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Sparkasse Neunkirchen schließt sieben kleine Filialen

Kostenpflichtiger Inhalt: Digitalservice verdrängt Geschäftsstellen : Neunkircher Sparkasse schließt sieben Filialen

Sparkasse Neunkirchen schließt sieben kleine Filialen. Die Mitarbeiter ziehen in größere Standorte um. Das Unternehmen will im digitalen Zeitalter „multikanal“ werden.

Markus Groß redet nicht lange drumherum. Der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Neunkirchen erklärt beim Pressetermin, die langanhaltende Niedrigzinsphase sei eine Belastung für das Geldhaus, der es mit verschiedenen Maßnahmen begegnen müsse. Zugleich ändere sich das Kundenverhalten, die digitalen Kanäle werden immer wichtiger. Das schlägt sich in den Geschäftsstellen nieder: Zum 1. April werden sieben der bislang 24 Filialen geschlossen, beziehungsweise mit benachbarten zusammengelegt. Der Standort Neumünster geht mit diesem Stichtag im Standort Ottweiler auf, Landsweiler und Stennweiler in der Geschäftsstelle Schiffweiler, die Kunden aus Wustweiler werden künftig in Illingen betreut, die Welschbacher in Hüttigweiler, die Kunden aus Wiesbach und Dirmingen schließlich in der Geschäftsstelle Eppelborn. Das führe nicht zu Kündigungen, betont der Vorstandschef. Die Mitarbeiter wechseln zu den neuen Standorten, nehmen ihre Kunden quasi dorthin mit. Innerhalb der kommenden zwölf bis 18 Monate gehen rund ein Drittel dieser Angestellten in Rente. Wie viele davon dann ersetzt werden, stehe noch nicht fest. Aufgrund der veränderten Bedingungen in der Bankenwelt verringere sich die Zahl der Mitarbeiter in den kommenden Jahren aber deutlich. Auch das laufe ohne betriebsbedingte Kündigungen ab, betont Groß. In vollen Stellen gerechnet (also Teilzeit-Kräfte auf ganze Stellen zusammengenommen) hatte die Sparkasse Neunkirchen vor fünf Jahren 310 Vollzeitstellen. In diesem Jahr wird die Zahl auf 270 sinken. Dieser Prozess werde weitergehen. Zugleich stelle die Sparkasse jährlich mindestens sechs Auszubildende ein, um für die Bank der Zukunft auch das passende Personal zu haben.

Neben dem Abbau von Geschäftsstellen kündigen Groß und seine Kollegen Jörg Welter (Vorstandsmitglied) und Patrick Rammo (Direktor Privatkunden) den Aufbau einer „Direkt-Filiale“ an, die von der Beratung am Telefon über Textchats bis zur Videoberatung die Möglichkeiten der digitalen Welt bündelt. Groß: „Wir eröffnen mit der Direkt-Filiale eine digitale Geschäftsstelle, allerdings ohne Eingangstür.“ Start dieser Digital-Filiale ist am 1. Juli. Damit befinde sich das Geldinstitut auf dem Weg zu einer „Multikanalkasse“.

Das Verhalten der Banknutzer ändert sich offenbar rasant. Nach Sparkassen-Erhebungen geht der Kunde durchschnittlich noch ein Mal im Jahr an den Serviceschalter. Den Geldautomaten besucht er übers Jahr hinweg 24 Mal. Auf der Internetseite tummelt sich der Sparkassen-Kunde indes 120 Mal, und die Sparkassen-App hat er gleich 192 Mal binnen zwölf Monaten offen. Sparkassen-Vorstand Welter wirft ein weiteres Zahlenbeispiel in den Raum: Die hauseigene Internet-Filiale registriere 8000 Besucher am Tag, in den kleineren Geschäftsstellen, die jetzt wegfallen, waren es zuletzt täglich zehn „Service-Vorgänge“, also Kunden im direkten Austausch mit einem Bankangestellten. Mit dem neuen Modell stelle das Haus sicher, dass jeder Kunde im Kreis maximal 3,5 Kilometer zurücklegen müsse, um sich mit Bargeld zu versorgen. Und in maximal zehn Minuten Fahrzeit erreiche er eine Filiale mit persönlichem Service.

Für den Weg ins digitale Bankzeitalter, sagt Welter, nehme die Sparkasse bewusst die eigenen Angestellten mit und greife nicht etwa auf Callcenter von außerhalb zurück. Welter: „Unsere Mitarbeiter haben den genetischen Code der Sparkasse. Den wollen wir behalten.“ Mit dem „SmartLAB“ im Neunkircher Saarpark-Center habe das Unternehmen vor vier Monaten den ersten Schritt getan. Dort erklären „Guides“ den Kunden, wie das digitale Banking funktioniert. Vorstandschef Groß: „Das war ein absolutes Experiment. Und es ist ein großer Erfolg.“ Die Sparkasse habe über das „SmartLAB“ bereits „im nennenswerten Umfang“ Neukunden gewonnen. Zugleich seien über 500 Online-Konten freigeschaltet oder reaktiviert worden.

Mit der neuen Struktur der Geschäftsstellen ändern sich auch die Öffnungszeiten. In den sogenannten acht „Kopfstellen“ Hammergraben, Oberer Markt, Wiebelskirchen, Spiesen, Ottweiler, Schiffweiler, Merchweiler, Illingen und Eppelborn weitet die Sparkasse die Servicezeiten um eine Stunde auf dann 26 Stunden pro Woche aus. Beratungszeiten sind möglich von Montag bis Freitag, 8 bis 20 Uhr. In den übrigen kleineren Stellen gelten diese Beratungszeiten ebenfalls. Dort sind die Servicezeiten aber auf Montag bis Freitag von 9 bis 12 Uhr begrenzt.

Das „SmartLAB“ der Sparkasse im Neunkircher Saarpark-Center hat vor vier Monaten geöffnet und läuft gut, so der Vorstand. Foto: Michael Beer
Markus Groß, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Neunkirchen. Foto: Marko Becker. Foto: Marko Becker

Beibehalten möchte die Sparkasse zudem den kostenlosen Bargeld-Bring-Service. Das Modell besteht seit fünf Jahren. Ein Mitarbeiter fährt zum Kunden und bringt ihm die benötigte Summe. Dabei kann er Überweisungen oder ähnliches mitnehmen. Dieser Dienst werde in geringerem Umfang von älteren Kunden angenommen, sagt Groß. Niemand solle sich scheuen, ihn anzufordern. Denn die Sparkasse wolle weiter für alle da sein, ob jetzt über den digitalen Weg oder das Gespräch Auge in Auge.