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Senioren wagen den digitalen Schritt

Senioren wagen den digitalen Schritt

Das virtuelle Mehrgenerationenhaus im Kreis Neunkirchen versteht sich als weiteres Modul der Kampagne „Onlinerland Saar“. Der Landkreis ist der vierte Teilnehmer an der digitalen Vernetzung älterer Bürger im Saarland. Die SZ erklärt, was hinter dem virtuellen Mehrgenerationenhaus steckt.

Ältere Menschen und moderne Technik, passt das? Der Kreis Neunkirchen will seine Bürger motivieren, die sich rasant entwickelnden Kommunikationsmöglichkeiten für sich zu entdecken. Am Freitag haben 16 Bürger reiferer Jahrgänge in Ottweiler Tablets entgegengenommen. Die stehen ihnen jetzt anderthalb Jahre kostenlos zur Verfügung. Im Gebrauch mit den Geräten werden sie in den kommenden Wochen geschult, zum Erfahrungsaustausch kommen sie auch in der realen Welt zusammen.

Landrat Sören Meng, Stephan Kolling, Staatssekretär des Ministeriums für Soziales, und Jörg Ukrow, stellvertretender Direktor der Landesmedienanstalt Saarland (LMS), eröffneten das virtuelle Mehrgenerationenhaus mit der Übergabe der Geräte im Landkreises Neunkirchen .

Mehrgenerationenhäuser gibt es im Kreis schon. Um Begegnung und Austausch zwischen den Generationen auf den virtuellen Raum auszudehnen, haben der Verein "Medien-Netzwerk SaarLorLux", das Ministerium und die LMS das Modellprojekt gestartet. Bundesweit einzigartig, wie am Freitag in Ottweiler zu hören war. Das virtuelle Mehrgenerationenhaus versteht sich dabei als weiteres Modul der Kampagne "Onlinerland Saar". Der Landkreis ist nach Tholey, Merzig und Püttlingen der vierte Teilnehmer an der digitalen Vernetzung älterer Bürger .

Bärbel Franz aus Schiffweiler freut sich auf das Kennenlernen des Tablets. Sie habe von der Aktion in der SZ gelesen und sich um einen Platz in dem Projekt beworben. Jetzt hält sie das elektronische Teil in Händen. Berührungsängste hat sie keine: Die 63-Jährige ist Smartphone-erfahren. Ihre Motivation: "Die Jungen sind mir ein Stück weit voran. Ich will nicht immer fragen, wie geht das jetzt?"Die Bibliothekarin ist seit sechs Jahren in Rente. Sie ist verheiratet, spürt aber doch den Unterschied zu der Zeit, da sie noch gearbeitet hat. Zudem schränke eine Gehbehinderung ihren Aktionsradius ein. Ein Tablet finde sie deshalb schon praktisch. Ulrike Heckmann, 64, sieht sich noch "voll drin" im Leben. Aber sie wolle Veränderungen mitmachen und "nicht warten, bis es nicht mehr geht."

Für die 16 Bürger des Kreises beginnt eine spannende Zeit. Spannend, so bezeichnet auch Landrat Meng das Projekt. Er reiht es ein in die Arbeit des Landaufschwungs. Seit fast zehn Jahren betreibe der Kreis zudem mit seiner Ehrenamtsbörse eine Kooperation mit dem LMS. 850 Menschen seien in 60 Schulungen an Laptop und Tablet-PC geschult worden. Mit dem neuen Projekt kommen 16 weitere hinzu. Staatssekretär Kolling sieht im demografischen Wandel und der Digitalisierung zentrale Herausforderungen der Politik. Viele ältere Menschen seien nicht mehr so mobil, der Treffpunkt auf der Dorfbank mittlerweile fast schon Geschichte. Mit Tablet und Co. eröffneten sich für die älteren Jahrgänge neue Möglichkeiten, untereinander oder mit Familie und Freunden in Kontakt zu treten. Das sieht auch LMS-Mann Ukrow so. Es gelte, eine digitale Spaltung der Gesellschaft zu vermeiden. Der drohe nicht nur über soziale Schichten hinweg, sondern auch über die Generationen. Das Tablet solle den direkten Kontakt nicht ersetzen, sondern ergänzen.

landkreis-neunkirchen.de