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Zum Tag des Ehrenamtes
Sie helfen auch ganz leise

Matthias Schilhab leitet die Ehrenamtsbörse.
Matthias Schilhab leitet die Ehrenamtsbörse. FOTO: Mathhias Schilhab
Kreis Neunkirchen. Am heutigen Dienstag ist wieder Zeit für ein Dankeschön, sagt der Leiter der Ehrenamtsbörse im Landkreis Neunkirchen. Von Claudia Emmerich

Auf Initiative der Vereinten Nationen findet seit 1986 in jedem Jahr am 5. Dezember der Internationale Tag des Ehrenamtes statt. Zu diesem Anlass sprach unsere Zeitung mit Dr. Matthias Schilhab, seit Juli dieses Jahres Leiter der Ehrenamtsbörse im Landkreis Neunkirchen.


Dies ist Ihr erster „Tag des Ehrenamts“ als Leiter der Ehrenamtsbörse im Landkreis Neunkirchen. Was fällt Ihnen da spontan ein?

Schilhab: Das Dankeschönfest natürlich. Es findet immer in Rotation zwischen den saarländischen Landkreisen statt, dieses Jahr unter der Federführung der LAG Pro Ehrenamt im Regionalverband Saarbrücken. Die zentrale saarlandweite Veranstaltung ist dieses Jahr in Heusweiler. An diesem Dienstag werden dort über 900 Ehrenamt-Besucher erwartet. Ziel ist es, sich bei den vielen Ehrenamtlern für ihren Einsatz und die geleistete Arbeit zu bedanken.



Ehrenamt ist so vielfältig. Wir denken an Sport, Rettungsdienste, Soziales. Kennen Sie auch weitgehend „unbekanntes“ oder auch „exotisches“ ehrenamtliches Engagement?

Schilhab: Exotisches: Musicalprojekt Neunkirchen, Wustock Festival. Unbekanntes: Vieles im Kleinen und auch im Stillen - Damen, die regelmäßig Buchhaltung übernehmen, Fahrer die immer Zeit haben, wenn es wichtig ist. Jugendliche, die ohne viel Aufsehen für zwei Stunden in der Woche „Soziales Umfeld“ für psychisch Kranke sind. Oder Menschen, die einfach da sind, wenn man sie braucht.

Wen und was bringt unsere Kreis-Börse denn so zusammen?

Schilhab: Zumeist Menschen, die aus dem Berufsleben scheiden und eine sinnhafte Beschäftigung für ihre Freizeit suchen. Menschen, die zu Hause einen Menschen pflegen und eine Abwechslung suchen. Oder Menschen, die ihre beruflichen Kompetenzen gerne auch im Ehrenamt unterbringen möchten.

Im Deutschland engagieren sich 24 Millionen Menschen ehrenamtlich. Das sind 36 Prozent. Schaffen wir so eine Quote in unserer Region auch?

Schilhab: Ja, die Regionalstudie der AMB Generali im Jahre 2010 wies eine weit überdurchschnitte Engagementquote im Landkreis Neunkirchen aus - nämlich 62 Prozent. Der damalige saarlandweite Wert lag bei 35 Prozent.

Steigt oder sinkt aus Ihrer Sicht die Bereitschaft, sich für die Ehre zu engagieren?

Schilhab: Mein Empfinden ist, dass es eher stagniert. Natürlich müssen wir uns um adäquate Formen der Ehrenamts-Angebote kümmern und immer kräftig die Werbetrommel rühren. Aber das ist nur mein Gefühl – nach fünf Monaten wäre eine verlässliche Auskunft ein Schnellschuss.

Wie kann man auch Einrichtungen, Organisationen oder Unternehmen gewinnen?

Schilhab: Wichtig ist zunächst einmal zu sagen, dass es hier nicht grundsätzlich um Finanzmittel geht. Vielmehr sollen sich Unternehmen als Akteure im lokalen Gemeinwesen einbringen. Denn das ist dort, wo Unternehmer und Mitarbeiter leben und wohnen. Unternehmenskooperation kann vieles bedeuten: „Unternehmensfreiwilligenengagement“ - Corporate Volunteering -, also Anpackprojekte: Im Kindergarten muss gestrichen werden. Know-How zur Verfügung stellen: Wir bauen euch kostenlos eine Internetseite. Ein Unternehmen stellt einen Raum zur Verfügung oder hilft bei einem Transport mit dem Firmenfahrzeug. Und vieles mehr.

Bei Ihrem Antrittsbesuch in unserer Redaktion nannten Sie Ehrenamtsbörse ankurbeln als erste Aufgabe. Und mit einer Fragebogen-Aktion wollten Sie die Vereine erreichen. Schon weitergekommen?

Schilhab: Der Fragebogen ist raus und die Rückläufe wurden auch schon ausgewertet. Vielleicht nur ein, zwei Aspekte hier heraus: Bei rechtlichen Fragen drückt recht oft der Schuh - hier geht es um Fragestellungen zu Vereinsrecht und Datenschutz. Genauso sind Öffentlichkeitsarbeit und Mitgliederwerbung ein großes Thema. Im Jahr 2018 wird der Landkreis Neunkirchen zielgerichtet eine Vortragsreihe zu relevanten Themen starten.

Und nach einem halben Jahr wollten Sie daran gehen, erste neue Ideen umzusetzen. Das halbe Jahr ist bald um. Reift schon etwas?

Schilhab: Natürlich steckt mir immer noch die Idee eines Reparatur-Cafés in der Nase. Ich habe mittlerweile ein vergleichbares Projekt in St. Ingbert besucht und werbe immer noch gerne für das Projekt: Wir suchen Menschen, die ein goldenes Händchen haben und gerne Dinge reparieren.

Der Landkrreis Neunkirchen bietet Fortbildungsangebote für Ehrenamtliche. Was ist besonders nachgefragt?

Schilhab: „Kaffee, Kuchen, Tablet“ ist sehr beliebt und meist zügig ausgebucht.

Zum Schluss: Gedenktag, Auszeichnungen, lobende Worte: Was braucht der Ehrenamtler noch?

Schilhab: Hier möchte ich das Anliegen unseres Landrates Sören Meng aufgreifen: Eine Kultur der Wertschätzung, sei es durch finanzielle Gesten wie die Ehrenamtskarte, unseren Ehrenamtspreis oder das beliebte regionale Dankeschönfest des Landkreises Neunkirchen im kommenden Frühjahr.