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Seit 45 Jahren beschäftigt sich Dietmar Lucas mit dem Modellbau

Was für ein Hobby! : Den Geschichtskurs gibt’s noch nebenbei

Seit 45 Jahren beschäftigt sich Dietmar Lucas mit dem Modellbau. Sein Meisterstück bislang war die Mayflower.

Wenn Dietmar Lucas zurzeit von seiner Arbeite als Techniker in einem Zweibrücker Krankenhaus heim kommt, dann freut er sich immer schon auf die Mußestunden. Denn jetzt, da die Ausgangsbeschränkungen zur Eindämmung der Ausbreitung des Corona-Virus außerhäusische Aktivitäten untersagen, kann er sich verstärkt seinem Hobby widmen. Seit 45 Jahren betreibt der heute 62-Jährige Modellbau. Angefangen hatte damals alles mit kleinen Flugzeugen von Airfix, erinnert er sich im Telefonat mit der SZ. „Die gab es für zwei Mark das Stück“, weiß er noch. „Die hat man einfach zusammengepappt.“

Heute hat er für sein Hobby ein eigenes Reich im Haus in Wellesweiler. Einen Raum, an den er sich zurückziehen kann. In dem er jede Menge Zubehör und Farben untergebracht hat. Und in den sogar für die Frau der Zutritt verboten ist, weitestgehend zumindest. Zwei bis drei Modelle pro Jahr werden fertig, schätzt Lucas. „Man macht ja auch mal Pause oder hat anderes zu tun.“ Aktuell hat er die Hanse Koge fertiggestellt. Mit 180 Teilen waren das relativ wenig. „Aber die Teile allein sagen ja nichts über den Schwierigkeitsgrad aus.“ Denn mit dem Bauen alleine ist es nicht getan. Da muss gemalt und geknüpft werden. Gerade bei den Schiffen mit viel Tauwerk eine teils knifflige Arbeit.

Lucas’ bisheriges Meisterstück war die Mayflower, das Schiff der Pilgerväter. Etwa 80 Zentimeter ist das lang. Auch da war ordentlich was an Knüpfarbeit zu leisten. Aber nicht nur das Bauen, das Malen und Knüpfen ist es, was Lucas an dem Hobby fasziniert. Wie jeder ernsthafte Modellbauer, wie er es sagt, informiert auch er sich immer auch über den Hintergrund seiner Modelle. „So erfährt man nebenbei auch jede Menge Geschichtliches.“

Die Bausätze sind oft nur Grundlagen, viele Zusatzteile kommen noch dazu. Die sind oft winzig. Damit auch die winzigsten Teil korrekt an ihren Platz kommen, hat Lucas eine stark vergrößernde Lupe.

Dietmar Lucas betreibt sein Hobby eigentlich für sich alleine. Natürlich gebe es auch Vereine, beispielsweise in Merchweiler. Ihm ist es aber im stillen Kämmerlein lieber. Wobei: So still und einsam, wie man sich das vorstellt, ist es dann doch nicht. Denn die Modellbauer tauschen sich in verschiedenen Internet-Foren aus. „So hat man ganz nebenbei auch noch Kontakt zu Menschen in aller Welt“, nennt Lucas noch einen weiteren Pluspunkt seines Hobbies. In den Foren kann man sich Rat holen, da gibt es Tipps, man stellt Neues vor. So zwischen 40 und 60 Jahren sei das Gros der Forumsteilnehmer. „Einer ist allerdings auch schon 88“, weiß er.

Die Foren empfiehlt er auch denen, die neu mit dem Hobby anfangen wollen. Ansonsten eben einen Club wie den in Merchweiler. Oder einfach machen. Erst einmal klein anfangen, mit Flugzeugen am besten. Vom Modellbau-Hersteller Revell gebe es Kennzeichnungen der Schwierigkeitsgrade. „Da natürlich klein anfangen, damit man schnell Erfolgserlebnisse hat.“ Denn am Anfang, ist er sich sicher, „sieht es immer erst blöd aus“. Dann dürfe man nicht den Mut verlieren und solle immer daran denke, dass auch hier gilt: Übung macht den Meister.

Und so sieht die Hanse Koge fertig aus, das neuste Machwerk von Dietmar Lucas. Foto: Lucas

Lucas behält übrigens alle seine Teile. Zumindest eine Zeitlang. „Manchmal denke ich nach ein paar Jahren: Oh, das hier war aber nicht gut gearbeitet. Dann fliegt auch schon mal was in die Tonne.“ Die Trennung macht ihm dann nichts aus. Seine Modell bekommt Lucas inzwischen aus aller Welt: Australien, Japan, das letzte aus Russland. Nachdem er sein aktuelles Modell nach vier bis fünf Wochen in Rekordzeit fertig hatte und jetzt die Zeit gerade günstig ist, hat er ein Großprojekt ins Auge gefasst. Den großen Passat-Segler, 90 Zentimeter, 700 Teile. Den haben Lucas und seine Ehefrau – Segelschiff-Fan wie er – letztes Jahr in Lübeck gesehen, im Original natürlich. „Dass ich den baue, das ist auch ein Wunsch meiner Frau“, sagt der Modellbauer. Und glaubt:  „Damit bin ich dann bis zur Rente beschäftigt.“