Spektakulum der wundersamen Sagen

Als wahrer Meister des Erzeugens imaginärer Bilder erwies sich Schauspieler Johannes Steck am Montagabend in der Gebläsehalle. Seine Lesung aus dem Fantasy-Epos „Die Zwerge“ mauserte sich nicht zuletzt dank der mittelalterlichen Band Corvus Corax zur fulminanten Performance.

Wenn das kein guter Anfang war: "Lasst euch aus euren Sorgen entführen", hieß Spielmeister Johannes Steck die Gäste willkommen. Deren Gros gehörte unzweifelhaft dem Mittelalter-Fanlager an und harrte, wie im Foyer mehrfach zu hören gewesen war, voller Vorfreude diesem Event entgegen.

Instrumente selbst gebaut

Gerade eben war Steck am Haupte einer bunten Gruppe aus fantastisch gewandeten Spielleuten durch die Gebläsehalle gezogen zur Bühne, wo bereits eine Vielzahl archaisch anmutender Instrumente wartete. Viele davon hat Musiker Wim selbst gebaut, darunter sämtliche Dudelsäcke und Schalmeien, das Organistrum auf Rädern (die größte Drehleier der Welt) und das Schlagbordun.

Das wohl merkwürdigste Instrument war ein langes hölzernes Einseiteninstrument namens Trumscheit. Sein schnarrender Klang untermalte manchen Spannungsmoment in der szenischen Lesung.

Und derer gab es viele an diesem Abend. Gleich zu Beginn orakelte Johannes Steck: "Die Orks sind vor den Toren der Stadt. Wer weiß, ob wir morgen noch ..." - leben? Nein, "spielen", aber dieses Zitat ist so gut, dass man es an diesem Abend gern noch ein zweites Mal hörte. Nämlich im Mittelteil der Fantasy-Saga um "Die Zwerge ", deren Vater - der Homburger Autor und Journalist Markus Heitz - in der ersten Reihe der Neunkircher Gebläsehalle saß.

Heitz dürfte mehr als zufrieden gewesen sein. Stimmte doch einfach alles. Die wuchtige, Lebenslust aus Jahrhunderten assimilierende Musik von Orvus Corax war ein Augen- und Ohrenschmaus. Als Requisiten genügten die überdimensionale Landkarte des geborgenen Lands und dazu ein gehörnter Erzählerstuhl völlig.

Lange sitzen blieb Johannes Steck auf diesem allerdings nicht. Seine mimischen Qualitäten unter Beweis stellend, schlüpfte er mit offensichtlichem Spaß und mehr als einem Augenzwinkern quasi im Minutentakt unfallfrei in zehn verschiedene Charaktere.

Deren edelster war natürlich Tungdil Goldhand, ein unter Menschen aufgewachsener Zwerg unbekannter Abstammung. Im Auftrag seines Meisters kehrt er zu den Zwergen zurück und gerät mit dem Bruderpaar Boïndil und Boëndal sofort in Abenteuer voller effektvoll knackender Halswirbel und rollender Köpfe, stinkendem Käse und klaren Feindbildern: "Oink Oink, ihr Schweineschnauzen!" Zwei mal 80 Minuten dauerte es, bis das Geborgene Lande von Ungeheuern wie Trollen, Albaen und nicht zu vergessen dem bösen Zauberer Nôd'onn "gesäubert" war.

Musiker als Schauspieler

Zum großen Vergnügen der gebannt lauschenden Zuschauer und Zuhörer bezog Steck die Musiker in seine Erzählung ein. Mit einfachen Gesten und großer Spielfreude mimten die Musiker mal eine "herbe" Zauberin, mal eine Hüfte schwingende Zwergin und mal den fiesen Oberlord.

Abgerundet wurde das Gesamtkunstwerk durch interessante Lichteffekte, nur auf die andernorts gezeigten Filmprojektionen verzichtete man an diesem Abend. Auch ohne sie hat dieses alles andere als zwergenhafte Spektakel Maßstäbe gesetzt, für das sich das Publikum mit Standing Ovations bedankte.