Serie "Ich packe meinen Koffer und nehme mit" mit Tierarzt Zoo Neunkirchen

SZ-Serie „Ich packe meinen Koffer“ : Geheimnisvolle Unbekannte im Affenhaus

Urlaubszeit, Reisezeit. Sie kennen das Spiel „Ich packe meinen Koffer und nehme mit“? Die SZ hat sich spannende Koffer öffnen und ihren Einsatz erklären lassen. Teil 4: Zootierarzt Mark Eichelmann.

Das Blasrohr passt nicht in den Koffer. Zu lang. Mark Eichelmann trägt es in der Hand. Und nimmt es oft in die Hand in seinem beruflichen Alltag. „Fast jeden Tag“, erzählt der Tierarzt im Neunkircher Zoo. Nicht alle seiner Schützlinge – rund 500 Tiere aus 140 Arten – lassen sich anfassen und behandeln: „70 bis 80 Prozent nicht.“ Also finden Impfstoff, Medizin und manchmal auch Narkosemittel ihr Ziel mittels Pusterohr.

Seit Oktober 2018 kümmert sich Mark Eichelmann als Zootierarzt in Neunkirchen um die ihm anvertrauten Kreaturen von A wie Aguja (Greifvogel) bis Z wie Zebra. Aufgewachsen ist der heute 34-Jährige in Ludwigshafen, schon damals mit Leidenschaft für Tiere, vor allem Exoten, Reptilien, Zootiere. Später lebte er lange in Frankfurt, auch als Student der Tiermedizin in Gießen (Abschluss 2010). Das Studium haben er wegen „Tier“ gewählt (Biologie wäre eine Alternative gewesen), nicht wegen „Medizin“. Also kam für ihn auch nur ein Veterinär-Job in Frage, in dem er wirklich Tiere begleiten kann. Doch Arbeitsplätze in einem Zoo sind rar. Also hat Eichelmann früh und beharrlich schon neben dem Studium und danach Praktika gemacht, war viel im Ausland unterwegs.

Fast hätte es ihn dabei nach Südafrika verschlagen. Im Zoo Karlsruhe arbeitete er befristet, als nach dem Großbrand im Elefantenhaus 2010 zur Versorgung der verletzten Dickhäuter eine zusätzliche Kraft gebraucht wurde. Intensiv betrieb Eichelmann Networking, besuchte Konferenzen: Alles auf das Ziel ausgerichtet, seinen Traum von Arbeit mit Zootieren wahr werden zu lassen. Im Neunkircher Zoo hat es dann geklappt. Seine Zusatz-Qualifikation „Reptilien“ passte dabei genau zur neuen Quarantäne- und Exoten-Auffangstation, die im Vorjahr eröffnet wurde. In Neunkirchen kuratiert er zudem die Bereiche Huftiere und Terrarien (Haltungsfragen).

„Für eine Größe dieses Zoos und die Zahl der Mitarbeiter leben hier viele besondere Tiere“, sagt Eichelmann nach seinen ersten neun Monaten. Zu diesen „Perlen“ zählt er beispielsweise auch den Taubwaran, eine auf der Insel Borneo beheimatete Echse: „Über sie ist sehr wenig bekannt.“ Eine geheimnisvolle Unbekannte im Neunkircher Affenhaus. Taubwarane werden nur in fünf Zoos des Europäischen Zoo- und Aquarien-Verbandes (EAZA) gehalten. Neunkirchen hat sich 2017 als erster deutscher Zoo eingereiht.

Eine „Grenzerfahrung“ hat Tierarzt Eichelmann in seinem Dreivierteljahr Neunkirchen auch schon erlebt: Die Pavian-Aktion, als 30 der gut 100 Paviane wegen „Überbevölkerung“ der Anlage nach China abgegeben wurden (die SZ berichtete): „Aber es ist gut ausgegangen und alle hier haben gut zusammengearbeitet.“

Für die SZ hat Eichelmann den Notfallkoffer dabei mit Narkotika, Standard-Schmerzmitteln und Standard-Antibiotika. Besteck zur Blutabnahme, Urinteststreifen und alles, was so zur Grundversorgung gehört. Es gibt aber auch anders gepackte Koffer: zum Impfen, zur Klauenpflege (mit Raspel und Hufmesser) oder auch den Geburtshilfekoffer. „Ob europäische Zwergmaus oder Elefant – alle Tiere werden hier gleich behandelt“, antwortet Eichelmann auf die Frage nach möglichen Favoriten. Allerdings hat er Elefantendame Kirsty als eines der Charaktertiere in seinem Zoo ausgemacht: „Kirsty ist fantastisch. Die ist wirklich witzig, weiß was Humor ist.“

Tiere begleiten Mark Eichelmann auch in seinem Privatleben. Heute teilen er und seine Freundin ihr Zuhause in St. Ingbert mit neun Vogelspinnen, einem Königspython (Würgeschlange, bis 1,30 Meter lang) und einem Axolotl (Schwanzlurch).

Alle Teile unserer Serie finden Sie unter: www.saarbruecker-zeitung.de/koffer-im-einsatz

Mehr von Saarbrücker Zeitung