St. Martin ist fast allen heilig

11. November, Martinstag. Für viele ist das mit christlichen Traditionen verbunden. Martinsgans, Martinsfeuer, Martinsumzug. Doch neuerdings machen manche kommunalen Kindergärten nicht mehr mit. Sie haben die Martinsumzüge mit bunten Lampions abgeschafft oder sinnentleert und umbenannt. Wie denken die SZ-Leser darüber? Wir haben nachgefragt.

An der jüngsten - nicht repräsentativen, aber doch aussagekräftigen - Online-Umfrage der Saarbrücker Zeitung haben sich 296 Teilnehmer aus den Kreisen Neunkirchen und Saarpfalz beteiligt. Es ging um christliches Brauchtum . Speziell um den Heiligen Martin, der im 4. Jahrhundert lebte, zunächst Soldat war und später Bischof wurde. Der Überlieferung nach soll er an einem Wintertag hoch zu Pferd am Stadttor von Amiens einem armen, fast unbekleideten Mann begegnet sein. In einer barmherzigen Tat teilte er seinen Mantel mit dem Schwert und gab eine Hälfte dem Armen.

Über viele Jahrzehnte wurden und werden - oft von Kindergärten - Laternenumzüge mit Martinsfeuer, Martinsbrezeln und nicht selten auch mit einem St. Martin hoch zu Ross veranstaltet, um an dieses Ereignis zu erinnern. Seit einiger Zeit gibt es aber auch Kritik an diesem Brauch, jedenfalls, wenn die Kindergärten in kommunaler Trägerschaft sind. Staatliche Einrichtungen müssten glaubensneutral sein und dürften keine christliche Heiligenverehrung betreiben, sagen die Kritiker.

In unserer Umfrage wollten wir wissen: "Sind Sie der Ansicht, dass die lange zurückliegende Tat des Heiligen Martin auch heute noch Bedeutung hat, weil Barmherzigkeit, Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft zeitlose Werte sind?" "Ja" sagen 95 Prozent der Befragten dazu, nur drei Prozent meinen "nein", zwei Prozent enthalten sich.

"Sollten die Martinsumzüge auf Kindergärten in kirchlicher Trägerschaft beschränkt werden?" Eine klare Mehrheit, 85 Prozent, will das nicht (siehe nebenstehende Grafik).

Frage 3 lautete: "Finden Sie es richtig, dass Kindergärten , die von den Städten oder Gemeinden betrieben werden, auf christliches Brauchtum verzichten?" Auch hier ein eindeutiges Resultat. "Nein" antworteten 91 Prozent, "ja" sechs Prozent, "weiß nicht" kreuzten drei Prozent an.

In unserer letzten Frage wollten wir wissen: "Glauben Sie, dass Mitbürger ohne oder mit anderer Religion (zum Beispiel mit muslimischem Glauben) sich brüskiert oder ausgegrenzt fühlen, wenn Martinsumzüge oder Weihnachtsfeiern veranstaltet werden?" Wieder gab es eine klare Mehrheit. "Nein" meinten 262 Umfrage-Teilnehmer (= 89 Prozent). Nur drei Prozent antworteten "ja". Acht Prozent waren unschlüssig und ließen diese Frage offen.

Etliche Umfrage-Teilnehmer ergänzten ihre Klicks auf dem elektronischen Stimmzettel noch mit ein paar Erläuterungen. "Das alles ist altes Brauchtum und gehört zu unserer Gesellschaft; es wäre falsch, alles abzuschaffen", schreibt beispielsweise Ursula Klein aus Homburg. Katja Bleymehl aus Neunkirchen meint: "Da ich in einem weitgehend christlichen Land lebe, möchte ich meine Rituale und Feste kirchlichen Ursprungs ohne schlechtes Gewissen feiern dürfen." Sascha Berwanger aus Gersheim ist strikt gegen Muli-Kulti: "Fremde haben sich der Kultur ihrer Gastgeber anzupassen. Und dies zu 100 Prozent."

Ansgar Hoffmann aus Homburg schreibt: "Ein Verzicht auf Traditionen aus Angst vor den eventuellen Gefühlen Anderer ist eine kulturelle Bankrotterklärung."

"Wir sollten aufhören, unsere christlich geprägte Kultur zu verleugnen. Das ist unabhängig davon, ob man getauft ist oder nicht. Gesellschaft braucht Strukturen!", erklärt Michaela Filz-Pelka aus Neunkirchen. Tanja Stegmann-Michels, die in St. Ingbert lebt, fasst die Meinung vieler in den folgenden Worten zusammen: "Werte, Normen und auch Feiertage sind nun mal in Deutschland christlich geprägt. Und im Grunde empfinden alle die Botschaft St. Martins positiv und wertvoll. Wieso sollte St. Martin verleugnet werden?"

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