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Slottas Ehrensprung übers "Arschleder"

Slottas Ehrensprung übers "Arschleder"

Heiligenwald. In diesem Jahr wird im Saarland das letzte Steinkohle-Bergwerk dicht gemacht. Aber viele Bauten, Bergehalden und andere Industrie-Nachfolgelandschaften werden noch über Jahrzehnte an den Kohleabbau erinnern

Heiligenwald. In diesem Jahr wird im Saarland das letzte Steinkohle-Bergwerk dicht gemacht. Aber viele Bauten, Bergehalden und andere Industrie-Nachfolgelandschaften werden noch über Jahrzehnte an den Kohleabbau erinnern. Die Erinnerung an Zeiten zu bewahren, in denen viele Menschen ihr Brot in den Gruben durch harte Arbeit erwarben, dafür treten Barbara-Bruderschaften und ähnliche Gruppierungen an.So auch der Bergmannsverein Heiligenwald, der 1982 gegründet wurde, eine noch relativ junge Vereinigung dieser Art ist und in den zurückliegenden Jahren das kulturelle Leben auch weit über die Grenzen der Gemeinde Schiffweiler hinaus bereicherte. Er beteiligte sich seit der Gründung bis 2002 mit aufwändigen Ständen am auch Bergmannstage genannten Dorffest. Dann musste man wegen der Altersstruktur der Aktiven die Teilnahme absagen. Mit großen Delegationen präsent war der Verein bei Deutschen und Europäischen Bergmannstagen in Ungarn, Österreich, den Niederlanden, in Thüringen, Sachsen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. 1992 richtete er das Landesverbandstreffen der saarländischen Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine aus. Und nun wird immer deutlicher, dass mit der wirtschaftlichen Bedeutung des Bergbaus hier zu Lande auch das Interesse an solchen Vereinen sinkt.

Werner Gros, der Vorsitzende des Bergmannsvereins, macht sich Sorgen um den Fortbestand. "Wir traten bereits 1982 bei der Gründung als Traditionsverein an, denn damals war absehbar, dass in nicht all zu ferner Zeit die Saargruben als Arbeitgeber verschwinden werden. Wir machten uns zur Aufgabe, die bergmännischen Bräuche zu pflegen, denn in fast jedem Haus des Ortes wohnten Menschen, die sich erst hier ansiedelten, als in den Gruben Arbeiter gesucht wurden. Sie und ihre Familienangehörigen lebten von dem schwarzen Gold und etliche verloren ihr Leben bei ihrer schweren Arbeit unter Tage. Über 150 Jahre, nachdem die Schächte Itzenplitz und Reden angeschlagen wurden, waren die Gruben der Mittelpunkt unserer beruflichen Tätigkeit, sorgten für den bescheidenen Wohlstand der Menschen." Das sei nun Geschichte. Aber eine Gemeinde, so Werner Gros weiter, die ihren Ursprung hatte durch den Bergbau, stehe auch in der Verantwortung, ihre Geschichte nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. "Und dafür ist Traditions- und Brauchtumspflege notwendig. Denn wer vergisst, wo er herkommt, verliert auch seine Identität."

Gros vermisst jüngere ehemals oder noch im Bergbau Beschäftigte, die aktiv im Bergmannsverein Heiligenwald mitmachen wollen. Bei der Vereinsgründung 1982 waren 45 Personen anwesend. Die Zahl der Mitglieder stieg bis Anfang der 1990er Jahre auf 325. Jetzt sind es nur noch 148. Werner Gros stellt fest, dass im Vorstand fast ausschließlich über 70-Jährige mitarbeiten. "Ich hoffe, dass wir bei den Neuwahlen im Sommer jüngere Leute finden, die sich der Tradition verantwortlich fühlen und aktiv mitwirken wollen. Denn nur so kann verhindert werden, dass der Verein demnächst aufgelöst wird."

Am Samstag machte der Bergmannsverein Heiligenwald mit einer Großveranstaltung zum 30-jährigen Bestehen auf sich aufmerksam. 22 Bruderschaften aus dem Saarland und dem benachbarten Frankreich nahmen auch an dem ökumenischen Gottesdienst und dem sich anschließenden Umzug teil.

Der Festsaal des Bürgerhauses drohte aus allen Nähten zu platzen, weil viele nicht angekündigte Gratulanten kamen. Geehrt wurden 52 Mitglieder. Höhepunkt war der so genannte Ledersprung, mit dem Delf Slotta, Diplomgeograph und Leiter der Stabsstelle "Lenkungskreis Bergbauflächen" im saarländischen Ministerium für Wirtschaft und Wissenschaft, ob seiner Verdienste um den Saarbergbau und dessen Geschichte zum Ehrenbergmann ernannt wurde.

"Wer vergisst, wo er herkommt, verliert auch seine Identität."

Werner Gros