Stadt Neunkirchen verleiht Kulturförderpreis an Tobias Neubert

Kulturförderpreis Neunkirchen : Die Querflöte hat ein Feuer entfacht

Der Kulturförderpreis geht an Tobias Neubert, ein „bemerkenswertes Talent mit außergewöhnlichem persönlichen Engagement“.

Unglaublich. Dieser junge Mann, der da so virtuos wie sensibel Bach, Poulenc und Kuhlau interpretiert, der mit fliegenden Fingern und spitzen Lippen sein Instrument zum „Singen“ bringt, hat sich lange genau dafür geschämt: fürs Flöte spielen. Denn das scheint manchen Zeitgenossen ähnlich suspekt zu sein wie die Kombination Männer und Ballett.

Umso schöner – und gerechter – dass der Kulturverein in Neunkirchen die Leistung und das Engagement Tobias Neuberts mit dem Kulturförderpreis 2019 würdigt. Den zu vergeben, gehört laut dem scheidenden Vorsitzenden Peter Bierbrauer zu den „schönsten Aufgaben im Vorstand“, spielt es sich doch jenseits sonstiger Fördergeld-Vergabe-Routinen ab. „Hier geht es um die Zukunft. Wir fragen uns, ob in der Neunkircher Kulturszene Talente oder Projekte aufgefallen sind, von denen wir hoffen, dass sie die Kulturentwicklung der Stadt dauerhaft bereichern.“ Der mit 1500 Euro dotierte Preis verstehe sich als „zusätzliche Motivation und Starthilfe“.

Für Tobias Neubert ist es nicht die erste Auszeichnung (wir berichteten), gleichwohl war er sichtlich aufgeregt bei dem Termin in der Gebläsehalle Neunkirchen, der er zusammen mit dem ebenfalls exzellent spielenden Bastien Salesse am Flügel für 20 Minuten Konzertatmosphäre bescherte. Die Liebe zur Musik liegt bei den Neuberts in der Familie: „Meine Oma spielt Klavier, meine Papa Saxophon“, verriet der 19-Jährige. Er selbst versuchte sein Glück zunächst mit der Blockflöte und dem Keyboard, habe die Experimente aber jeweils „relativ schnell abgebrochen“. Erst die Querflöte „hat das Feuer in mir entfacht“. Ein Feuer, das inzwischen – auch dank der Neunkircher Musikschule und seiner dortigen Dozentin Claudia Studt-Schuh – schon neun Lebensjahre am Brennen ist. Undenkbar für Tobias Neubert, dass es jemals verlöscht: „Musik ist für mich etwas Essentielles im Leben“, betonte das Multi-Talent, das auch Klavier spielt und Gesangsstunden nimmt. „Eine Welt ohne Musik wäre das Traurigste, was es gibt für mich.“

„In Spitzenzeiten“ übt Tobias Neubert bis zu anderthalb Stunden täglich. Dazu kommen 145 Minuten Unterricht pro Woche an der Musikschule – bei so viel Disziplin wundert es dann fast schon nicht mehr, dass er sein Musikabitur am Krebsberggymnasium mit der Höchstpunktzahl bestand. Damit sicherte er sich einen der begehrten Studienplätze an der Musikhochschule Saar. Ab Oktober wird er in Saarbrücken Musik auf Lehramt studieren, im Zweitfach Französisch. Seine erste Berufswahl wäre Profimusiker gewesen, aber da Fuß zu fassen sei „extrem schwer“. Musik zu unterrichten, „damit kann ich gut leben“.

Das Zeug zum Profi hätte Tobias Neubert. Immerhin errang er schon zwei Mal „Bronze“ bei „Jugend musiziert“ auf Bundesebene. Das klingt vielleicht ein bisschen wie Trostpreis, sei aber tatsächlich eine „Riesenleistung“, lobte Thomas Doll, musikpädagogischer Leiter der Musikschule Neunkirchen. Vergleichbar vielleicht mit einem Thomas Hector im Fußball beziehungsweise „wie wenn man in der ersten Mannschaft bei Bayern München spielt“. Solche Leistungen, die sich bekanntlich aus Fleiß wie auch aus Talent speisen, werden immer seltener. Was schlicht und ergreifend an G 8 liegt, glaubt Doll. Es fehlt an freier Zeit zum Üben und für den Musikverein. Dazu kommt das schwindende Image: Früher wurden Kinder, die ein Instrument beherrschen, bewundert – heute im schlechtesten Fall sogar von Klassenkameraden gemobbt, weiß Thomas Doll. Weshalb solch ein Preis wie der heute vergebene doppelt wichtig sei. „Da fühlt man sich noch mal bestätigt und angespornt.“

Peter Bierbrauer wiederum freut sich, den Förderpreis diesmal erstmals an einen jungen Künstler vergeben zu können, „der aus der Musikschule Neunkirchen hervorgegangen ist“. Das zeige, wie richtig die Gründung der Musikschule war, die längst „eine wichtige Basis für die Kulturentwicklung der Kreisstadt Neunkirchen bildet.“ Umso angezeigter wäre es aber auch, „die immer noch sehr bescheidene Ausstattung der Schule schrittweise zu verbessern.“

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