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Steinkauz-Zentrum im Neunkircher Zoo
Hoffen auf Nachwuchs bei Athene noctua

 So sieht er aus, der Steinkauz, hier mit Mäuschen
So sieht er aus, der Steinkauz, hier mit Mäuschen FOTO: Jörg Jacobi
Neunkirchen. Das Steinkauz-Zentrum in der Zoofalknerei ist eröffnet, eine Wiederansiedlung im Lik-Nord-Gebiet geplant.

Einsperren und zur Schau stellen, das ist im Groben, was Tierschützer den Zoos gern vorwerfen. Dabei haben Zoologische Gärten heute längst einen wissenschaftlichen Auftrag und tragen in nicht unerheblicher Weise dazu bei, Arten zu erhalten. „Das hier ist wieder ein Beweis“, betonte der Neunkircher Bürgermeister Jörg Aumann bei der Einweihung des Steinkauz-Zentrums in der Ökopädagogischen Falknerei des Neunkircher Tiergartens. „Zoos kümmern sich auch um die heimische Tierwelt“, für den Aufsichtsratsvorsitzenden der Neunkircher Zoologischer Garten GmbH ein „echter Mehrwert“.


Trotz miesen Wetters war Aumann gut drauf, konnte aber unmöglich die gute Laune von Zoodirektor Norbert Fritsch toppen. Der strahlte, obwohl ihm der Regen bei der Begrüßung in Bächen übers Gesicht rann. Er habe sich sehr auf diesen Tag gefreut, gestand Fritsch, nicht zuletzt, weil man zünftig mit „Gulaschsupp“ feiern wollte – anschließend im trockenen Zelt. Vor allem aber war die Freude der Tatsache geschuldet, dass alle Beteiligten, den suboptimalen Bedingungen trotzend, nach Neunkirchen gekommen waren. Denn das Steinkauz-Wiederansiedlungsprojekt „hat viele Mütter und Väter“, so Fritsch. Zu nennen sind hier der Landesbetrieb für Straßenbau (LfS), der Zweckverband der Landschaft der Industriekultur Nord (LIK Nord), die Naturlandstiftung Saar, das Büro für Freilandforschungen Christoph Bernd sowie der Sponsor der Zuchtvolieren, BahnLog Bahnlogistik und Service GmbH. Auch ehrenamtliches Engagement steckt hier drin: So wurden die Brutröhren und die Schauvitrine von der Ortsgruppe des Naturschutzbundes Ensheim-Eschringen angefertigt und gespendet.

 Bei dem stürmischen und regnerischen Wetter zogen es die Steinkäuze vor, sich in ihre Nist- und Bruthöhlen zurückzuziehen, als am Donnerstag das Steinkauz-Zentrum in der Falknerei des Neunkircher Zoos offiziell eingeweiht wurde. Staatssekretär Roland Krämer machte für Zoodirektor Norbert Fritsch den Schirmherrn.
Bei dem stürmischen und regnerischen Wetter zogen es die Steinkäuze vor, sich in ihre Nist- und Bruthöhlen zurückzuziehen, als am Donnerstag das Steinkauz-Zentrum in der Falknerei des Neunkircher Zoos offiziell eingeweiht wurde. Staatssekretär Roland Krämer machte für Zoodirektor Norbert Fritsch den Schirmherrn. FOTO: Jörg Jacobi


Alle Beteiligten eint der Wunsch, Athene noctua, so der lateinische Name der kleinen Eulenart, zu helfen. Derzeit ist sie saarlandweit in ihrem Bestand bedroht und vielerorts sogar ganz verschwunden. Die noch erhalten gebliebenen Vorkommen – „eine kleine Population im Bliesgau“, von der man nicht erwarten könne, dass sie ausreicht, um den Steinkauz wieder landauf, landab zu etablieren, so Fritsch – sind meist rückläufig und natürliche Ausbreitungstendenzen kaum zu verzeichnen. Reine Biotopschutz-Maßnahmen reichen in diesem Fall nicht mehr aus, um die Art dauerhaft zu erhalten. Dieser Aufgabe widmet sich das Wiederansiedlungsprojekt auf Flächen des LIK Nord im Herzen des Saarlandes.

Im Idealfall entwickelt sich eine Eigendynamik, die den Erhalt der Art dauerhaft sichert. Die beiden Zuchtpaare stammen aus Mitteleuropa. Jedes Pärchen bewohnt eine der zwei neuen Rundvolieren, die mit 25 Quadratmetern deutlich über den gesetzlich vorgeschriebenen sechs Quadratmetern liegen, wie Falkner Theo Omlor informierte. Zusammenstecken könne man die possierlichen Federknäule allerdings nicht: „Das gäbe Mord und Totschlag“, merkte Omlor grinsend an, „wie im richtigen Leben.“ Alle Jungvögel werden von ihren Eltern „erbrütet“ und aufgezogen, um eine Fehlprägung oder die Gewöhnung an den Menschen auszuschließen. 2018 erfolgten bereits die ersten erfolgreichen Auswilderungen von Steinkäuzen im Zielgebiet. Damit diese Tiere und die, die ihnen folgen, eine Chance haben, muss die Kulturlandschaft erhalten werden, so Staatssekretär Roland Krämer: „Es ist nicht damit getan, die Natur sich selbst zu überlassen.“ Dann nämlich „verbuschen“ die Weideflächen und es entwickelt sich Wald, in dem Arten wie der Steinkauz nicht überleben können. Benötigt er doch freie Flächen mit kurzer Grasnarbe und alte Bäume mit Nesthöhlen, etwa Kopfweiden – aber keine Äcker. „Mit intensiver Landwirtschaft ist dem Steinkauz nicht gedient“, weiß Krämer, „mit dem Verzicht auf menschliche Einflussnahme allerdings auch nicht.“ Weshalb der Fokus auf den Erhalt von Streuobstwiesen und Weiden gerichtet sei.