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Sören Meng hat schon die Hälfte der Amtszeit als Landrat im mKreis Neunkirchen hinter sich

Landrat in der Mitte seiner Amtszeit : Aus Wandern und Lyrik schöpft der Landrat seine Kraft

Sören Meng ist seit fünf Jahren Chef der Kreisverwaltung Neunkirchen.

Landräte haben auch schon mal entspanntere Amtszeiten erlebt. Aber auch wenn Corona den Neunkircher Landrat Sören Meng seit Beginn der Pandemie massiv in Atem hält, sagt er ohne Zögern: „Mich füllt der Beruf voll und ganz aus. Ich habe es keine Sekunde bereut.“ Der Wechsel aus dem Neunkircher Rathaus (dort war er Dezernent fürs Soziale) in die Leitung der Kreisverwaltung mit 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sei für ihn der richtige Schritt gewesen. Hohe Verantwortung, mit Menschen kommunizieren (netzwerken), Projekte in Stadt und Land voranbringen. Das Landratsamt in Ottweiler kannte Meng sowieso aus seiner beruflichen Vita sehr gut. Denn vor den Jahren in Neunkirchen („Die Zeit hat mich sehr geprägt“) hatte er im Ottweiler Witwenpalais Pressearbeit gemacht.

Am 4. Januar 2016 startete die Amtszeit des 46 Jahre alten Sozialdemokraten. Fünf Jahre, das ist Halbzeit üblicherweise. Sören Meng ist tatsächlich schon darüber hinaus. Er hat acht Jahre und neun Monate als Chef der Kreisverwaltung. Seine Vorgängerin im Amt und Parteikollegin Cornelia Hoffmann-Bethscheider hatte das Büro vorzeitig geräumt, um Sparkassen-Präsidentin zu werden. Das machte eine Wahl außerhalb des Turnus notwendig. Und die Sache für den Parteifreund Meng nicht gerade einfacher. Denn manch einer nahm Hoffmann-Bethscheider den Wechsel nach Saarbrücken übel. Ein Sieg für einen SPD-Mann schien mithin alles andere als sicher. Nachdem sich das Bewerberfeld in der Stichwahl auf Meng und den heutigen Ministerpräsidenten Tobias Hans verengt hatte, entschied er die Stichwahl jedoch mit knapp 56 Prozent für sich. Nur knapp ein Viertel der Wahlberechtigten ging dabei an die Urnen. Aber Meng hatte sich gegen den Mitbewerber Hans klar durchgesetzt und war entsprechend froh darüber. Als das Ergebnis feststand, sprach er von einem „großartigen Moment“.

Dem einiges an Arbeit folgte. In den zurückliegenden fünf Jahren ist einiges geschehen. Die Jugendhilfe, ein großer Kostenblock im Kreis-Haushalt, hat eine Umstrukturierung erfahren. Mittelfristig soll mit mehr Personal zielgenauer dort geholfen werden, wo der Schuh drückt. Das soll die Kosten wenn nicht senken, doch zumindest deckeln. Die Kreisverwaltung hat sich mit Meng auf den Weg zur digitalen Verwaltung gemacht und ihre Öffnungszeiten verändert. Sie hat eine Klimaschutzmanagerin an Bord genommen (Lilli Metzker) und eine Auszeichnung als „global nachhaltige Kommune“ bekommen.  Der Kreis hat sich der Fairtrade-Initiative angeschlossen. Innerhalb des Bundesprogramms Landaufschwung sind die Regionalmarke, das Start-Up-Center, das Upcycling-Zentrum, Plattformen für Bildung und Ehrenamt entstanden, aber auch eine Bürgerstiftung wurde gemeinsam mit der Sparkasse aus der Taufe gehoben. „Die Regionalentwicklung“, sagt Landrat Meng, „muss eine Aufgabe der Landkreise werden.“ Das Thema dürfe nach der Zeit mit Geld aus Berlin nicht in der Schublade verschwinden.

Die Struktur der weiterführenden Schulen zu erhalten und auszubauen gehört zum Portfolio der Kreisverwaltung. Mit der Generalsanierung des TGBBZ Neunkirchen und dem anstehenden Neubau der Gemeinschaftsschule Stadtmitte in der Kreisstadt stehen aber richtig große und kostenintensive Projekte auf der To-Do-Liste. Meng zählt mit Blick auf die zurückliegenden Jahre auch den Vertrag mit dem Tierheim auf, der dessen Finanzen besser regeln soll. Er erinnert an den Alex-Deutsch-Preis, der geschaffen wurde, oder die zwei Geschichtsbücher über den Kreis (Bericht zum zweiten brandneuen Band folgt). Meng schreibt selbst gerne, nennt Lyrik und Fotografie „wichtige Kraftorte“.

Auch das Wandern hat er beibehalten (mit einem Freund dreht er regelmäßig vor der Arbeit Nordic-Walking-Runden), und hat damit auch als Landrat zu tun. Bei der Eröffnung des Pingenpfades in Heiligenwald, dem jüngsten der fünf Premiumwanderwege im Kreis, hatte er die Wanderschuhe genauso an wie bei eigenen Touren mit Bürgerinnen und Bürgern. In Sachen Tourismus sei der Kreis aber auch auf Finkenrech vorangekommen, habe die Vorzeigeanlage ausgebaut. In einem anderen touristischen Punkt hätte Meng es womöglich gerne etwas einfacher gehabt: Der Erlebnisort Reden war im vergangenen Jahr ein Zankapfel. Stichwort ausgebaute Autostraße hinauf zur Almhütte, die in dieser Form jetzt nicht kommen soll. Meng spricht von der „Unvollendeten“ in Sachen Erlebnisort und Alm. Zur derzeit geschlossenen Hütte auf der Halde sagt er: „Dort muss ein erfahrener Gastwirt hin mit einem tragfähigen Konzept.“ Die Gastronomie sollte auch mit dem Auto zu erreichen sein, umweltschonend über das vorhandene Wegenetz. Wie das genau aussehen könne, sei in der Abstimmung.

Schwerwiegendstes Thema des vergangenen Jahres und wohl auch für die kommende Zeit war jedoch Corona. Der Landrat ist als Chef der Kreisverwaltung auch oberster Katastrophenschützer. So mussten sich Meng und seine Verwaltung um den Aufbau eines Testzentrums, erst in Ottweiler, dann in Landsweiler kümmern. In der Ottweiler Seminarsporthalle entstand ein Lazarett für den Fall, dass die Pandemie außer Kontrolle und die Kapazitäten in den Krankenhäusern erschöpft sein sollten. Und im Dezember hat der Kreis im ehemaligen Max-Bahr-Baumarkt in Sinnerthal ein Impfzentrum eingerichtet. Dass für all dies viele Menschen Hand anlegen müssen, ist Meng bewusst. Er sagt: „Ich bin ein Gemeinschaftsspieler. Ich habe tolle Menschen hier und eine gute Kooperation im Kreistag.“

Der Kreis hat jüngst ein Impfzentrum in Sinnerthal aufgebaut. Landrat Sören Meng (links) im Gespräch mit einem der ersten Impflinge. Foto: Volker Ammann

Und als solcher würde er auch trotz Corona und anderer Widrigkeiten als Landrat gerne weitermachen, wenn 2024 erneut gewählt wird.