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Einstieg über turnen, kicken und schwimmen
Mit einem Purzelbaum geht’s oft los

Auch ein Purzelbaum will gelernt sein. Über Turnen (vor allem Eltern-Kind-Turnen), Fußball und Schwimmen führt bei Kindern der Weg in einen Sportverein.
Auch ein Purzelbaum will gelernt sein. Über Turnen (vor allem Eltern-Kind-Turnen), Fußball und Schwimmen führt bei Kindern der Weg in einen Sportverein. FOTO: picture alliance / Westend61 / dpa Picture-Alliance / Marco Govel
Neunkirchen. Neunkircher Impulse, um Kinder und Sportvereine zusammenzubringen. SZ-Gespräch mit Verband und Stadt. Von Claudia Emmerich

In der Stadt Neunkirchen sind rund 30 Prozent der Schulanfänger in einem Sportverein, in anderen Kreis-Kommunen steigt die Zahl bis über 70 Prozent. Das war ein Ergebnis der Einschulungsuntersuchung für den Erstklässler-Jahrgang 2018 (wir berichteten). Warum liegt die Quote in Neunkirchen deutlich niedriger?


Diese Zahlen müsse man schon hinterfragen, sagen Hans-Artur Gräser, Vorsitzender des Neunkircher Sportverbandes (NSV), und Sabine Pfiffi vom Schul-, Kultur- und Sportamt der Stadt Neunkirchen im Gespräch mit unserer Zeitung. So erfasse die Abfrage etwa nicht, wenn Kinder über kommunale Grenzen hinweg in einen Verein gehen, weil es dort das passende Angebot gibt. In Neunkirchen gehörten viele Kinder und Jugendliche einem Sportverein an. Die Abfrage bei den Vorschulkindern betreffe eine besondere Gruppe. Hier seien sicherlich Unterschiede bei dörflichen und städtischen Strukturen festzustellen: „Im Dorf ist das Angebot geringer. Es gibt oft den Turnverein und den Fußballverein. Im Dorf ist die Kommunikation unter den Eltern vielleicht auch enger gestrickt, man schickt wie alle sein Kind in den Verein am Ort. Im städtischen Raum ist das Angebot größer.“ Und die Neunkircher Innenstadt sei ein besonderer Fall: „Bei einem hohen Ausländeranteil, wenn Papa und Mama vielleicht nicht Deutsch sprechen, sind die Kinder auch schwieriger zu erreichen.“  Eine Herausforderung und eine Chance  für die Zukunft.

Der Einstieg bei den Kleinen in den Sportverein laufe nach wie vor über Turnen, vor allem Eltern-Kind-Turnen, über Fußball und dann noch über Schwimmen, so Pfiffi. „Und da sind wir gut aufgestellt“, sagt Gräser für den Raum Neunkirchen. Die Vereine hätte in großem Umfang solche Angebote.



Dennoch wissen Stadt und Sport-Dachverband: Man muss was tun, um für Mädchen und Jungen und bei den Kleinen vor allem für die Eltern als Verein attraktiv zu sein. Es brauche Impulse und Initiativen. Und die gebe es in Neunkirchen, in seinen Vereinen, bei der Stadt.

Gräser und Pfiffi listen einige Punkte auf. Es sei schon eine Sorge, dass immer mehr Kinder nicht mehr schwimmen können: „So haben wir vor zwei Jahren den Grundschulcup ins Leben gerufen.“ Eine Kooperation von Stadt, NSV und dem SV Neunkirchen. „Wir wollen die Schulen aktivieren.“ Kinder können ihr erlerntes Schwimmen zeigen und Spaß haben. Disziplinen: Beinschlagstaffel, Hindernisstaffel, Freistilstaffel und Mannschaftsdauerschwimmen.

Gräser fordert ein Lehrschwimmbecken, auch in Zeiten knapper kommunaler Kassen: „Ich halte das für unbedingt notwendig.“ Später wird er noch seine zweite Forderung formulieren: „Eine Sporthalle Innenstadt.“

Das Projekt „Kinder in Bewegung“ in der Turnabteilung des TuS Wiebelskirchen sei ein Beispiel, wie Kinder an den Verein herangeführt werden können, so unsere Gesprächspartner weiter. Das Projekt läuft in Zusammenarbeit mit den vier örtlichen Kindergärten und Kindertagesstätten. Eine qualifizierte Übungsleiterin des TuS besucht die Einrichtungen wöchentlich für je eine Stunde. „Alle profitieren, sagt Gräser: Verein, Kitas, Kinder. „Kinder in Bewegung“ verläuft ehrenamtlich. Der Landkreis Neunkirchen unterstützt finanziell. Den teilnehmenden Kindern und den Kindertageseinrichtungen entstehen keine Kosten. „Es ist die Aufgabe der Vereine, Projekte zu entwickeln, um ihren Sport voranzubringen“, sagt Gräser. „Es ist viel da an Angeboten in unseren Vereinen“, so Gräser weiter. „Diese Angebote müssen aber auch nach außen bekannt werden.“

Einen Impuls geben will auch der erstmals ausgelobte Förderpreis unter dem Motto „Fitte Kinder – Starke Gesellschaft, Sport erleben von Anfang an“, eine Kooperation von NSV, Stadt und der Gemeinnützige Siedlungsgesellschaft (GSG) Neunkirchen. Im November werden die Sieger verkündet. Das Preisgeld in Höhe von 3000 Euro würdigt Vereine, die beispielsweise besondere Freizeitangebote für Jugendliche haben, herausragende Talente fördern oder Wert auf die Zusammenarbeit zwischen Schulen, Kindertageseinrichtungen und Vereinen legen.

Schon länger ist das Projekt „Hinein in den Verein“ von Stadt und NSV am Start: Neunkircher Schüler können einen Gutschein für eine einjährige beitragsfreie Mitgliedschaft bekommen.

Unterstützung für Vereine – von Führungsmanagement über Mitgliedergewinnung und motivieren Ehrenamtlicher bis hin zu Öffentlichkeitsarbeit – sowie Fortbildungschancen sind in den letzten Jahren mehr geworden. Gräser spricht von einer „großen Hilfestellung“. Die wollte auch der  regionale Turn- und Sportkongress bieten, der am Wochenende in Saarbrücken stattfand – mit breitgefächerter Information und Fortbildung kompakt. Auch Vereine aus unserer Region haben ihn genutzt. < Bericht folgt: Warum sich Trainer einem Test stellten