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Sorgen über steigende Strompreise

Sorgen über steigende Strompreise

Neunkirchen. Ins Grübeln mag so mancher Bürger in diesen Tagen kommen, der auf seinem Dach eine Photovoltaikanlage sein Eigen nennt oder in einen Offshore-Windpark in der Nordsee investiert hat. Denn seit Montag steht fest, dass die Stromverbraucher für den Einsatz erneuerbarer Energien statt 3,592 Cent/kWh im nächsten Jahre 5,277 Cent/kWh zahlen müssen

Neunkirchen. Ins Grübeln mag so mancher Bürger in diesen Tagen kommen, der auf seinem Dach eine Photovoltaikanlage sein Eigen nennt oder in einen Offshore-Windpark in der Nordsee investiert hat. Denn seit Montag steht fest, dass die Stromverbraucher für den Einsatz erneuerbarer Energien statt 3,592 Cent/kWh im nächsten Jahre 5,277 Cent/kWh zahlen müssen. Damit steigt die Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) um satte 47 Prozent. Die Ökostromförderung steht in Deutschland auf dem Prüfstand, die Strompreise sind zum viel diskutierten Politikum geworden. Die Verbraucher sind verunsichert und verärgert ob der zu erwartenden Stromrechnung. Die Saarbrücker Zeitung hat bei Stromkunden und dem Neunkircher Energieversorger KEW nachgefragt.Ohne Strom geht bei Hauswirtschaftsmeisterin Meggi Otterbach gar nichts. Sie ist Chefin der Großküche in der Katholischen Familienbildungsstätte (Marienstraße), in der bis zu 100 Essen täglich zubereitet werden. Ein stattlicher Kombidämpfer, der mit Heißluft gart, große Tiefkühltruhen und Kühlschränke und industrielle Geschirrspüler sind die hungrigsten Stromfresser in ihrer Küche, ohne die aber eine moderne Großküche nicht auskommt. "Die Strompreiserhöhung trifft uns besonders hart", weiß Meggi Otterbach. An kleinen Sparschrauben könne man drehen, wie etwa auf den Stand-by-Modus, also den Bereitschaftsbetrieb, zu verzichten oder die Tiefkühltruhe regelmäßig abzutauen. "Man kann auch noch darauf achten, dass die Spülmaschine immer voll ist, aber das ist Kleckerkram", sagt Otterbach. Sie ärgert sich darüber, "dass die Kleinverbraucher bluten müssen und die Industrie billigen Strom nachgeworfen bekommt".

Allerdings ist auch die Wirtschaft von den ausufernden Strompreisen betroffen. Die IHK Saarland meldete diese Woche, dass 99 Prozent der Unternehmen die volle EEG-Umlage zahlen. Eine im Internet veröffentlichte Übersicht des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle weist aktuell für die Kreisstadt Neunkirchen lediglich zwei Unternehmen auf, die von der EEG befreit sind, nämlich MAT Foundries Europe und das Saarstahl-Werk Neunkirchen.

Die Strompreis-Entwicklung ab 2013 steht bei der KEW am 26. Oktober im Mittelpunkt einer Aufsichtsratssitzung. Klar ist aber, wie Vorstand Werner Spaniol im SZ-Interview sagte, dass nicht nur die EEG-Umlage ab 1. Januar 2013 steigt. Es erhöhen sich unter anderem auch Umlagen wie Kraftwärmekopplungs- und Netzentgeltumlage wegen Befreiung der energieintensiven Unternehmen sowie die vorgelagerten Netzentgelte. Unter Berücksichtigung dieser Entwicklungen werde der Strompreis für einen durchschnittlichen Vierpersonenhaushalt in Deutschland mit rund 100 Euro pro Jahr (brutto) zusätzlich belastet, teilt Spaniol mit. Da der Strompreis zu rund 80 Prozent durch staatliche Abgaben oder die erwähnten Netzentgelte belastet sei, habe die KEW - wie alle anderen Stromhändler auch - nur geringen Einfluss auf die Preisentwicklung. "Dazu gehört eine geschickte Beschaffungsstrategie an der Strombörse und Optimierung der eigenen Vertriebskosten", zählt Vorstand Spaniol auf. Grundsätzlich stellt er das EEG nicht in Frage. Es sei wichtig und sinnvoll zur Einführung des grünen Stroms in den Markt. Die Dynamik in diesem Grünstrommarkt habe jedoch dramatisch zugelegt mit der Folge, dass die Subventionen eine nicht mehr vertretbare Höhe erreicht hätten. Auch mit Blick auf regionale Gesichtspunkte müsse eine deutliche Korrektur beim EEG her, und zwar kurzfristig.

Unsere Zeitung sprach Spaniol auch darauf an, ob Privathaushalte mit einer entsprechenden Beratung, wie sie Umweltminister Peter Altmaier angekündigt hat, nennenswert Strom einsparen können. Die KEW plane, so Spaniol, die bereits vorhandene kostenlose Energie-Einsparberatung weiter auszubauen. Außerdem werde der Dienstleister ARGE Solar, an dem auch KEW beteiligt sei, sich verstärkt dem Thema Energieeffizienz annehmen. Das Ziel des Bundesumweltministers, 30 Prozent Strom durch eine solche Beratung einzusparen, sei allerdings "äußerst ehrgeizig".

Foto: privat

"Auch die Gebühren

für die Netze werden steigen."

 Die Verbraucher müssen sich im nächsten Jahr auf deutlich höhere Strompreise einstellen. Foto: dpa
Die Verbraucher müssen sich im nächsten Jahr auf deutlich höhere Strompreise einstellen. Foto: dpa

Werner Spaniol, KEW