Stadtplaner Luca Kist im Gespräch über die Neunkircher Bliesterrassen

Kostenpflichtiger Inhalt: Bliesterrasse Neunkirchen : Lebendiger Stadtfleck mit viel Potenzial

Vor mehr als drei Monaten wurden die Bliesterrassen fertiggestellt. Nun ist es an der Stadt, diese zu bespielen, damit daraus eine beliebte Adresse wird, meint der verantwortliche Architekt Luca Kist.

Vor 127 Tagen, am 5. Juli, strahlten sie um die Wette mit der Sonne, die Neunkircher Stadtoberen. Allen voran der damalige Oberbürgermeister Jürgen Fried. Der Anlass: Das Südufer der Bliesterrassen wurde offiziell eröffnet, das Werk war vollbracht. In einem unschönen Winkel der Neunkircher Innenstand ist etwas entstanden, das die City aufwertet und über reichlich Potenzial verfügt, um dieser einen schicken Stempel aufzudrücken. Auch Luca Kist war an dem Tag bester Laune, und noch immer kommt der Neunkircher Landschaftsarchitekt und Stadtplaner ins Schwärmen, wenn er über sein „Herzensprojekt“ redet.

Das Projekt sei anfangs nicht nur auf Gegenliebe gestoßen, sagt Kist, die Liste der Kritiker und Bedenkenträger war lang. „Zu teuer, und wenn es fertig ist, wird dort eh nur Vandalismus betrieben – das bekamen wir häufig zu hören“, erzählt Kist beim Besuch in seinem Büro am Saarbrücker Eurobahnhof. Die Kosten belaufen sich für beide Uferseiten auf rund sechs Millionen Euro – und liegen damit im Soll –, wobei 90 Prozent von Land und Bund übernommen wurden. Und wie steht’s um den Vandalismus? Nach Fertigstellung der Promenadenseite sei es sofort zu Schmierereien gekommen, aber seit Beginn des zweiten Bauabschnitts hätten solche Vorfälle stark abgenommen, meint Kist. „Die soziale Kontrolle hat sich verbessert, auch, weil der Ort jetzt heller und in den Abendstunden beleuchtet ist.“

Dass das Mammutprojekt trotz aller Kritiker nicht nur im Kosten-, sondern auch im Zeitplan umgesetzt werden konnte, liegt auch daran, dass Kist und sein Architekturbüro HDK Dutt & Kist von Beginn an auf Transparenz gesetzt haben. „Uns war es wichtig, alle mit an Bord zu holen. Vom Innenministerium und Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz über die Untere Bauaufsicht bis zur Bevölkerung“, betont Kist, für den die Bliesterrassen einen Auftakt darstellen, was die Entwicklung der „City Nord“ betrifft. 20 Jahre sei dort nichts passiert, nun müsse dieser Prozess konsequent weitergeführt, an der Erweiterung des Stadtkerns mit Lübbener Platz, Stummplatz und Bliesterrassen festgehalten werden. Die Stadt dürfe sich nicht nur auf ein kommerzielles Shopping-Erlebnis reduzieren.

Weitergeführt werden muss auch die Idee, die hinter den Bliesterrassen als Veranstaltungsort steckt. „Ein gastronomisches Konzept wäre jetzt wünschenswert“, meint Kist und betont: „In dem Moment, in dem der Raum bespielt wird, wird der Ort zu einer Adresse.“ An Ideen mangelt es ihm nicht: Flohmärkte, ein Terrassenfest, ein Street-Food-Festival – vieles sei denkbar und machbar. „Wir können nur den Rahmen bieten. Wie das Bild nun gefüllt wird, liegt an der Kreativität der Stadt.“ Das sei nicht einfach, fügt er hinzu, aber es gebe andere, auch kleinere Städte, denen dies gelungen sei. Die Entwicklungspotenziale der Bliesterrassen seien noch nicht vollständig ausgenutzt. Es brauche fünf bis sechs Jahre, bis man diesen ihr Reifezeugnis ausstellen könne, bis dort mit Gastronomie und Veranstaltungen ein Raum geschaffen sei, der bei den Menschen ankommt.

Was Kist zudem auf dem Zettel hat, und was auch von Beginn an Teil des Konzeptes war: Ins Südufer, die Seite zur Allee hin, mehr Dynamik zu bringen. Kletter- und Spielgeräte für Kinder, wie etwa ein ebenerdiges Trampolin, sollen dort im wahrsten Sinne für Bewegung sorgen. Wie gesagt: Die Bliesterrassen müssen bespielt werden. Das betont Kist immer wieder und holt aus seinen Regalen zwei Magazine hervor, die veranschaulichen, dass die Bliesterrassen nicht etwa ein ambitioniertes Provinzprojekt darstellen, sondern national, sogar international Beachtung finden. Auf zwei Seiten etwa berichtete die Fachzeitschrift „Stadt und Raum“ im Februar 2018 über die Bliesterrassen. „Paesaggi urbani vivibili“ (Lebendige Stadtlandschaften), betitelte die italienische Zeitschrift „paesaggio urbano“ ihren Artikel, der sich 2014 über ganze sechs Seiten erstreckte.

Luca Kist, Landschaftsarchitekt und Stadtplaner. Foto: Thomas Seeber

Es wird noch eine Weile dauern, bis sich diese Lebendigkeit an den Terrassen etabliert hat. Der Weg dahin wird jedoch weniger schwierig, wenn die Verantwortlichen zweierlei einfließen lassen: „Leidenschaft und Herzblut. Ohne das geht es nicht“, meint Kist.

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