Sie lief der Wahlabend im Rathaus von Neunkirchen

OB-Wahlabend in Neunkirchen : Glücklicher Gewinner, fairer Verlierer

Am Ende lagen 15 Prozent zwischen Jörg Aumann (SPD) und Dirk Käsbach (CDU): ein deutliches Ergebnis.

Der Wahlsieg für Jörg Aumann liegt in der Luft, als sich gegen 18 Uhr immer mehr Genossen im Neunkircher Rathaus blicken lassen. Viel mehr als noch vor zwei Wochen, als offenbar nur wenige mit einem Durchmarsch ihres Kandidaten gerechnet hatten. Nun aber macht sich Optimismus breit, wenngleich die ersten Rückmeldungen aus den Wahllokalen auf eine niedrige Wahlbeteiligung schließen lassen. Sollte das CDU-Mann Dirk Käsbach am Ende in die Karten spielen? „Ach was, 65:35, so rum“, vermutet jemand beim Plausch auf den Fluren vorm Ratssaal. Als Wahlleiter Fred Leibenguth gegen 18.20 Uhr die ersten Ergebnisse an die Leinwand wirft, ist es knapper als erwartet. Aumann führt mit 13 Prozent. Im Saal wird es sehr schnell sehr leise.

Im Lager von Dirk Käsbach darf noch verhalten gehofft werden, bei den Anhängern von Jörg Aumann traut man dem Braten noch nicht. „Loss doch so, Fred, is gudd“, scherzt Aumann, der mit diesem Ergebnis gut leben könnte, aber noch besser mit dem leben kann, was die Grafiken von Fred Leibenguth in den kommenden Minuten immer deutlicher machen: Jörg Aumann gewinnt die Stichwahl vor Dirk Käsbach am Ende klar mit einem Vorsprung von 15 Prozent.

So ist der Jubel groß, als OB Jürgen Fried um 18.40 Uhr mit Blumenstrauß in der Hand Jörg Aumann als seinen Nachfolger verkündet. Und es fallen auch Tränen der Erleichterung bei Aumanns Kindern, die ihren Vater fest umarmen. Diesen Moment wartet Dirk Käsbach noch ab, bis er als einer der ersten Gratulanten dem Wahlsieger die Hand reicht. Die große Sensation ist dieses Ergebnis nicht. Die gibt es in der Landeshauptstadt, was unter den CDU-Anhängern im Rathaus selbstredend gefeiert wird. Vielleicht auch das ein Grund, weshalb die Köpfe im Käsbach-Lager nicht allzu tief hängen.

Und auch der Wahlverlierer selbst wirkt nicht zu Tode betrübt. Im Gegenteil: „Es hat nicht gereicht, das ist schade. Aber ich habe mehr als 5000 Stimmen auf meiner Seite. Das freut mich. Und es zeigt, das ein Wechsel nicht unrealistisch war“, sagt Käsbach, dem die wenigsten ein solches Ergebnis zugetraut hätten, schließlich kommt er aus Königswinter und war bis vor ein paar Monaten in Neunkirchen ein unbeschriebenes Blatt. „Ich hatte einen schwierigen Start, mich kannte ja niemand. Aber ich habe im Laufe der Zeit immer mehr Unterstützer gefunden, auch viele, die nicht an eine Partei gebunden sind.“ Auf die Frage, ob er im Wahlkampf immer auf den Rückhalt seiner Partei zählen konnte, sagt Käsbach: „Es gab einige, die sich extrem eingesetzt haben.“ Heute sitzt er bereits wieder im Rathaus von Königswinter am Schreibtisch, wo für den Kämmerer Käsbach Kommunalpolitik an der Tagesordnung ist. Ob man ihn künftig auch hier öfter in der Politik sehen wird? „Ich muss das jetzt erst einmal ein paar Tage sacken lassen“, antwortet er.

Erleichterung pur spricht aus dem Gesicht von Wahlsieger Jörg Aumann, der zugibt, dass der Wahlkampf sehr zehrend war und von ihm und seiner Familie einiges abverlangt hat. „Vor allem die beiden letzten Wochen, in denen die SPD ja nicht gerade auf Wolke 7 schwebt, waren sehr anstrengend. Aber es hat sich gelohnt. Ich bin froh und dankbar“, so Aumann, der 7231 Stimmen verbuchen konnte, 1910 mehr als Dirk Käsbach.

Auf die Frage, ob er im Wahlkampf mehr auf Themen hätte setzten sollen, mit denen sein Herausforderer punkten konnte, sagt Aumann: „Die Themen Migration und Sicherheit haben eine deutliche Rolle gespielt und leider andere, wichtige Themen, in den Hintergrund gedrängt. Aber jetzt, nach der Wahl, werden wir diese Themen mit kühlem Kopf angehen und sicher auch Lösungen finden.“

Die Aumanns im Glück: (v.l) Amelie, Annabelle, Jörg, Doris und Jan-Robin war die Erleichterung am Sonntagabend anzusehen. Als das Ergebnis feststand flossen zum Teil dicke Tränen. Foto: Volker Ammann
Schnell war Dirk Käsbach (rechts) klar, dass es nicht zum Sieg reichen würde. Das wusste auch Henrik Eitel, Vorsitzender des CDU- Stadtverbandes. Foto: Volker Ammann

Am 1. Oktober wird Aumann zum OB ernannt, bis dahin bleibt er Neunkirchens Bürgermeister. Urlaub ist auch für ihn derzeit kein Thema. „Die Arbeit geht erst einmal weiter. Aber im Juli fahre ich mit der Familie ein paar Tage weg.“

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