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GaK öffnet seine Türen
Stillstand ist an dieser Schule ein absolutes Fremdwort

Die Schüler hatten jede Menge Spaß am Ausprobieren – hier wiesen die Fünftklässler Stärke, Fett, Eiweiß und Traubenzucker in Lebensmitteln nach.
Die Schüler hatten jede Menge Spaß am Ausprobieren – hier wiesen die Fünftklässler Stärke, Fett, Eiweiß und Traubenzucker in Lebensmitteln nach. FOTO: Jörg Jacobi
Neunkirchen. Der Tag der offenen Tür am Neunkircher Gymnasium am Krebsberg überzeugte Kinder und Eltern von der Schule und ihrem Engagement. Von Anja Kernig

Vier schwarz gekleidete Mädchen mit Tüll-Tutus proben im Flur Pirouetten. In der Aula ist es dunkel, eine Handvoll Schüler intoniert auf der Bühne klagend „Gemeinsam waren wir stark.“ Es hakt noch am Text und nicht nur da. Selbst die Spots sind nur selten dort, wo sie sein sollten. Aber Regisseurin Nicole Azini bewahrt die Contenance und dirigiert resolut das Geschehen.



Unglaublich, aber wahr: Es herrscht wieder Musical-Fieber am Gymnasium am Krebsberg. Davon konnten sich die Besucher am Tag der offenen Tür mit eigenen Augen und Ohren überzeugen. Klappt alles mit der „zeitnahen“ Freigabe der seit 2014 aus baurechtlichen Gründen nutzungsbeschränkten Aula, wie es Landrat Sören Meng kürzlich versprach, feiert „Das Königsspiel“ im Mai mit 30 Darstellern plus Orchester Premiere. 750 junge Menschen bestreiten im GaK  aktuell den achtjährigen Weg zum Abitur. Wer mag, kann die Reifeprüfung demnächst sogar in Informatik ablegen. „Es deutet alles darauf hin“, verriet Schulleiterin Sigrid Maschlanka. „Wir haben das Potenzial dazu.“ Als einzige saarländische Schule bietet das GaK seit 2000 durchgängig Informatik Leistungs- bzw. Neigungsfächer an.

Bereits realisiert ist die neue Midi-Mint AG für die Sechstklässler – als Übergang von der beliebten Mini-Mint AG in Klasse 5. Neben Englisch als erste Fremdsprache („Englisch wird heute bei Bewerbungen als selbstverständlich vorausgesetzt“), der Kooperation mit der SV Elversberg als DFB-Eliteschule des Fußballs oder dem „Alleinstellungsmerkmal Musikzweig“ ist der MINT-Schwerpunkt für viele Viertklässler und ihre Eltern ausschlaggebend für die Schulwahl. So auch für Daniel, der die Bachschule besucht und dessen bester Freund auch hierher wechseln will. Gefallen hat dem Zehnjährigen beim Rundgang vor allem das CSI-Labor und die Robotikwerkstatt. „Er ist vom Bauen ganz begeistert, das ist sein Ding“, freute sich Mama Ljuba Gelwig. Andere weiterführende Schulen müsse und wolle man sich gar nicht mehr ansehen: „Alles ist super, mir gefällt eigentlich alles.“ Angenehm auf fiel der Familie die Auskunftsfreudigkeit und Hilfsbereitschaft der Schüler und Lehrer. „Das hier ist unser Gymnasium“, strahlt Ljuba Gelwig, die vor 13 Jahren aus Russland nach Deutschland gekommen ist und in einer Großküche arbeitet.

Schüler, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, profitieren ganz besonders vom Schulentwicklungsprogramm ProfIL. „Dieses zielt auf einen individualisierenden und schüleraktivierenden Unterricht ab“, erklärte Sigrid Maschlanka. Per Eingangstest wird die Lesekompetenz geprüft, um dann angemessen fördern zu können, sowohl die Leistungsschwächeren als auch die Leistungsstärkeren – mit drei Lehrern pro Klasse.

Zudem will man sich künftig noch stärker mit Digitalisierung beschäftigen. „Wir haben ein entsprechendes Medienkonzept eingereicht.“ Wird es genehmigt, soll ein mobiler Wagen mit Tablets angeschafft werden, die im Bedarfsfall klassenübergreifend zum Einsatz kommen. Wert legt man am GaK nicht zuletzt auf den Blick über den Tellerrand hinaus, etwa im Rahmen des EU-Bildungsprogramms Erasmus+. Als eine von bundesweit 63 bilateralen Schulpartnerschaften pflegen die Neunkircher einen regen Austausch mit dem IES Monterroso aus Estepona (Andalusien). Nur eines wird man am Krebsberg wohl nicht erleben: Stillstand. Als nächstes visiert die Direktorin bereits eine Kooperation mit dem CardioDay Neunkirchen-Team an – sowohl, um Schüler als Ersthelfer zu aktivieren, als auch als für fachlichen Input, wenn in Klasse 6 das Herz im Lehrplan steht.