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Skurriles aus dem Ruhrpott

Neunkirchen. Mit enormer Gagdichte begeisterte der „Hocker-Rocker“ Markus Krebs das Stand-up-Comedy liebende Publikum in Neunkirchen. Das Ruhrpott-Original sattelte mit 38 Jahren nach diversen Jobs zum Comedian um. Anja Kernig

. Kommt ein Mann mit zwei linken Füßen in ein Sportgeschäft: "Guten Tag, ich hätte gern ein Paar Flip-Flips." Typisch Markus Krebs: Man kann still lächelnd im Kopf "eins, zwei drei" zählen und schon zündet der Gag im Raum. Darüber hinaus handelt es sich um einen waschechten Krebs-Klassiker. Klar, dass er ihn bei seinem Auftritt in der quasi ausverkauften Stummschen Reithalle mit unterbrachte - neben gefühlten 15 876 anderen Witzen (davon knapp zehn mittels Wettbewerb und Preisversprechungen aus dem Publikum generierte, was als sympathisch-offenherzige Art des Ideenklaus rüber kam).

Dass man Krebs überhaupt "Klassiker" unterstellt, ist selbst ein Witz: Schließlich ist der Duisburger, Jahrgang 1970, ein Spätberufener. Der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann verdiente seine Brötchen nach dem Zivildienst in einem Baumarkt. Später führte er dann auch mal einen Geschenkartikelladen, war Hooligan, veräußerte Tannenbäume, fuhr Kinder zur Schule und Pizzas zu Hungrigen, hatte mal eine Kneipe - um schließlich, finanziert von den Eltern, mit 38 zum Comedian umzusatteln. Durch Zufall war Krebs beim "Niederrheinischen Comedypreis" auf der Bühne gelandet. Von da an ging es bergauf, vorläufiger Höhepunkt: der RTL-Comedy-Grand-Prix, den er 2011 gewann. Das Datum seines Triumphs ließ er sich gleich mal auf den rechten Unterarm tätowieren.

Überhaupt sein Outfit: mit Mütze, Sonnenbrille, Pferdeschwanz und aussagekräftigem T-Shirt über dem Vorzeigebauch, diesmal "Brennholz-Verleih", ist der Wiedererkennungswert schon mal relativ hoch. In Neunkirchen gab Krebs nichtsdestotrotz den Anti-Star, dem die weiblichen Fans H&M-Kataloge statt BHs hinterher werfen und für den sie schon mal "ein Kind adoptieren".

Zum Glück kennt er "den größten Teil vom Programm", das ursprünglich "Genieß die Zeit zwischen den Windeln" heißen sollte. Eins, zwei drei . . . . Der Plot des Abends, ein Ausflug seines Kegelclubs auf die Hamburger Reeperbahn , wäre an und für sich schnell erzählt gewesen. Doch Krebs ist Meister des Abschweifens und kommt dann schon mal vom Hundertsten ins Tausendste. Dabei balanciert er zwischen intelligent und abgeschmackt und fällt dabei ab und zu verschämt grinsend unter die Grenze des guten Geschmacks. Aber dem Rocker auf dem Hocker ist man bereit, fast alles zu verzeihen.

Frischen Wind brachte zwischendurch Freddy Farzadi auf die Bühne. Der war tatsächlich mal Türsteher auf der Reeperbahn und genießt bei Krebs einen Manuel-Andrack-Status, von wegen "die Würde des Mannes ist unten tastbar". Nach der Pause rüpelt Krebs: "Der Tisch ist kaputt. Das Bier fehlt" und zieht ein bisschen über Borussia Neunkirchen her. "Saugeil, Oberliga. Da spielen nur Kellner."

Am Ende macht nicht der Griechen-, sondern der Polen-Witz das Rennen: "Was ist der Unterschied zwischen einem Arzt und einem Polen? Der Pole weiß, was dir fehlt."