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Städtische Galerie zeigt Jan de Vliegher

Ausstellung : Ein jeder schaut durch seinen Rahmen

Die Städtische Galerie Neunkirchen zeigt erstmalig in Deutschland Gemälde des belgischen Künstlers Jan de Vliegher. Zu sehen bis zum 23. Februar.

Der Titel der Ausstellung „What you see is what you see“ des belgischen Malers Jan de Vliegher ist angelehnt an eine Aussage von Frank Stella zur abstrakten Malerei, die auch als Credo für die gegenständliche Kunst von Jan de Vliegher gilt.

Erstmalig in Deutschland zeigt die Städtische Galerie Neunkirchen in großem Umfang Gemälde des belgischen Künstlers, für den es in seinen Werken um die Malerei an sich geht. Er ist auf der Suche nach dem perfekten Moment, in dem die Figuration endet und die Abstraktion beginnt. Seine Bilder sind eine Lust und eine Herausforderung für das Auge. Beim Betrachten der Werke erlebt man die Grenze, an der die gemalte Wirklichkeit zu purer Farbe auf der Leinwand wird. Die Leidenschaft de Vlieghers für die Malerei, für Farbe und deren Komposition, für das Spiel von Licht und Schatten sowie von Hell und Dunkel ist beim Betrachten seiner leuchtenden Arbeiten deutlich spürbar. „Ich kann alles malen und muss mich selbst davon abhalten“, sagt der Künstler über sich selbst.

In Neunkirchen sind rund 50 Gemälde aus den wichtigsten Werkgruppen des Malers der letzten Jahre zu sehen. Darunter seine neuesten Garten- und Strandbilder sowie seine Arbeiten aus der Reihe „Schatzkammer“, bei denen er kostbare barocke Tafelservice mit virtuoser Geste auf großformatigen Leinwänden entstehen lässt.

Jan de Vliegher wurde 1964 im belgischen Brügge geboren. Er studierte an der Hochschule für Bildende Künste Sint-Lucas in Gent. Heute lebt und arbeitet er in Brügge. Der Künstler bezeichnet sich selbst als Formalist, dem die Komposition auf der Leinwand wichtiger ist, als das Motiv. Es geht ihm um die Malerei an sich, um die Kunst für die Kunst. Schwerpunkt seiner Malerei sei, die künstlerische Form und die ästhetische Gestaltung und nicht die perfekte Abbildung der Wirklichkeit.

Die Maltechnik des Belgiers ist besonders und stark beeinflusst vom Impressionismus und dem Abstrakten Expressionismus. „Ideen für meine Motive finde ich überall. Hat sich eine Idee konkretisiert, mache ich ein Foto vom Objekt oder der Landschaft“, so der Künstler bei einem Rundgang vor der eigentlichen Ausstellungseröffnung am Freitagabend über seine Art zu arbeiten. „Die Aufnahmen bearbeite ich solange am Computer bis mir die Komposition gefällt. Dabei kopiere ich auch Elemente aus verschiedenen Bildern in die Vorlage, die meiner idealen Vorstellung am nächsten kommt“, so de Vliegher weiter.

Das ausgedruckte Foto dient dem Maler dann als Vorlage. Dieses Vorgehen vergleicht er mit den Skizzen, die die Alten Meister vor dem eigentlichen Akt des Malens angefertigt haben. Anschließend mischt er seine Farben. Ein Vorgang, der mitunter mehrere Stunden dauern kann und mit vielen Farbtöpfen endet.

„Dieses Vorgehen dient mir innerlichen Vorbereitung, denn meist befinde ich mich danach bereits im Bild und muss die Farbe nur noch auf die Leinwand bringen und mit Energie aufladen“, beschreibt de Vliegher seine ganz eigenen Workflow. De Vliegher geht es bei seiner Malerei nicht darum, ein getreues Abbild der Wirklichkeit zu zeigen, sondern einen Ausschnitt seiner Wirklichkeit, denn nur diese kann er selbst erfahren. So gibt es Detailansichten von in Glasvitrinen ausgestelltem Porzellan, Gläsern oder antiken Tellern, Büsten und Skulpturen, Gebäudefassaden, Innenansichten alter Schlösser und klassische Blumenstillleben. Daneben finden sich Gartenansichten, die an Monets Seerosen erinnern, blühende Äste, Küstenansichten und viele mehr. Es sind immer Ausschnitte einer, den Betrachter umgebenen und wahrnehmbaren Welt oder Detailansichten von Gegenständen, denen De Vliegher Leben einverleibt und für den Betrachter wahrnehmbar macht.

Er möchte mit seiner Malerei zeigen, dass die Realität, in der wir leben, einem ständigen Wandel unterworfen ist und nicht konstant existiert, sondern etwas rein Subjektives ist: „Jeder hat seinen eigenen Rahmen, durch den er schaut, getreu dem Motto der Ausstellung What you see is what you see. Für mich ist dieser Rahmen die Idee von absoluter Schönheit“, erzählte er den Besuchern, und diese Schönheit, so der Maler, findet er überall.

Zu sehen bis 23. Februar mittwochs bis freitags 10 bis 18 Uhr, samstags 10 bis 17 Uhr, sonntags 14 bis 18 Uhr.