treppenhaus gerettet werden.“ Ebenfalls in den Fächern des Fahrzeugs warten Winden und Züge, um beispielsweise umgestürzte Baume zu bewegen.

Noch ein Blick auf die Statistik: Im Jahr 2018 wurde die Freiwillige Feuerwehr Neunkirchen zu zehn Verkehrsunfällen mit eingeklemmten Personen und zu sieben Rußbränden in Kaminen alarmiert, listet Benkert auf: „Insgesamt musste die Freiwillige Feuerwehr Neunkirchen 2018 zu 546 Einsätzen ausrücken. Dies schlüsselt sich auf in 157 Brände, wozu auch die Kaminbrände zählen, in 246 Technische Hilfeleistungen, darunter fallen die Verkehrsunfälle, und leider auch in 133 Fehlalarme.“

Alle Teile unserer Serie finden Sie unter: www.saarbruecker-zeitung.de/koffer-im-einsatz

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