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Seit 50 Jahren Lobby für behinderte Menschen

Seit 50 Jahren Lobby für behinderte Menschen

Im Jahr 1965 riefen in Neunkirchen sieben Leute einen eingetragenen Verein als Lobby für geistig behinderte Menschen ins Leben. Heute strebt die Lebenshilfe im Kreis Neunkirchen die 1000-Mitglieder-Marke an. Was die Lebenshilfe leistet, sei für jeden ein Thema, so deren Vorsitzender.

Im Januar 1965 trafen sich im Neunkircher Café Freiberg sieben Leute - Pädagogen und Eltern behinderter Kinder - gerade so viele, wie für eine Vereinsgründung nötig waren. Was sie manifestierten, war ein eingetragener Verein: Die Lebenshilfe-Kreisvereinigung. Im Kreis Neunkirchen entstanden somit zum ersten Mal im Saarland Strukturen für die Lebenshilfe auf regionaler Ebene - zuvor war sie nur in der Stadt Saarbrücken bereits organisiert. Von jenen Gründungsmitgliedern im Café Freiberg kann das 50-jährige Bestehen der "Lebenshilfe Neunkirchen e.V." nur noch die frühere Konrektorin Elisabeth Bost miterleben.

Heute hat die Lebenshilfe Neunkirchen fast 900 Mitglieder und ist ein verzweigtes, dem Laien mitunter verwinkelt anmutendes Konstrukt. Unter dem Dach der Lebenshilfe gibt es beispielsweise als gemeinnützige GmbHs das Lebenshilfewerk, das Werkstattzentrum für behinderte Menschen (WZB), die Integrationsbetriebe CFK und St. Wendeler Landfleisch. Zum breit aufgestellten Angebot gehören unter anderem Förderschulen (in Dirmingen und Mainzweiler), Tagesförderstätten, Kinderhilfe, Wohnstätten, WZB und eine Galerie ("Farbtupfer").

Die Lebenshilfe Neunkirchen betreut in ihren Einrichtungen knapp 700 Menschen mit geistiger Behinderung und beschäftigt einschließlich Fahrdienst rund 400 Mitarbeiter. Dazu kommen noch 400 hauptamtliche und 960 Mitarbeiter mit Behinderungen im WZB. "Wir haben keine freien Plätze, wir haben eine Warteliste", informiert Norbert Puhl. Er ist seit 2003 Vorsitzender der Lebenshilfe Neunkirchen und noch bis September gewählt. Zuvor gehörte er bereits zwischen 1968 und 1994 dem Vorstand an.

Für die Lebenshilfe gewonnen hatte den angehenden Förderschullehrer der damalige Rektor der "Katholischen Hilfsschule" in Neunkirchen : Georg Orth wurde später als Landesvorsitzender und Bundesfunktionär der Lebenshilfe bekannt. Orth war auch der erste Vorsitzende der Lebenshilfe Neunkirchen . Vor Puhl folgten dann Johanna Ruppert, Landrat Günter Schwehm und Franz-Rudolf Kronenberger.

"Im Jubiläumsjahr möchte ich gern das 1000. Mitglied begrüßen", gibt Norbert Puhl vor. Der 73-Jährige, der gerne von der "Lebenshilfe-Familie" spricht, macht klar: "Die Lebenshilfe geht alle an!", keiner könne sich außen vor wähnen. Denn, was die Lebenshilfe für behinderte Menschen und deren Eltern tue, könne der Staat nicht leisten. Das Engagement der Lebenshilfe wiederum sei ohne Spenden und ehrenamtlich Engagierte nicht aufrecht zu erhalten. Bei der Lebenshilfe stehe die individuelle Förderung im Mittelpunkt, der Fokus richte sich dabei auf die Bedürfnisse der behinderten Menschen, betont Puhl. Was nicht immer mit der Inklusion zu vereinbaren sei. "Jeder kann durch einen Unfall zum Behinderten werden", gehört zu den Botschaften des Vorsitzenden. Derzeit seien sechs von 1000 Menschen in Deutschland geistig behindert, durch die Kunst der Medizin sei die Quote am Steigen. Mehrfachbehinderungen sind nach Puhls Feststellung auf dem Vormarsch, das Down-Syndrom werde zurückgehen.

Der Festakt zum Fünfzigsten des Lebenshilfe-Vereins ist im Juni am CFK in Spiesen vorgesehen. "Aber nur ein zentrales Fest wäre zu kurz gegriffen. Wir wollen im Jubiläumsjahr das breit gefächerte Angebot unserer Lebenshilfe noch bekannter machen", so Vorstandsmitglied Sören Meng, der den siebenköpfigen Festausschuss managt. Deshalb sind eine ganze Reihe von Veranstaltungen im Lauf des Jahres mit dem Jubiläum verknüpft (siehe unten).

Zum Thema:

Auf einen BlickNoch ausstehende Veranstaltungen der Lebenshilfe im Jubiläumsjahr: 13. April bis 28. August: Kunstausstellung der Galerie Farbtupfer im Archäologiepark Römische Villa Borg; 9. Mai: Frühlingsfest, 35 Jahre Eric-Carle-Schule; 11. Juni Festakt am CFK Spiesen; 13. Juni: Wohnstättenfest; 14. Juni: 40 Jahre WZB, Tag der offenen Tür; 20. Juni bis 19. Juli: Ausstellung der Galerie Farbtupfer in der Galerie Elitzer, Saarbrücken; 21. Juni: 40 Jahre Rothenbergschule, Nachbarschaftsfest gemeinsam mit Kolpingsfamilie; 16. September: Lebenshilfe-Wandertag, Start am CFK; 23. September: Kinderhilfe im Kreis Neunkirchen , Tag der offenen Tür in Illingen; 2. bis 4. Oktober: 35 Jahre Behinderten-Werkstatt der Lebenshilfe und Reitgemeinschaft St. Martin, Reitturnier.