Der Künstler kommt selbst: Stolpersteine, dritter Akt

Der Künstler kommt selbst : Stolpersteine, dritter Akt

Nach 2012 und 2015 kommt der Kölner Künstler Gunter Demnig am Freitag, 11. Mai, zum dritten Mal nach Neunkirchen, um seine „Stolpersteine“ zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus zu verlegen.

 Uli Heckmann und Rainer Dörrenbächer gehören zu der kleinen Neunkircher Arbeitsgruppe (AG) „Stolpersteine“. Eine Handvoll Unermüdlicher kümmert sich um die Recherche zu den Biografien von Menschen, denen in der Zeit des Nationalsozialismus in Neunkirchen Leid und Unrecht widerfahren ist. Ausdrücklich geht es bei dem Stolperstein-Projekt von Gunter Demnig nicht nur um die jüdische Bevölkerung, sondern um alle Verfolgten und Getöteten.

Seit 1993 beschäftigt sich der Kölner Künstler Gunter Demnig mit den Stolpersteinen. Tausende hat er - nicht nur in Deutschland -   mittlerweile verlegt und so die Erinnerung an Getötete, Verschollene, Deportierte und auch an die wenigen Überlebenden der Gräuel wachgehalten. Vor Ort ist Demnig auf die Hilfe geschichtsbewusster Bürger angewiesen, die herausfinden, was mit den ehemaligen Bürgern ihrer Stadt geschehen ist. „19 Steine werden von Gunter Demnig an acht Stellen in der Stadt verlegt“, berichtet Uli Heckmann beim Gespräch mit der SZ. Gemeinsam mit Rainer Dörrenbächer hält sie die organisatorischen Fäden der Aktion in der Hand. Von Demnig  und seinem Kölner Büro werden sehr detaillierte Anforderungen an seine örtlichen „Hilfskräfte“ gestellt. So ist in diesem Jahr Dörrenbächer der Ansprechpartner für Demnig, der auch bei der dritten Verlegung selbst in Neunkirchen Hand anlegen wird.

Zur Erinnerung: Demnigs Pflastersteine mit den Daten der Menschen, an die  auf einer Messingtafel erinnert wird, werden vor den Häusern, in denen sie lebten, im Bürgersteig versenkt. So wird auf dem Stein für Eduard Senz, den Neunkircher „Sense Eduard“ stehen: Hier wohnte Eduard F.K. Senz, Jg. 1877, Eingeweisen 1923 Heilanstalt Merzig, 1939 Heilanstalt Herborn, „verlegt“ am 28.2. 1941 Hadamar, ermordet 28.2. 1941,  „Aktion T 4“.

Die AG ist sehr froh, dass sie  von der Stadt Neunkirchen (beispielsweise Einladungen)  und auch vom Bauhof unterstützt wird, denn mittlerweile sei die Truppe doch etwas in die Jahre gekommen, wie Uli Heckmann einräumt. Eine Verjüngung sei notwendig, auch um die neuen Medien bei der aufwändigen Recherchearbeit besser einzubinden. Denn mit der dritten „Runde“ ist die Stolperstein-Aktion in Neunkirchen noch lange nicht abgeschlossen. Listenweise warten noch Schicksale auf ihre Beleuchtung. Die AG hat auch schon konkrete Pläne, um jüngere Menschen zu erreichen. „Wir denken an eine Zusammenarbeit mit der Neunkircher VHS“, sagt Heckmann. Das würde viele neue Möglichkeiten eröffnen. Zurzeit ist man froh, Jugendliche über die Beteiligung einer Klasse des Gymnasiums am Steinwald einbinden zu können. 2015 war das Neunkircher Berufsbildungszentrum dabei. Praktischerweise mit einer Pflasterer-Klasse, die dann mit Demnigs Genehmigung bei der Verlegung der Stolpersteine helfen durfte.

Weil den Akteuren der Stolperstein-Verlegung natürlich an einer möglichst großen Beteiligung der Öffentlichkeit gelegen ist, stellt die Stadt Neunkirchen diesmal einen Bus zur Verfügung, mit dem alle Interessierten die Verlege-Stationen begleiten können.

Der Bus startet am Freitag, 11. Mai, 8.30 Uhr am Eingang zur Tiefgarage des Rathauses am Oberen Markt. Dann geht es zur ersten Verlegung um 9 Uhr in der Kuchenbergstraße 81 in Wiebelskirchen (Familie Lützenburger). Die weiteren Stationen: 9.30 Uhr Bahnhofstraße 45 (Fritz „Fred“ Herold); 9.50 Uhr Bahnhofstraße 25 (Familie Stein); 10.30 Uhr Johannesstraße 16 (Eduard Senz, genannt Sense Eduard); 10.45 Uhr Irrgartenstraße 13 (Familie Keller). Um 11 Uhr findet dort in der Irrgartenstraße 13 dann die Gedenkfeier statt, zu der neben dem Neunkircher Bürgermeister Jörg Aumann unter anderem auch Vertreter der Kirchen, des Verbandes der Verfolgten und anderer Gruppen erwartet werden.

Weiter geht es um 11.45 Uhr in der Wellesweiler Eifelstraße 16 (Albert Spiegel), es folgt um 12 Uhr die Verlegestelle Limbacher Straße/Klinikweg in Kohlhof (Heinrich Krüger), ehe die Tour dann gegen 12.45 Uhr wieder am Rathaus der Kreisstadt enden wird.

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